Zeitzeichen: Villa Trips als Museum geschlossen!

Wer kennt heute noch Wolfgang Graf Berghe von Trips? Das war ein Rennfahrer, der – würde er heute noch leben – in diesem Jahr 88 Jahre alt würde. Aber er ist schon 57 Jahre tot. Mit 31 Jahren starb er in einem Ferrari in Monza, wurde als Toter Vize-Weltmeister in der Formel 1-Saison des Jahres 1961. Seine Familie lebte auf Schloss Hemmersbach bei Kerpen. Dort erlebte er seine Kindheit. Er war das, was man heute als „Fahrtalent“ bezeichnen würde. Liest man heute den Werdegang moderner Rennfahrer, dann scheint die Erfahrung mit Renn-Karts geradezu eine notwendige Voraussetzung, scheint zum Pflichtprogramm eines Rennfahrers zu gehören. Doch als Wolfgang Graf Berghe von Trips heranwuchs, gab es noch keine Kart-Rennen in unserem Land. Das erste Kart wurde erst 1956 in Amerika gebaut. Graf Berghe von Trips brachte das Kart von Amerika nach Deutschland und es ist kein Zufall, wenn der Heimatverein von Michael und Ralf Schumacher mit „Wolfgang Reichsgraf Berghe von Trips e. V., Kart-Club Kerpen-Manheim im DMV“ benannt ist. Deren Kartbahn muss gerade aktuell der Braunkohleförderung weichen. - Und da überrascht es dann auch kaum, wenn gleichzeitig - in aller Stille - eine Erinnerungsstätte an einen großen deutschen Rennfahrer verschwindet.

Zeitzeichen: Villa Trips als Museum geschlossen!

Es war kein normales Museum. Es war ein Rennsport-Museum, das zunächst ganz auf die Erinnerung an Wolfgang Alexander Albert Eduard Maximilian Reichsgraf Berghe von Trips – so sein vollständiger Name – ausgerichtet war. Ein Rennfahrer, der als er am 10. September 1961 in Monza starb, als er kurz vor dem Gewinn der Formel 1-Weltmeisterschaft stand. Es hätte noch ein Sieg gefehlt.

Ich erinnere mich noch gut, dass ich am späten Abend dieses Tages aus einem Kino in Duisburg auf die Straße trat, um dort lautstark die Straßenverkäufer einer aktuellen – in Essen erscheinenden – Sportzeitung, den Tod von Graf Berghe von Trips verkünden zu hören.

Ich glaubte mich verhört zu haben, konnte es nicht fassen, habe natürlich diese Zeitung gekauft und bin in Tränen ausgebrochen. Ja, ich habe geweint! - Ich hatte niemals mit Graf Berghe von Trips gesprochen, hatte ihm nur beim Fahren in Rennen zugesehen. Das heißt: Zum ersten Mal habe ich ihn am Nürburgring auf einer 500er BMW erlebt. Ich war als Zuschauer dort, war zusammen mit einem Freund gekommen, der auch an dieser Veranstaltung dort teilnahm.

Es war die „Rheinland-Fahrt“, bei der Motorräder und Automobile gemeinsam in einer Veranstaltung starteten. Mein Freund, Herman Kühne, startete mit einem Karmann-VW-Käfer-Cabrio Ich erinnere mich noch gut, dass er vor dem Start seine Anzugjacke auszog – ja, man fuhr im Anzug mit geschlossenem Hemd und passender Krawatte – sie mir mit der Bitte gab, doch auf sie aufzupassen, bevor er seine Nordschleifen-Runde drehte, bevor es auf Landstraßen weiter ging.

Ich bin dann zur „Hatzenbach“ gegangen, habe die Durchfahrt der Motorräder dort erlebt. Darunter war dann auch eine 500er BMW, die aus meiner Sicht hervorragend bewegt wurde. Von Graf Berghe von Trips!

Ich weiß, dass sein Start in den Motorsport mit einem VW-Käfer erfolgt sein soll. Aber ich habe gesehen, was ich gesehen habe: Graf Berghe von Trips bei der „Rheinland-Fahrt“, irgendwann in den 50ern, auf einer 500er-BMW. - Später habe ich den Grafen dann bei sein Fahrten im Porsche beobachtet. - Er war wirklich gut!

Und ich bin auch der Meinung, dass er im Gedächtnis seiner Nachwelt erhalten bleiben sollte. Darum empfand ich es als gut und richtig, als aus dem Erbe der Eltern nach ihrem Tod eine Stiftung wurde, die sich um die Errichtung eines Rennsportmuseums in der „Villa Trips“, direkt neben Schloss Hemmersbach, dem Stammsitz der Grafen, kümmerte.

Aber das Interesse der Öffentlichkeit war gering, so dass man mit einer Schließung jederzeit rechnen musste. Dabei gab es dort auch wunderbare Sonderausstellungen.

Eine galt z.B. Raffael Becker, einem Kölner Künstler, der in den 50ern u.a. auch Plakate für Ford und auch Borgward entworfen hat. Zum Beispiel für die Borgward Isabella. -  Ich habe ihn gut gekannt. Er hatte in der Nähe meines Wohnortes ein Wochenendhaus und ich sehe ihn noch heute in seinem 356-Speedster, einem der ersten überhaupt, mit wehendem weißen Haar über die B 258 fahren. - Von ihm gab es auch eine Sonderausstellung in der Villa Trips, deren Existenz als Museum immer irgendwie auf der Kippe stand.

Darum konnte man z.B. in „Facebook“ im Jahre 2011 den Aufruf eines Motorsport-Fans lesen, der zu einer Unterstützung durch einen Besuch aufrief:

Liebe Motorsportfreunde in aller Welt!

Das Museum für Rennsportgeschichte, die Villa Trips, soll geschlossen werden, es sind keine Gelder mehr vorhanden, um dieses Projekt am Leben zu erhalten. Mit einem "Betriebsausflug" von "Save the Ring" und "Save the Ring Region" wollen wir unseren Beitrag leisten, damit auch dieses Stück Kulturgut seine Türen für begeisterte Motorsportfans weiterhin öffnen kann. Mit eurem Eintrittsgeld könnt ihr dieses Andenken an einen der größten Motorsportler seiner Zeit weiter aufrecht erhalten. Helft mit, denn die Not ist groß - SEHR groß! Darum treffen wir uns am 16.10.2011 von 14:00 bis 17:00 Uhr am Museum!

Vielen Dank für Eure tolle Unterstützung.

PS: Natürlich könnt ihr auch eure Freunde dazu einladen und deren Freunde...

Die Not schien beendet, als ein Horremer Unternehmer u.a. die Villa Trips in 2015 kaufte, bei gleichzeitiger Anmietung durch die Stiftung für fünf Jahre!

Dann übernahm auch der Journalist Jörg-Thomas Födisch zusammen mit seiner Lebensgefährtin Juliane Klingele die Leitung des Museums und baute es thematisch aus. „Motorsportler und Legenden aus dem Rheinland“ bildeten z.B. einen neuen Rahmen. Und bekannte Rennfahrer aus der Region stellten dafür „Material“ - vom Rennfahrzeug bis zum Sturzhelm – zur Verfügung. Auf der Internetseite des Museums war zu lesen:

„Für die Sonderausstellung ist es erstmalig gelungen, mehr als 40 Rennfahrer aus dem Rheinland, Nordrhein-Westfalen und der Region rund um den legendären Nürburgring großflächig und mit zahlreichen originalen Exponaten zu porträtieren.“

Aber es hat wenig genutzt. Das Museum wird nun definitiv geschlossen. Der Stiftung ging das Geld aus. Zu wenig Besucher! - Das damals, 2015, verkündete Ergebnis, „Zukunft gesichert“, wurde nicht erreicht.

Ein Mitarbeiter der neuen Besitzer am Nürburgring war schon vor vielen Wochen in Kerpen vor Ort, um sich die Ausstellung komplett für den Nürburgring zu sichern. Aber Jörg-Thomas Födisch fühlte sich an sein Wort gebunden, dass er den Rennfahrern gegeben hatte, als er sie um die kostenlose Gestellung von Ausstellungstücken bat:

Sie würden sie zuverlässig durch ihn wieder zurück erhalten!

Und er hält sich daran, hat die „Verleiher“ informiert, dass sie entweder ihre Sachen wieder abholen können, bzw. dass er sie ihnen persönlich wieder zustellt.

Was dann im Moment auch geschieht!

Der Motorsport und seine Fans haben sich verändert. Man schaut mehrheitlich nach vorne, empfindet sich nicht als angebunden an die Vergangenheit. - Eine Zeit ohne Kart, ohne aerodynamische, ohne elektronische Helferlein, als Rennfahrer noch Persönlichkeiten waren, die im Rennen selber Entscheidungen trafen, auf deren Rennintelligenz es ankam?

Man kann darauf verzichten, möchte nicht an eine Zeit erinnert werden, in der es keine Boxen-Crew und ihre Computer gab, die heute den Fahrern „die richtigen“ Anweisungen gibt, sie bei gleichzeitigem Einsatz aller elektronischen Möglichkeiten zu “Bedienern“ herab würdigt. - Vergangenheit – oder die Erinnerung an sie - wird nicht gebraucht, ist quasi „beleidigend“!

Der Motorsport scheint kein Museum zu gebrauchen, weil das Selbstverständnis der „neuen Generation“ heute nicht mehr zu so einer Stätte der Erinnerung passt. Der Motorsport hat sich eben „weiter entwickelt“. - Die Akzente sind verrutscht: Weg vom Menschen, hin zu noch mehr digitaler Technik mit einer nicht mehr kontrollierbaren Überreglementierung des Sports!

Schade!

MK/Wilhelm Hahne
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