Der Tag nach „RaR“: „Touristenfahrten“ wie immer?

„Rock am Ring“ zog nach Veranstalterangaben zwischen dem 3. und 5. Juni 90.000 Besucher an den Nürburgring. Da hätte man gerne die Nordschleife zum Parken und Zelten genutzt. Wie das „früher“ auch schon mal möglich war. Aber das waren noch andere Zeiten. Es gab auch andere Verhandlungspartner. Dieses Mal hatte der „lange Arm“ des russischen Nürburgring-Besitzers, ein Deutsch sprechender Russe, Viktor Martin, aber Anweisung gegeben, dass die Nordschleife auch während „Rock am Ring“ für die „Touristenfahrten“ nutzbar sein muss. So hatten denn auch die Geschäftsführer entsprechend verhandelt. Sie hatten aber mit dem neuen „RaR“-Veranstalter auch neue Erfahrungen machen müssen. Auch dessen Bedingungen waren glasklar. Mit Vertragsabschluss hatte der nicht nur formal das Hausrecht am Nürburgring übernommen, sondern auch in der Realität. Da war mancher „Bittsteller“ schon überrascht. Ein „das haben wir doch immer so gemacht“ hatte dieses Mal keine Gültigkeit. Und die sog. Geschäftsleitung des Nürburgrings keinen Einfluss. - Dafür liefen dann aber – wie vom russischen „Fadenzieher“ gewünscht - dann die „Touristenfahrten“ auch während der Veranstaltungstage von „Rock am Ring“. Schon wegen der Verkehrsverhältnisse während der „RaR“-Veranstaltung war wohl aber das Ergebnis nicht so toll aber wohl zufrieden stellend. - Grund genug, am Tag nach „RaR“, mal nach dem Rechten zu sehen.

Der Tag nach „RaR“: „Touristenfahrten“ wie immer?

Obwohl die „Touristenfahrten“ wie auch sonst immer schon, auch an Pfingstmontag in der Frühe startete, wollte ich mich nicht evtl. durch den Abreiseverkehr von „Rock am Ring“ quälen müssen und bin erst nach dem Mittagessen in Richtung Nordschleife gestartet.

Überraschender Weise gab es wenig Verkehr. Viele der Festival-Besucher hatten wohl schon am Pfingst-Sonntag das Nürburgring-Gelände verlassen, zumal es an diesem Tag z.T. auch regnete und nicht gerade angenehm warm war. In der Vergangenheit hatte das Wetter die Feiernden bei „RaR“ kaum bremsen können, aber nicht alle der 90.000 Besucher schienen dieses Mal wetterfest zu sein.

So gab es auch beim Rückreiseverkehr vom Festival hin zur Autobahn, in der Nacht zum Pfingstmontag auf der B 412, schon einen Frontalzusammenstoß eines Pkw von Besucherinnen aus Baden-Württemberg mit einem Lkw, der leider mit dem Tod der 23-jährigen Fahrerin endete. Die 24-jährige Beifahrerin wurde nach Angaben der Polizeidirektion Mayen schwer verletzt.

Die Polizei hat es in ihrer Darstellung der Abläufe vermieden, auf einen möglichen Zusammenhang mit „Rock am Ring“ hinzuweisen. Hier im direkten Nürburgring-Umfeld war aber schon am Pfingst-Sonntag ein stärkerer Verkehr zu beobachten, als – überraschend - am Pfingstmontag.

Trotzdem hatte ich mich erst am frühen Montag-Nachmittag in Richtung Nürburgring auf den Weg gemacht.

Das Wetter war schön, der Verkehr war gering, so dass ich gar nicht erstaunt war, dass z.B. am Parkplatz „Brünnchen“ eigentlich auch alles so war wie immer. An der Zu- und Ausfahrt standen zwar noch absichernde Gitterzäune, aber auf dem Parkplatz selbst, sah es eigentlich normal und so sauber aus, wie ich es eigentlich nicht erwartet hätte. Und die Selbstdarstellung der „Rennfahrer“  bei den „Touristenfahrten“ sorgte für Stimmung bei den Zuschauern. - Überraschender Weise war der Imbiss geschlossen.

Dazu ist übrigens vorausschauend zu sagen, dass der aktuelle Pächter dieses Imbisses mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Tätigkeit hier zum Jahresende einstellen wird. Dann wird ein neuer Pächter versuchen, die Ansprüche der Besucher zu erfüllen. Soweit mir bekannt wurde, wird er aber dann nicht mehr – wie bisher – seine Bratwürste bei dem Metzger seiner Wahl einkaufen können, sondern vertraglich verpflichtet werden, die Bratwürste von der Nürburgring 1927 GmbH und Co. KG zu beziehen, der sie ihrerseits bei einem Großbetrieb aus Hürth (bei Köln) bezieht, der z.B. auch bekannte Fußballstadien beliefert.

Der Nürburgring-Pächter möchte nämlich möglichst noch an jeder Bratwurst verdienen, die am Nürburgring verkauft wird. Zusätzlich zur normalen Pacht, die ein Pächter auf einem Nürburgring-Grundstück zu zahlen hat!

Ich habe dann auch mal einen Blick auf die Grundstücke auf der anderen Straßenseite der B 412 geworfen, auf denen während Großveranstaltungen schon mal vom Nürburgring ein „Bedarfs-Campingplatz“ eingerichtet wird und dann richtig kassiert wird. - Dass es da dann auch mal zu kleinen Konflikten mit „Nachbarn“ kommt, darüber hatte Motor-KRITIK schon anlässlich des 24h-Rennens informiert.

Auch hier machte alles einen sehr aufgeräumten Eindruck. Es standen zwar noch sehr viel Absperrgitter herum, aber da jetzt die Zufahrt zum Grundstück von der B 412 her grundsätzlich durch eine geschlossene Schranke verwehrt wurde, hat das sicherlich niemanden gestört. - Ich hatte beim genauen Hinschauen den Eindruck von einem großen Vogelkäfig, den ich mit den Fotos verdeutlichen wollte, weil in diesem Gewirr von Gittern ein Schild zu sehen war – und ist – das darauf aufmerksam macht, dass es sich hier um ein Landschaftsschutzgebiet handelt.

Aber das scheint niemanden besonders zu stören. Von den Menschen! - Die Tiere und Vögel fragt schließlich niemand!

Nachdem dann so gegen 15:25 der Lärm des „Touristenverkehrs“ am „Brünnchen“ verstummte, kein Fahrzeug mehr kam, war mir klar, dass es mal wieder zu einer Streckensperrung wegen eines Unfalls gekommen war. Und ich habe mich auf den Weg zur Nordschleifenzufahrt gemacht, wo nicht nur der dortige Parkplatz noch gut gefüllt war. Es war war auch ein reger Verkehr zu registrieren. Aber ein Blick die lange Gerade, auf die „Döttinger Höhe“ in Richtung „Galgenkopf“ zeigte auch eine autofreie Strecke. Und ein „blinkender Pfeil“ erinnerte an die Ausfahrt.

Als dann eine gute halbe Stunde nach der Sperrung der Abreiseverkehr von der Zufahrt her stärker wurde und z.B. auch ein Getspeed-Renntaxi in Richtung Meuspath seinen Nordschleifen-Arbeitsplatz verließ, da wusste ich, dass die Sperrung wohl länger dauern würde. Bestätigt wurde mein Eindruck, als ich kurz nach 16.00 Uhr das Fahrzeug eines Arztes mit Blaulicht auf der Rückfahrt zu seinem eigentlich Standort fotografieren konnte.

Noch am Abend meldete die Polizeidirektion in Mayen dann:

POL-PDMY: Tödlicher Verkehrsunfall auf der Nordschleife
Am 06.06.2022 kam es um 15:20 Uhr auf der Nordschleife des Nürburgrings im Rahmen, der dort stattfindenden Touristenfahrten zu einem tödlichen Verkehrsunfall.
Beim Befahren des Streckenabschnitts "Kallenhard" verlor ein 54-jähriger Motorradfahrer bei Posten 111 alleinbeteiligt die Kontrolle über sein Fahrzeug. Er kam in einer dortigen Rechtskurve nach links von der Fahrbahn ab und kollidierte mit der Schutzplanke und einem Leitpfosten.
Der Fahrzeugführer wurde durch den Aufprall tödlich verletzt. Ferner entstand Sachschaden.“

„Kallenhard“ ist praktisch eine relativ langsame Kurve, die dann – ungefähr 8 Kilometer nach Start- und Ziel – eine schnelle Abfahrt hinunter zum tiefsten Punkt der Strecke in „Breidscheid“ einleitet. 2018 war dort der Asphalt erneuert worden und jetzt im Frühjahr 2022 ist dort ein neuer FIA-Fangzaun errichtet worden.

Was aber einem Motorradfahrer wenig nutzt! Aber Automobile konnten auf dem Stück hinunter zur „Wehrseifenbrücke“, vorher schon tief hinunter in den Wald fliegen. - Selber jahrzehntelang auch mit schnellen Motorrädern auf der Nordschleife unterwegs gewesen, weiß ich um die Gefährlichkeit der Nordschleife. - Was aber dem verunglückten Motorradfahrer leider nicht mehr hilft.

So endete das Pfingstfest ein wenig traurig. - Dabei ist ein solcher Vorfall bei allen „Touristenfahrten“ nicht auszuschließen.

Ich habe dann versucht, mich mit dem Fotografieren von schönen Landschafts-Details und interessanten Wolkenformationen ein wenig abzulenken.

Denn die Nürburgring-Nordschleife ist sicherlich interessant, aber schöner ist eigentlich die Landschaft, in die diese Rennstrecke eingebettet ist.

Ich bin vor gut vier Jahrzehnten deshalb gerne in die Eifel gezogen!

Für andere – gerade aus dem Ruhrgebiet – ist die Eifel immer eine Wochend-Reise wert!

Und Zuschauen bei den „Touristenfahrten“ so ganz nebenbei, ist sicherlich ungefährlicher und kostengünstiger, als sich als „Normalo“ unter „Möchte-gern-Rennfahrer“ zu mischen!

MK/Wilhelm Hahne
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