VLN: Haben Schlüter & Bork die Übersicht verloren?

Die Starterzahlen bei den VLN-Läufen sinken in 2018 weiter. Die veranstaltenden Klubs scheinen uninteressiert, da vertraglich abgesichert. Die Verwirrung, Verunsicherung – und Unmut – bei den Teams steigt. Während der DMSB in die eine Richtung argumentiert, schaut die VLN-Führung in die andere. - Reglementsicherheit in der Saison? - Weiß man überhaupt noch wer wofür verantwortlich ist? Die an merkantilen Interessen orientierten Veränderungen scheinen wichtiger als sportliche Konstanz! Die ILN funktioniert in dieser Situation wie eine Vogelscheuche bei Windstille: Gar nicht! - In dieser Situation versuchen die Nürburgring-Pächter die Führung in der VLN-Serie an sich zu reißen! - Unauffällig! - Jetzt wird es für die veranstaltenden Klubs – und Gesellschafter(!) - Zeit einzugreifen! - Im Interesse einer Breitensportserie mit Tradition!

VLN: Haben Schlüter & Bork die Übersicht verloren?

Bei der Gesellschafterversammlung der VLN Veranstaltungs- und Vermarktungsgesellschaft mbH am 20. August gab es aus den Reihen der Eingeladenen zwar mahnende und ungeduldige Stimmen, aber die waren – gemessen am derzeitigen Zustand der VLN – zu zaghaft. Blickt man aktuell auf die Internetseiten der VLN, hat man den Eindruck, dass bereits die Nürburgring-Pächter die eigentliche Richtung der VLN-Serie bestimmen.

Da ist z.B. auf den VLN-Internetseiten seit dem 22. August zu lesen, dass für die Klasse SP 10 auch  in der Saison 2019 – und 2020 - Einheitsreifen gefordert werden und aktuell eine Ausschreibung durch die VLN VV, die VLN Veranstaltungs- und Vermarktungsgesellschaft mbH erfolgt, deren Geschäftsführer Dietmar Busch dort auch mit der Argumentation zitiert wird:

„Einheitsreifen sind ein wichtiger Bestandteil des GT4-Breitensport-Konzepts innerhalb unserer Serie. Dabei haben die Aspekte Sicherheit und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Teams oberste Priorität. Die Balance of Performance (BoP) in der GT4-Klasse wird mit Einheitsreifen deutlich gerechter und sorgt dafür, dass das Können der Fahrer sowie die taktische Leistung des Teams noch mehr in den Vordergrund rücken.“

Ohne auf diese Art der Argumentation einzugehen: Es ist sicherlich kein Zufall, das Wochen vor dieser Ankündigung der ADAC Nordrhein in Köln - exakt am 6. August 2018 - verkündete:

„Bereits frühzeitig vor dem Ende der aktuellen Nordschleifensaison hat der ADAC Nordrhein als Veranstalter des ADAC Zurich 24h-Rennens (20. – 23. Juni 2019) und des ADAC Qualifikationsrennens 24h-Rennen (18. – 19. Mai 2019) eine wichtige Entscheidung für die populäre GT4-Kategorie getroffen: Die bislang vorgeschriebene Verwendung von Einheitsreifen des Exklusivpartners Hankook entfällt ab der Saison 2019. Fahrzeuge in der Klasse SP10 (GT4) sind damit künftig in der Wahl ihrer Reifen frei. Hintergrund der Entscheidung ist der auslaufende Exklusivreifenvertrag, der für das kommende Jahr neu hätte ausgeschrieben werden müssen. Im Zuge der internen Diskussionen entschlossen sich die Organisatoren des Saisonhöhepunkts auf der Nordschleife, dem vielfach vorgetragenen Wunsch der Rennteams zu folgen und die Wahl des Reifenfabrikats künftig freizustellen – natürlich im Rahmen der durch die Ausschreibung und die Balance of Performance getroffenen Reglementierungen.“

Interessant ist, dass in dieser Veröffentlichung die Formulierung zu finden ist:

... dem vielfach vorgetragenen Wunsch der Rennteams zu folgen und die Wahl des Reifenfabrikats künftig freizustellen!

Was denn nun, liebe ILN, Vertreter der Rennteams nicht nur der VLN, sondern auch auch der beim 24h-Rennen, dem „Saisonhöhepunkt auf der Nordschleife“ (ADAC Nordrhein), die überwiegend identisch sind?

Die Praxis hat doch gezeigt, dass zwangsweise verordnete Einheitsreifen eigentlich nur eine Funktion haben:

  • Dem jeweiligen Veranstalter und Organisator einer Serie Zusatzeinnahmen zu generieren!

Die Entscheidung des ADAC Nordrhein ist sicherlich aus einem anderen Grunde erfolgt, als durch den Rennleiter des 24-Stunden-Rennens, der verkündete:

„Wir freuen uns, den Teams einen Wunsch erfüllen zu können und die Reifen künftig wieder freizustellen.“

Jeder halbwegs interessierte VLN-Fan weiß, dass der ADAC Nordrhein seit Jahren daran arbeitet, mit einer neuen Serie, die insgesamt 6 Läufe umfasst, die VLN-Serie zu ersetzen. Das ist – zufällig - ganz im Interesse der Nürburgring-Pächter, die so – wenn man das mit ihren vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der VLN abgleicht – drei Wochenenden zur Durchführung von sehr profitablen Touristenfahrten hinzu gewinnen könnten.

Wenn man nun weiß, dass die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG zu 60 Prozent an der VLN VV – um bei der Abkürzung zu bleiben – beteiligt ist, dafür aber eine Sonderform gefunden wurde, die hier in Motor-KRITIK schon am 20. Dezember 2017 so erklärt wurde:

„Die VLN-Vereine haben 60 Prozent ihrer Anteile an die Betreibergesellschaft verpachtet und erhalten dafür entsprechende Provisionen und Gelder.“

...dann begreift man schon, warum es nun die VLN VV ist, die einen Einheitsreifen ausschreibt:

  • Weil die VLN in der jetzigen Form, bei den aktuellen Starterzahlen, kein Geschäft für die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG ist!

Motor-KRITIK unterstellt – und versteht: Man möchte Zusatzeinnahmen sicherstellen! - Obwohl vertraglich festgeschrieben ist, dass für die sportliche Ausrichtung der VLN-Veranstaltungen eigentlich die VLN e.V. & Co. OHG, mit ihrem Generalbevollmächtigten, Ralph-Gerald Schlüter und dem Renndirektor Michael Bork verantwortlich zeichnen, nimmt die VLN VV mit ihrem Geschäftsführer Busch die Ausschreibung vor! - ??? - In wessen Auftrag?

  • Haben sich die beiden genannten Herren dieser Verantwortung – und wie und wann - entledigt?
  • Hat jetzt die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG – irgendwie - die Gesamtleitung der Serie übernommen?
  • Wird die VLN jetzt bewusst – im Sinne dieser GmbH - „gegen die Wand gesteuert“?
  • Muss man den am 20. August geäußerten Wunsch der Nürburgring-Betreibergesellschaft, die VLN VV in eine GmbH & Co. umzufirmieren, nun unter ganz anderen Gesichtspunkten betrachten?

Die einmal von Amateuren für Amateure 1977 ins Leben gerufene VLN ist nur bei oberflächlicher Betrachtung professioneller geworden. Sie ist für die Startenden teurer geworden, die gleichzeitig durch geradezu „unsportliche“ Reglementierungen an eine „immer kürzer werdende Kette gelegt“ werden.

  • Was soll z.B. eine Klasse SPX, eine Prototypenklasse (!), in einer Breitensportserie?

Der dazu – in der laufenden Saison – immer neue Freiheiten eingeräumt wurden. - Die man nun noch einmal ändert, um zu verdeutlichen, wie sehr man um den „Schutz“ der „Normalos“ gegenüber solchen Fremdkörpern bemüht ist?

Man kann es in der neuesten „Racing News“ auf Seite 14 nachlesen:

„Zwecks besserer Vergleichbarkeit zwischen den aktuell homologierten GT3-Fahrzeugen in der VLN und dem 911 GT3 R für die Saison 2019 entschied Manthey-Racing gemeinsam mit Porsche und in Abstimmung mit den Organisatoren der Meisterschaft, eine Regel zur Rundenanzahl pro Tankfüllung absichtlich zu übergehen: Statt der vorgeschriebenen maximalen Stintlänge von sechs Umläufen für Fahrzeuge der Klasse SPX sollte der neue Porsche die an der Spitze übliche Stintlänge von acht Runden absolvieren.“


„...in Abstimmung mit den Organisatoren … absichtlich zu übergehen“!
   

Erfolgten die von der Rennleitung gegenüber dem bei VLN 5 siegreichen Mercedes-AMG GT3 übersehenen Verstöße gegen das Reglement auch in Abstimmung mit den Organisatoren? - Der Versuch eines Vergleichs mit dem „Reglement“ der StVO:

Jemand überfährt bei ROT eine Ampel, überquert die Kreuzung, legt den Rückwärtsgang ein, stellt sich wieder vor die Ampel und stellt fest: Ich habe doch vor der „roten Ampel“ gehalten! - Und die Ordnungshüter klatschen Beifall.

Hat man dann wirklich den Fehler wieder gut gemacht?

Bei der VLN sind es die gleichen Regelüberwacher, die für den vor uns liegenden 6. VLN-Lauf z.B. für die Klasse SPX zu folgender neuen Reglementierung gefunden haben:

  • Durften die SPX-Prototypen bis zu VLN-Lauf 5 nur Stints absolvieren welche nach max. 6 Runden durch einen Tankstop zu unterbrechen waren, was bei Verstößen – auch wenn mit den Organisatoren abgesprochen – pro späterem Stopp eine dreiminütige Zeitstrafe nach sich zog, so hat man nun ab VLN-Lauf 6 diese Regel durch eine neue ersetzt:  Die Mindeststandzeiten der SPX-Prototypen werden gegenüber denen der „normalen“ SP9-Fahrzeuge um 20 Sekunden verlängert. Außerdem müssen die SPX-Fahrzeuge vom letzten Startplatz in der 1. Startgruppe starten.

Sollte eine Breitensport-Rennserie nicht ausschließlich homologierten Rennfahrzeugen vorbehalten bleiben? - Gehören solche Prototypen, wenn sie nun schon auf der Nürburgring-Nordschleife getestet werden sollen, nicht richtiger Weise zwischen die „Erlkönige“ während der Industriewochen?

Aber wie soll darüber jemand befinden, der nicht in der Lage scheint, ein E-mail-Programm richtig zu bedienen und durch seine zuletzt gefundene Form bei Versendung von „racing news“, z.B. auch mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen die neuen DSGVO-Bestimmungen verstößt.

Scheinbar ist das eine unwichtige Kleinigkeit, aber die Abwicklung der letzten VLN-Läufe zeigt, dass es auf die Summe der Kleinigkeiten ankommt.
Im Moment scheint es so, dass das Ergebnis dieser traurig stimmenden (unbewusst gemachten?)  Fehler dem ADAC Nordrhein „in die Karten spielt“. - Und auch der Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG!

Ich habe einmal die Starterzahlen der letzten Jahre bei den jeweiligen Läufen zu VLN 6, dem  RCM DMV Grenzlandrennen, zusammen gestellt, wobei zu bedenken ist, dass es aktuell der 6. Lauf von 9 Läufen ist, während es „früher“ mal der 6. Lauf von 10 Läufen war:

  • MK-Vorhersage VLN 6 2018: weniger als 140 Starter
  • Starterzahl im Jahr 2017: 158 (12.09.17)
  • Starterzahl im Jahr 2016: 151 (20.08.16)
  • Starterzahl im Jahr 2015: 152 (22.08.15)
  • Starterzahl im Jahr 2014: 169 (02.08.14)
  • Starterzahl im Jahr 2013: 162 (14.09.13)
  • Starterzahl im Jahr 2012: 141 (21.07.12)
  • Starterzahl im Jahr 2011: 159 (30.07.11)
  • Starterzahl im Jahr 2010: 148 (17.07.10)

Wenn man die aktuelle Situation der VLN insgesamt betrachtet:

  • Man scheint bei der sportlichen Leitung der VLN, die bei den Herren Schlüter und Bork liegt, die Gesamtübersicht verloren zu haben.

Oder hat man sie bisher noch nicht gehabt?

Na ja, man ist evtl. noch bei der Einarbeitung! - Aber wie lange noch?

MK/Wilhelm Hahne
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