RLP-Innenministerium: Null Ausgaben für „Luftretter“!

Insider waren erstaunt, dass Motor-KRITIK mit seinen Geschichten zum Thema Luftrettung überhaupt so ein „heißes Thema“ anpackte. Als ich mit den Recherchen begann, war mir das auch nicht bewusst. Der Einstieg geschah über die Anregung, die von der Stationierung eines Rettungshubschraubers am Nürburgring ausging. - Je weiter ich mit meinen Recherchearbeiten voran kam, desto zäher wurde das Vorwärtskommen. So wurden dann hier jeweils Teilergebnisse veröffentlicht. Das Echo war unterschiedlich. Ich wurde von der einen Seite als „Lügner“  hingestellt, der (u.a.) „gefährliches Halbwissen“ verbreitet, von der anderen Seite wurde Motor-KRITIK gelobt, weil „endlich jemand das ‚heiße Eisen‘ angepackt hat. - Also Gründe genug um nachzuhaken, auch um Zusammenhänge zu begreifen, die offenbar bisher der Öffentlichkeit verborgen geblieben sind. So habe ich an den unterschiedlichsten Stellen dann wohl Fragen gestellt, die – manchmal – offensichtlich als unangenehm empfunden wurden. - Weil es keine Reaktionen, keine Antwort gab! - In anderen Fällen musste ich nach einer gewissen Wartezeit nachfassen, um Antworten zu erhalten. Dabei war mir von „Insidern“ schon vorhergesagt worden: „Sie werden von dort keine Antwort erhalten.“ - Um dann nach einer kurzen Pause lächelnd zu ergänzen: „Sie sind doch nicht Dr. Enders.“ - Darum habe ich auch – an einer bestimmten Stelle nachfassend – auf einer Antwort bestanden. Sie bildet – natürlich – dann kurzgefasst, den Titel zu dieser Geschichte, wird aber in der folgenden Geschichte in vollem Umfang wiedergegeben.

RLP-Innenministerium: Null Ausgaben für „Luftretter“!

„Von dort“ - damit war das „Referat 354“ im Mainzer Innenministerium gemeint. Ich hatte dort – selbstverständlich den „Dienstweg“ über die Presseabteilung des Ministeriums einhaltend – die einfache Frage gestellt:

„Wieviel Geld wurde bis heute für die Einrichtung von Luftrettungsstationen von der Landesregierung aufgewendet?“

Gleichzeitig habe ich mich natürlich auf die Suche nach der für mich bisher fiktiven Person eines Dr. Enders begeben. - Und bin im Archiv des Landtages von Rheinland-Pfalz fündig geworden.

Motor-KRITIK-Leser finden im Anhang zu dieser Geschichte zwei pdf-Dateien, die die Fragen eines Dr. Enders, Landtagsabgeodneter der CDU im Mainzer Landtag, und die Antworten darauf aus dem Innenministerium aufzeigen. - Motor-KRITIK möchte diese Vorgänge durch den Hinweis – auch für eine Beurteilung durch meine Leser – relativieren, dass Dr. Enders vor seiner Zeit als Landtagsabgeordneter, als Arzt beim Bundeswehr-Zentralkrankenhaus in Koblenz beschäftigt war und nach seiner Darstellung auch heute noch dort stundenweise arbeitet.

Das Bundeswehr-Zentralkrankenhaus ist aber auch der Standort des ADAC-Hubschraubers „Christoph 23“, zu dem der am Nürburgring neu stationierte Hubschrauber der „Johanniter Luftrettung“ offenbar als Konkurrenz empfunden wird.

An dieser Stelle möchte ich aber zunächst die – für mich fast unerwartete – Antwort aus der Presseabteilung des Innenministerium von Rheinland-Pfalz auf meine o.g. Frage einklinken, die in vollem Umfang lautete:

Hallo Herr Hahne,
nach meinen Recherchen wurden durch das Innenministerium keine Gelder aufgewendet. Nichts sagen kann ich allerdings dazu, ob andere Stellen Gelder aufgewendet haben.
Da es sich um Krankenhäuser handelt und das Landeskrankenhausgesetz eine Förderung von Investitionen an Krankenhäusern durch das für das Gesundheitswesen zuständige Ministerium vorsieht, sind hier eventuell Zahlungen geflossen.
Außerdem könnte auch das Wissenschaftsministerium – Unimedizin Mainz – sich an den Kosten beteiligt haben.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Joachim Winkler
Pressesprecher
Leiter Presse und Öffentlichkeitsarbeit
MINISTERIUM DES INNERN UND FÜR SPORT
RHEINLAND-PFALZ

Nun sehe ich es nicht unbedingt als Aufgabe eines Journalisten an, hier „Licht ins Dunkle“ bei der Landesregierung von Rheinland-Pfalz zu bringen. Dafür gibt es auch eine Opposition im Landtag, die – sozusagen - „Wächterfunktion“ haben sollte. Aber: Ein Dr. Enders genügt da wohl nicht!

An dieser Stelle wird es Zeit, die härteste Kritik an einer Geschichte hier darzustellen, die mich je erreichte:

...„Bitte informieren Sie sich doch bitte einmal richtig bevor Sie einen Artikel schreiben, der nur so vor (nachweissbaren) fachlichen Fehlern strotzt. Sie haben mehrfach in dem Artikel bewiesen, wie wenig Ahnung sie vom Rettungsdienst, der Luftfahrt und den Firmenstrukturen des ADAC haben.

Sie verbreiten hier gefährliches Halbwissen und verunsichern damit Bürger.

Teilweise verbreiten Sie bewusst Lügen!
Einige Ihrer „Nachforschungen“ sind offene Sachverhalte, die jeder kennt.“...

Nun habe ich danach nicht etwa aufgeschrieen, war böse, sondern habe als Journalist um die Erklärung der Vorwürfe im Detail gebeten. Die wurde mir zwar zugesagt, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt, da man im Moment mit Terminarbeiten zu sehr belastet sein würde.

Bis heute, rd. zwei Wochen nach dieser Erklärung, (vom 8. Februar)  gibt es noch keine präzisen Erläuterung der in der E-mail nur pauschal ausgesprochenen Vorwürfe. Was mich besonders stört, ist mir bis heute also noch nicht erklärt worden:

  • Sie verbreiten hier gefährliches Halbwissen und verunsichern damit Bürger.
  • Teilweise verbreiten Sie bewusst Lügen!

Natürlich war ich so gezwungen, meine Darstellungen in den Geschichten noch einmal zu hinterfragen, um evtl. eine Korrektur meiner Aussagen vorzunehmen oder aber um sie bestätigt zu bekommen.

Aber zunächst musste ich mein Verständnis für Fremdworte erweitern. Immer wieder tauchte in den Unterlagen, auf die ich bei meinen Recherchen stieß, das Wort „Subsidiarität“ auf.

Das Wort gehört – finde ich - nicht unbedingt zum normalen Sprachschatz. Darum sei es hier grundsätzlich erst einmal – vielleicht auch für einige Motor-KRITIK-Leser - mit einem Zitat aus Wikipedia erklärt:

 ... „ist eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Maxime, die Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und die Entfaltung der Fähigkeiten des Individuums, der Familie oder der Gemeinde anstrebt.“

In Bezug auf die Luftrettung im Gebiet des Landes Rheinland-Pfalz wird es aus dem Innenministerium des Landes Rheinland-Pfalz so erklärt:

„Die Subsidiarität ergibt sich aus dem Umstand, dass ein originäres Luftrettungsmittel oder ein bodengebundenes, notärztliches Rettungsmittel nicht im definierten Zeitrahmen zur Verfügung steht. Die Ermittlung des jeweils nächstgelegenen Einsatzmittels erfolgt durch die zuständige Disponentin bzw. den zuständigen Disponenten auf Basis der aktuellen Standorte der Rettungsmittel.“

 Auch aus dem Innenministerium – von Staatssekretär Randolf Stich - stammt die Feststellung:

„Die Entscheidung, ob ein subsidiärer Einsatz durchgeführt wird, liegt insoweit bei der zuständigen Leitstelle. Hierbei steht einzig und allein das Wohl der betroffenen Notfallpatientinnen und -patienten im Vordergrund.“

Dazu ergab sich dann  nach den bereits erschienenen Geschichten in Motor-KRITIK zu diesem Thema eine klare Frage, die Motor-KRITIK an die zwei Ärztlichen Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) in Koblenz richtete:

„Haben Sie persönlich die Belegung von Air Rescue Nürburgring mit einem Malus veranlasst?
Wenn JA: Mit welcher Begründung?“

Nach fünf Tagen hat mir einer der  ÄLRD‘s geantwortet, exakt der, von dem auch angeblich die Dienstanweisung stammt, die dem „Air Rescue Nürburgring“ eine „Maluszeit von 10 Minuten“ zuordnet. Dieser Zuordnung wird in der Antwort klar widersprochen! - Damit Motor-KRITIK-Leser  die Möglichkeit haben, die Antwort insgesamt zu werten, wird sie hier ohne jede Veränderung des Lauftextes einkopiert:

Sehr geehrter Herr Hahne
 
Sie haben sich mit Ihrer Geschichte scheinbar auf glattes Terrain begeben. Es wäre vielleicht sinnvoller gewesen bei Ihrer Recherche die zuständige Rettungsdienstbehörde, zu der auch diie ÄLRD (Ärztlichen Leiter Rettungsdienst )gehören einzubinden. Dann hätte möglicherweise sich manches in anderem Licht sehen lassen.
 
Zu Ihren Fragen:
 
Klar Nein, die ÄLRD Koblenz-Montabaur bzw. die Rettungsdienstbehörde haben den Air Rescue Nürburgring nicht mit einem Malus versehen.

Das für die Luftrettung zuständige Ministerium des Innern in Mainz hat 2016 für alle arztbesetzten Rettungsmittel, insbesondere Hubschrauber  sogenannte Rüstzeiten (Sie bezeichneten  es als Malus) definiert mit dem Ziel dem Notfallpatienten den zum Zeitpunkt X nach Georouting nächstgelegenen Notarzt (völlig egal ob Hubschrauber oder Boden !!) zuzuteilen. Diese Rüstzeiten werden im Einsatzleitrechner der Leitstelle zu den Anflug/Anfahrzeiten der zur Auswahl stehenden Notärzte(Luft und Boden). Dem Notfallpatienten muss der am schnellsten verfügbaren Notarzt zugeteilt werden, was notfallmedizinisch absoluten Sinn macht. Nicht immer ist das der  Hubschraubernotarzt , auch wenn man das erst mal so denkt.

Denn Rüstzeit heisst, ggfs. aktueller Wettercheck für den Einsatzort, Turbine hochfahren, Startvorgang nach JAR-OPS, Landeplatzanflug, Landung und ggfs. noch Transfer des Notfallteams zum Patienten, weil der Hubschrauber im Gegensatz zum Bodennotarzt (NEF) selten direkt neben dem Patienten landen kann. Es geht ja um die Hilfeleistungsfrist und die endet erst bei Eintreffen beim Patienten.

Diese Rüstzeiten betragen 5 Minuten, wenn die zuständige Leitstelle direkt Zugriff (Funk und GPS Routing,Rescue Track) auf den Hubschrauber ihres Bereiches hat. z.B. muss eine Leitstelle den Hubschrauber aus dem Gebiet einer Nachbarleitstelle in den Einsatz bringen, weil der "eigene" bereits im Einsatz oder aus anderen Gründen (Wetter) nicht für den Einsatzort verfügbar ist, dann muss diese Alarmierung über die den anderen Hubschrauber führende Leitstelle (=Nachbarleitstelle, sogenannte gekoppelte Leitstelle) per TC erfolgen. Für die Übermittlung der Einsatzdaten via andere Leitstelle ist deshalb ein weiterer Zuschlag in der Rüstzeit vorgegeben.

Dies gilt für alle öffentlich rechtlichen RTH/ITH.
 
Die Alarmierung des ARNB, der kein öffentlich rechtlicher RTH ist, sondern nur subsidiär zum Einsatz kommt, wenn die öffentlich rechtlichen RTH nicht verfügbar oder nicht zeitgerecht einsetzbar sind,  erfolgt durch die Leitstelle des Einsatzgebietes über die Johanniter Leitstelle (JASI) in Mainz. Sie ist eine nicht öffentlich rechtliche, sondern private Leitstelle. Dies nennt man nicht gekoppelte Leitstelle. Die Übermittlung des Datensatzes an diese und von dort an den ARNB Hubschrauber kostet zusätzliche Zeit, wenn auch nur Minuten. Diese sind dann der Logik der Systematik folgend auf die Rüstzeit aufzuschlagen. Ausserdem hat der ARNB auch private Auftraggeber (SanDienst Nürburgring, Verlegetransporte im Klinikverbund Marienhaus), die gar nichts mit dem öffentlich rechtlichen System der Luftrettung zu tun haben. Der ARNB kann für diese unterwegs sein, was die öffentlich rechtlichen Leitstellen nichts angeht ,weil eben privat! Nur die Jasi hat den Überblick über ARNB.
 
Ich hoffe hiermit etwas zu Ihrer Aufklärung in dieser Angelegenheit beigetragen zu haben
 
mfg
Stefan Schaefer
Facharzt für Anästhesie und Notfallmedizin
Dipl.Ing. für Medizinische Technik

Medizinischer Direktor/ Ärztlicher Leiter Rettungsdienst
Rettungsdienstbereiche Koblenz und Montabaur

Was hier fehlt, ist der in der Original-E-mail auch zu findende Anhang, der deutlich macht, dass dieser „Facharzt für Anästesie und Notfallmedizin“ nicht nur – praktisch als „Halbtagskraft“ im Wechsel mit einem weiteren Kollegen (der auf meine Anfrage nicht antwortete!) arbeitet, sondern seine „andere Arbeitsstelle“ beim Bundeswehr-Zentralkrankenhaus in Koblenz hat, dort, wo auch der ADAC-Hubschrauber „Christoph 23“ steht, entsprechend den Angaben des Herrn Schäfer, nur mit einem „Malus von 5 Minuten“ belastet.

Auf meine verwunderte Nachfrage in „Kreisen des Rettungsdienstes“, ob es denn normal sei, dass ein ÄLRD, der Vorgesetzte einer Integrierten Leitstelle, gleichzeitig Arbeitnehmer bei einem „Anbieter“ sei, wurde mir mit einem wissenden Lächeln erklärt:

NEIN“. - Sonst gab es dazu keinerlei Kommentar. - Außer dem von mir registrierten vielsagenden Lächeln!

Bei einem Besuch am Nürburgring wurde mir erklärt, dass die „Rüstzeit“ des „Air Rescue Nürburgring“ sich von der des „Christoph 23“ in der Praxis wohl kaum unterscheiden würde. Eine Rüstzeit von 5 Minuten wäre eigentlich schon das Maximum.

  • Im Normalfall würden die Rüstzeiten zwischen 3 – 4 Minuten liegen!

Auf meinen Einwand musste ich mir von der Johanniter-Seite auch erläutern lassen, dass der Einsatz über die Johanniter Leitstelle (JASI) in Mainz eigentlich nicht notwendig sei und dass dieser hier in der Prais gewählte „Umweg“ bei einem Einsatz max. 60 sec betragen könne.

Ich frage mich inzwischen:

  • Ist „Subsidiarität“ in der Luftrettung nur ein Wort?

Darauf sollten die verantwortlichen Politiker eine Antwort geben, denn offensichtlich ist im Dickicht der verteilten Verantwortung (s. Antwort Innenministerium) kaum ein Verantwortlicher auszumachen!

Ein Hinweis von Motor-KRITIK:

  • Es geht hier in der Praxis um Entscheidungen, die für die Betroffenen über Leben oder Tod entscheiden!

Diese Geschichte ist sicher nicht das Ende der Berichterstattung zum Thema Luftrettung in Rheinland-Pfalz. Es wäre jetzt an der Zeit, dass man sich auch in der Politik ernsthaft mit einer hier wohl entstandenen „Konkurrenz-Situation“ und der dadurch entstandenen Problematik auseinander setzt.

  • Hier sollten Entscheidungen nicht auf der Basis von „Soll & Haben“ und der daraus entstehenden Differenz in Rot oder Schwarz getroffen werden!

Wir bei Motor-KRITIK warten derweil noch auf ausstehende Antworten auf Fragen, die wir einem der Arbeitgeber der ÄRLD‘s gestellt haben.

Das Thema ist auch hier bei Motor-KRITIK noch nicht abgeschlossen!

MK/Wilhelm Hahne

PS: Außerdem warte ich noch auf die mir zusagte Zusendung der Argumentation und Fakten, die mich dann – nachweisbar – zu einem Lügner machen sollen. - Ich werde eine Kopie der E-mail veröffentlichen, direkt nachdem sie bei mir eingetroffen ist. - Versprochen!

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