WLTP: Die gleiche Suppe - unterschiedlich gekocht

Vor dem 1. September 2018 wurde nach NEZF gekocht und gemessen. Nach diesem Termin wird nach WLTP gemessen. Die Suppe schmeckt ähnlich, obwohl sich auch Bestandteile verändert haben, bzw. hinzu kamen. Aber da nun mal CO2 inzwischen von den meisten Bürgern als „Klimakiller“ begriffen wurde, ist der auch für Politiker und Presse der Aufhänger.

Jetzt, nach WLTP (Worldwide Harmonized Light Duty Test Procedure) gemessen, wird sich der Praxisverbrauch der Kraftfahrzeuge in der Hand des Nutzers nicht verändern. Aber die CO2-Emissionen werden nach WLTP gemessen höher sein, als wenn man das – wie bisher – nach NEFZ (Neuer Europäischer Fahr-Zyklus) getan hätte.

Der Sinn des neuen Messverfahrens nach WLTP liegt auch mehr darin, dass man nun auch Schadstoffe erfasst, die vorher als nicht von Bedeutung empfunden wurden. Da wären z.B. die Feinstaubpartikel, die nach Einführung der Direkteinspritzung auch bei Benzinern vorhanden sind und nun erst die Automobilindustrie veranlasst, evtl. entsprechende Filter zu verbauen. - Dabei wusste sie natürlich schon immer davon. - Und hat nichts getan! - Das WLPT-Prüfverfahren ist also  im Interesse der Gesundheit vieler Menschen besser.

Aber es wird die Automobile mit Otto-Motoren nicht billiger machen. Und die Kraftfahrzeugsteuer wird steigen, weil sich die u.a. am Verbrauch und damit den CO2-Emissionen orientiert. Die neuen Messergebnisse werden höher sein. Damit wird‘s teurer werden. - Denn auch die Bundesregierung kocht ihr Süppchen nach eigenem Rezept. Zum eigenen Vorteil. - Zum Nachteil der Fahrzeugnutzer.

Der VDA (Verband der Automobilindustrie e.V.) hat zwar einen Abschlag gefordert und damit argumentiert, dass der Unterschied zwischen altem und neuem Messverfahren so sei, wie bei einer Temperatur-Messung nach Celsius und Fahrenheit: Die Zahlen seien zwar unterschiedlich, aber die Temperatur sei dieselbe. - Aber… -

Dieses Mal möchte ich keine lange Geschichte schreiben, sondern meine Leser auf das Protokoll einer Anhörung im Finanzausschuss des Bundestages von 2017 hinweisen, das Sie im Anhang finden. Ich habe es heraus gesucht, damit den Motor-KRITIK-Lesern eine eigene Meinungsbildung leichter fällt. - Das Protokoll ist zwar nicht so lang, aber die Anhänge lassen die pdf-Datei auf 63 Seiten anschwellen. - Ich habe mit Absicht nichts markiert, weil das als der Versuch einer Beeinflussung verstanden werden könnte.

Ganz persönlich möchte ich hier aber feststellen, dass ich z.B. nicht verstehe, dass VW vor dem 1. September um 200 - 250.000 Personenwagen vorproduziert hat und zwischenlagert. Alle bereits im Hinblick auf die WLTP-Prüfung vorbereitet! Man hätte dafür auch eine Ausnahmegenehmigung erlangen können, nach der sie dann – auch nach dem 1. September noch nach NEFZ gemessen – als Neuzulassung in den Verkehr gekommen wären. Das ist in der EU-Verordnung so vorgesehen und war darum möglich. Dann hätte man VW-Kunden auch nach diesem 1. September Fahrzeuge zum alten, günstigen Steuersatz anbieten können. - Und der Vergleich von Celsius mit Fahrenheit hätte immer noch gestimmt.

Denn Tatsache ist, dass die Bundesregierung dem Neukäufer mal wieder in die Tasche greift. Und die Automobilindustrie versucht – wie man hört – schon wieder mit Tricks die WLTP-Prüfungen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Damit man die Vorgaben der EU zur CO2-Senkung in Zukunft leichter erfüllen kann. Dass man damit dem Käufer schadet, der so noch höhere Kfz-Steuern zahlen muss, stört nicht.

Jeder kocht eben sein eigenes Süppchen! - Und der Kunde/Wähler zahlt!

Guten Appetit!

MK/Wilhelm Hahne

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1 Kommentar

Komplexes Thema

Ein realistischer Verbrauch und ein vergleichbarer Verbrauch sind immer zwei sich widersprechende Ziele. Realistisch hieße, dass man für prinzipiell unendlich viele Fahrsituationen (Stadt, Autobahn, Winter, Sommer, Raser, Langsamfahrer, voll beladen, ein Fahrer usw.) testet. Vergleichbar hieße, dass Werte festgelegt werden, auf die man hinoptimieren kann. Wie will man das lösen? Irgendwie muss ein Kompromiss gefunden werden. Das viel wichtigere Thema sind die Grenzwerte, die man zu erreichen versucht. Sind die richtig oder überzogen? Gehen wir es durch. Stickoxid-Grenzwert: Die Gefahr ist nach Aussage kompetenter Mediziner vernachlässigbar. Der Witz ist eher der, dass der Grenzwert so niedrig gemacht wird, dass praktisch immer Klagemöglichkeit besteht. Gesundheitsgefahr:praktisch nicht vorhanden. Feinstaub-Grenzwert: Kurz gesagt: es gibt keine Feinstaub-Toten. Eine Gesundheitsgefahr ist nicht auszumachen.Gesundheitsgefahr: praktisch nicht vorhanden. CO2-Grenzwert: Wer an die menschenverursachte Klimakatastrophe glaubt, ist für den Grenzwert. Allerdings: Deutschland rettet nicht das Klima. Und: dass CO2 das Klima verändert, ist eine unbewiesene Theorie, mehr nicht. Es wird da eher religiös: ob kalt oder warm, es ist die Klimakatastrophe. Fazit: wir schlagen uns mit unsinnigen Grenzwerten rum und risikieren es, eine Schlüsselindustrie lahmzulegen mit unabsehbaren Folgen.

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