NLS: Sie geht immer deutlicher auf Distanz zur VLN!

Ich kannte nicht nur den ersten „Promotor“ der VLN gut, ich habe über viele Jahre als Teilnehmer, ab 1977, einige kommen und gehen sehen. Die „Ungeliebten“ von „damals“ waren – aus heutiger Sicht – nicht die Schlechtesten! Sie waren gut für eine neue Serie, die sich wirklich zu einer bedeutenden Breitensportserie entwickelt hat. - Damals! - Die Fahrzeuge – Gruppe N – waren vielfach noch straßenzugelassen, kam per Achse zum Ring. Manche wurden auf dem Hänger transportiert. - Nun schaue man sich heute mal das aktuelle Fahrerlager für ein Rennen der NLS an. - Renntransporter reiht sich an Renntransporter. Oft sind die LKW‘s teurer als die damit transportierten Rennfahrzeuge. Und leitende Funktionäre werden schon mal an die Einfahrt zum Fahrerlager des Nürburgrings gerufen, wenn sich mal ein wirklicher Privatfahrer mit einem bezahlbaren Renntourenwagen auf einem Anhänger hinter seinem Pkw an den Nürburgring verirrt hat. Dafür ist inzwischen kaum noch Platz im repräsentativen NLS-Fahrerlager des Nürburgrings.

NLS: Sie geht immer deutlicher auf Distanz zur VLN!

Leser machen mich darauf aufmerksam, dass die VLN nicht nur ein neues Logo hat, sondern inzwischen auch anders benannt wird. Außerdem gibt es nicht mehr 10 Läufe, sondern inzwischen nur noch acht. - Das ist Corona geschuldet, sagen die Einen, während die Anderen die Meinung vertreten, dass die „neuen Herrn“ nun – im „Schutze von Corona“ - versuchen, ein neues,  gehobenes Format zu kreieren. - Exklusiv und teuer!

Richtig! - Ich war vielleicht zu lange in der VLN unterwegs, um die jetzt laufende NLS-Serie als ein passendes Format zu empfinden. Aber tatsächlich versuchen neue Manager alles besser aussehen zu lassen als es bisher war. - Das wird in 2021 noch deutlicher werden, da man dann – mal wieder – mit neuen „Spitzenmanagern“ arbeiten wird. (Andere werden das als „Muss“ empfinden!) Nach Motor-KRITIK-Informationen werden sich zwei der aktuellen Macher ins Privatleben zurück ziehen.

Derzeit gibt es keine Fahrerbesprechungen mehr, die früher zwanghaft vorgeschrieben waren. Auch eine „Technische Abnahme“ ist überflüssig geworden. Es genügt, wenn der Fahrer unterschreibt, dass das Fahrzeug dem Reglement entspricht. - Corona macht‘s möglich? - Wie ein Beispiel beweist, kann inzwischen auch mit einem Rennfahrzeug gestartet werden, das nicht im Teambesitz ist. Hauptsache der „Wagenpass“ ist bei einer Überprüfung i.O.!

Einer Reihe von Startern macht auch die „BoP“ Kummer. Nach dem 6h-Rennen beschwerte sich sogar der Hauptsponsor der neuen Serie NLS über die aktuell für seine Fahrzeuge vorgeschriebene  „BoP“, die Balance of Performance. Deren Logik verstehe wer will. Für einen Fahrer mit dem DMSB-Nordschleifen-Permit B muss z.B. ein GT4-Sportwagen um 210 Kilogramm schwerer werden und auf einige PS verzichten! - Ist so etwas wirklich leichter für einen „B-Aspiranten“ auf der Nürburgring-Nordschleife zu fahren?

  • Aus meiner persönlichen Sicht ist so eine willkürlich vorgenommene zusätzliche Belastung des Fahrwerks um rd. 20 Prozent geradezu verantwortungslos!

Es wird auch immer seltener, dass ein Rennergebnis nach Wochen noch das gleiche ist, wie das, das der Zuschauer am Bildschirm während des Veranstaltungstages mit erlebt hat. Auch das Ergebnis des gerade am letzten Samstag gelaufenen 6-Stunden-Rennen ist nicht endgültig. Die Wertung in den Klassen SP9, V4 und V5 ist ausgesetzt. Damit ist auch das Gesamtergebnis „vorläufig“. - Wirklich neu ist, dass zu dem „Vorläufig“ des Rennergebnisses beim Sechs-Stunden-Rennen nun die Erläuterung zu finden ist:

„Ergebnis vorläufig wg Techn. Nachuntersuchungen in der Klasse SP9, sowie eingelegter Berufungen in den Klassen V4 und V5“

Wobei es mich als Beobachter bisher eigenartig berührt hat, wenn dann nach einiger Zeit die als „definitiv“ verkündeten Ergebnisse nicht sofort eine schriftliche Begründung erfahren haben. - Normalerweiser erfährt man noch nicht einmal, warum ein Rennergebnis nicht als „normal“ und endgültig verkündet werden konnte. - Das ist nun beim letzten NLS-Ergebnis anders!

Inzwischen werden aber Korrekturen an der 2020er Basis-Ausschreibung vorgenommen, die wohl die Teams zu einer Anschaffung und Nutzung von „T-Cars“ veranlassen sollen. Wer an einem Freitagnachmittag vor dem Rennen bei der Veranstaltung eines „Drittanbieters“ sein Einsatz-Fahrzeug so beschädigt, dass es bis zum Renn-Samstag nicht wieder hergestellt werden kann, könnte nun mit einem „T-Car“ an den Start gehen!

Die Bezeichnung kommt von der englischen Bezeichnung „Training Car“ und bezeichnete früher einmal ein Ersatzfahrzeug in der Formel 1. Dort durfte an einem Rennwochenende aber nur ein Ersatzfahrzeug verwendet werden. Wie nun die Entwicklung bei der NLS verläuft, ist derzeit nicht absehbar. (Das Bulletin zur Ausschreibungsänderung im Anhang.)

Es dürfen nun auch – bei der NLS – bei den „Serienwagen“  nicht nur „nicht serienmäßige Bremsen“ – auf Antrag! – verwendet werden, sondern – auf Antrag! – ist auch eine Änderung bei der elektronischen Motorsteuerung möglich.

  • Fehlende Anträge sind übrigens auch der Hauptgrund für die noch laufenden „Proteste“ in der Klasse V4 des 6-Stunden-Rennens!

Man fragt sich nach dem Sinn, wenn an anderen Stellen solcher Serien-Automobile (!) dann nur Serienteile – versehen mit den entsprechenden Werksbezeichnungen und -Ersatzteilnummern – verbaut sein müssen. - Bei der NLS kommt es offensichtlich nicht mehr darauf an, die Serie kostenmäßig in gewissen Grenzen zu halten, wie das früher bei der VLN der Fall war.

Da passen dann die SP 9 /GT 3 gut ins NLS-Bild. - So lange die Werke die Einsatzkosten mit tragen. Rein privat sind die Kosten für den Einsatz in der NLS einzelnen Fahrern nicht mehr zuzumuten! - Für die Einsatzkosten eines einzigen SP9-Fahrzeugs beim vor uns liegenden 24h-Rennen, zu dem Pflichtstarts bei der NLS vorgeschrieben sind (!), könnte man sich auch ein Wochenendhaus in der Eifel kaufen!

Der Leser-Hinweis an Motor-KRITIK ist schon richtig: Die NLS ist nicht mehr die VLN! - So wird sie dann sicherlich auch den Weg all der Serien gehen, in denen der Einfluss und die Bedeutung der Hersteller zu wichtig für‘s Überleben wurde.

Da ist es eigentlich auch logisch, dass der Anteil der wirklichen Privatfahrer abnimmt und die NLS gegenüber der VLN an Starterzahlen verliert.

Nach dem 24h-Rennen, zu dem „hinter den Kulissen“ nicht nur Zuschauer – in beschränkter Anzahl - eingeplant werden (Zelten verboten!), sondern man auch daran denkt, die Boxen wieder „normal“ zu nutzen (um nicht so viele Strafen für Geschwindigkeitsübertretungen aussprechen zu müssen!) wird man bei der NLS mit weiter sinkenden Starterzahlen rechnen müssen.

Viele Privatfahrer haben den Spaß am „Breitensport“ verloren, für den die VLN mal eine Basis bot!

Verstehen Sie, lieber Leser, diese Geschichte – bitte - nicht als „Abgesang“, sondern als eine Erinnerung daran, dass es mal eine VLN gab. - Leider war das „gestern“!

Es ist bezeichnend für die Modernität der NLS, dass wir Anfang November ds. Jrs. einen weiteren „Double-Header“ erleben werden. - Das haben Junior-Manager beschlossen.

So bereitet man für 2021 die weitere Entwicklung der NLS – weg von der VLN - „unauffällig“ vor!

MK/Wilhelm Hahne
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