Auch ohne Rotlicht: Renntaxis gehören zum Millieu!

Am Nürburgring! - Diese „Entdeckung“ wurde angeregt durch einen Leser, der nach dem Erscheinen meiner Geschichte zum Thema „Co-Pilot-Lizenz“ mit dem Namen „Anonym“ auf dem Display meines Telefons erschien und mir freundlich unterstellte, ich hätte ja keine Ahnung vom „Millieu“. - ??? - Ich habe das nicht verstanden. Herr Anonym hat darum gefragt: „Und wo sind die Zuhälter?“. - Dann hat es im Hörer geknackt und es war still. - Ich auch. - Seit der Zeit habe ich mich immer wieder gefragt: Wo sind die Zuhälter? - Bis ich dann mal auf die Idee kam, bei Google in der Suchfunktion zunächst „Ring-Taxi“ und dann „Renn-Taxi“ einzugeben. Da gibt es dann seitenlang „Anbieter“ von Renn- und Ring-Taxis. - Manche sind auch vielfach auf diesen Seiten vertreten. Zunächst mit einer richtigen „Anzeige“ (auch entsprechend gekennzeichnet), dann aber auch mit Details aus ihren Internetseiten. - Alles „Lizenznehmer“? - Oder hat man dieses Mal nur vier Co-Piloten-Lizenzen am Nürburgring ausgeschrieben, weil es unkontrolliert zu viele geworden waren? - Nach meinen Feststellungen gab es aber schon im letzten Jahr eine beschränkte Anzahl von Lizenzen. - Aber es gab wohl keine Kontrollen, keine Überwachung. - Eigentlich hat jeder der wollte, das so gemacht, wie er es gerne gehabt hätte. - Das ist mein Eindruck. - Soll das nun in 2018 besser werden? - Grund genug einmal danach zu schauen, wer denn nun in diesem Jahr auf der „Gewinnerliste“ der Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG – nach einer „diskriminierungsfreien Ausschreibung“ - steht. - Nachstehend finden meine Leser mein Recherche-Ergebnis. - Da kann man nur feststellen:

Auch ohne Rotlicht: Renntaxis gehören zum Millieu!

In meiner ersten Geschichte zu diesem Thema hatte ich – weil ich dem „Volk auf‘s Maul geschaut“ hatte – vom „Renntaxi-Strich“ geschrieben. Dieser Begriff hatte dann wohl auch zu dem Anruf des Herrn Anonym geführt. - Ich bin ihm dankbar! - Denn ohne seine Anregung wäre ich nicht auf die Idee gekommen, mich noch einmal intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen.

So wie es auf dem Straßenstrich „Hobbyladies“ gibt, so gibt es wohl an der Eifel-Rennstrecke  „Hobby-Renntaxis“, Fahrzeuge, die dank ihrer Fahrer den Interessierten auf der Nürburgring-Nordschleife ohne große Voranmeldung – sozusagen à la minute – ein großartiges Erlebnis bereiten.

So war es zumindest in den Jahren zuvor. In 2018 soll nun alles besser werden. - Was sonst? - Und man hat – wie hier bei Motor-KRITIK schon zu lesen – vier „Co-Piloten-Lizenzen“ ausgeschrieben. Für den Einsatz von je zwei Fahrzeugen wurde eine Mindestgebot von je 16.000 Euro pro Kalenderjahr erwartet. Die Meistbietenden sollten die Lizenzen erhalten.

Die Ausschreibung ist natürlich „diskriminierungsfrei“ erfolgt. Man muss schließlich das Gesicht wahren. Was sicherlich schwer genug fällt, weil die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG, die diese Ausschreibung verantwortet, schließlich schon ein eigenes Renn-Taxi, einen Mercedes-AMG-Sportwagen einsetzen wird. - Ohne Ausschreibung. - Schließlich ist die ausschreibende Pächterfirma eine Firmen-„Tochter“ der Besitzerfirma, die sich offenbar mehrheitlich in russischem Besitz befindet und selbst entscheidet, was ihr gut tut.

Nun stehen inzwischen auch die Gewinner der Ausschreibung fest, obwohl sie nicht offiziell verkündet wurden. „Diskriminierungsfrei“ bedeutet schließlich nicht „offen und transparent“! Wenn man aber die vier Firmennamen der „Sieger“ kennt,  dann muss man sich fragen, was man denn eigentlich bei der ausschreibenden Firma unter „diskriminierungsfrei“ verstanden wird.

  • Immerhin sollte man zwischen positiver und negativer Diskriminierung unterscheiden.

Am Nürburgring wird man argumentieren, dass die Höhe des Gebots über die Platzierung der Bewerber entschieden hat.  

  • Aber warum wurde schon in der Ausschreibung nicht darüber informiert, dass eine eigene Abteilung, die „Driving Academy“ in jedem Fall – ohne jedes Gebot – mit einem Mercedes-AMG GT-R in jedem Fall auch „Co-Pilot-Fahrten“ durchführen würde?   

Und das unter besseren Voraussetzungen, die schon dadurch gegeben sind, dass man auf dem Gelände direkt an der Rennstrecke, ein Gebäude von der BMW AG übernommen hat, das nun exklusuv für die Abwicklung der „Co-Pilot-Fahrten“ der „Driving Academy“ genutzt wird.

  • Keine der vier Gewinnerfirmen der „Co-Pilot-Lizenzen“ wird dort eine Abfertigung ihrer Fahrgäste vornehmen dürfen.
  • Alle vier Gewinner der Lizenzen – á zwei Fahrzeuge – wird die Abfertigung der „Kunden“ in einem von allen gemeinsam zu nutzenden Container(!) vornehmen müssen, der den „Gewinnern“ außerhalb der Zufahrt, jenseits der Zufahrtsstraße aufgestellt, dann zur Verfügung steht!

Unter diesen vier „Lizenz-Gewinnern“ muss die Firma „Getspeed“ auffallen, da sie einem der Eigner der Nürburgring-Besitzerfirma – allerdings nur mit 1 Prozent beteiligt – gehört. Es wird interessant sein zu beobachten, welche zwei Fahrzeuge diese Firma für die „Co-Pilot-Fahrten“ einsetzen wird.

Firmen, die durch die nicht ausreichende Höhe ihres Gebotes durch das Sieb der Bewertung  gefallen sind, sind nicht unbedingt davon zu überzeugen, dass bei der „Bewerbung“ von „Getspeed“ alles mit rechten Dingen zugegangen ist. - Immerhin scheint deren Gebot höher gewesen zu sein, als das des Fünfplatzierten!

Natürlich wird man bei „Getspeed“ die Gebote der anderen nicht gekannt haben, weil doch in diese Art von „diskriminierungsfreier Ausschreibung“ sogar die Rechtsabteilung der Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG eingeschaltet war. Da hat dann auch der Mitbesitzer der Firma keinen Zugang zu den Angeboten. - Oder?

Soweit ich das recherchieren konnte, müssen die Gebote der „Sieger“, zu denen dann auch „Getspeed“ gehört, zwischen 35.000 und 45.000 Euro pro Kalenderjahr gelegen haben. Da sind dann schon einige Firmen, die sich auch beworben hatten, „durchs Sieb gefallen“, weil die auch z.T. aus Erfahrung wussten, wie schwer es ist in diesem Geschäft Geld zu verdienen, wenn man z.B. auch die Wartung der Fahrzeuge ernst nimmt und verantwortungsvoll durchführt, einschl. des immer wieder – spätestens nach 20 Runden – notwendigen Reifenwechsels.

    • Und was wird mit deren „Renntaxis“, sofern sie schon vorhanden waren und noch sind?

Bei Aston Martin hatte man vor, sich auch zu bewerben, hat aber dann aber wohl „das Handtuch geworfen“. Dafür zählt Jaguar zu den Gewinnern. Ein neuer Name – nun offiziell auch in diesem scheinbar unscheinbaren Geschäft – ist nun die Firma APEX, die in Nürburg ein altes Wohnhaus erstanden, umgebaut und zur Firmenzentrale gemacht hat.

Der Vierte im Bunde der „Co-Pilot-Lizenz“-Gewinner ist eine Firma, die, nachdem sie einen Hotelkomplex nahe der Hohen Acht „günstig“ übernommen hatte, den derzeit wohl besten direkten Kontakt zur Geschäftsführung der Besitzer- und Pächterfirma hat, da bei den immer wieder erfolgenden „Spätnachmittag-Ausfahrten“ der russischen Besitzer und deren Geschäftsfreunden dann z.T. nur die Leihfahrzeuge dieser Firma zum Einsatz kommen, die alle mit der Aufschrift „RingTaxi.com“ und „Rent-Race-Car“ versehen sind.

Ein Teil davon ist derzeit – über den Winter – in der Großgarage (zwei Ebenen) am Nürburgring untergestellt. Die Konkurrenz fragt sich: „Eventuell kostenlos?“

Der Besitzer dieser Firma will sich aber mehr und mehr auf „geführte Fahrten“ mit Luxussportwagen im weiten, schönen Umfeld der Eifel konzentrieren, nutzt seine „Co-Pilot“-Lizenzen wohl mehr zur Abrundung seines Geschäftes insgesamt.

Nach meiner grob überschlägigen Schätzung, generiert die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG mit ihrer „diskriminierungsfreien“ Ausschreibung in der Saison 2018 eine Zusatzeinnahme von um  150.000 Euro. - Und das, ohne den Gewinnern der Lizenzen eine Mindest-Nutzungsdauer der Nürburgring-Nordschleife zugesichert zu haben!

Interessant ist, dass, obwohl es nur insgesamt fünf offizielle Anbieter (im Lauftext „angefettet“) mit insgesamt neun Fahrzeugen zu „Co-Piloten-Fahrten“ geben wird, es im Internet viel, viel mehr Anbieter von „Taxi-Fahrten“ auf der Nürburgring-Nordschleife gibt, wenn man diesen Internet-„Anzeigen“ - z.B. bei Google – Glauben schenkt.

Entweder geht es auch in 2018 so weiter, wie es schon in der Vergangenheit auf diesem Gebiet auf der Nürburgring-Nordschleife während der „Touristenfahrten“ zuging, oder aber man hat es hier mit „Vermittlern“ zu tun, die den neuen „Lizenz-Gewinnern“ dann gegen eine Provision zuarbeiten.

Damit hätten wir dann auch eine Antwort auf die telefonische Anfrage des „Herrn Anonym“ gefunden: „Wo sind die Zuhälter?“

Aber das beste Geschäft macht in der jeweiligen „Szene“ - in der auch „Rotlicht“ eine Rolle spielt -  immer der, der die „Basis“ anbieten kann. Das können Häuser, Lokale, Wohnungen, Wohnwagen – aber auch eine Rennstrecke sein.

Arm dran ist da immer, wer auf den „Straßenstrich“ muss!

Oder in den Container!

MK/Wilhelm Hahne
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