Nürburgring: Zuschauerzahlen kennen keine Krise!

Am Nürburgring wurde schon immer auf „die richtigen“ sozialen Kontakte geachtet. Sie wurden auch gepflegt. Nicht nur mit „Jahreskarten“, sondern evtl. auch mit Berater-Verträgen. Das war zu der Zeit, als der Nürburgring über die landeseigene Nürburgring GmbH noch im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz war. - Zu dieser Zeit wuchsen auch die Besucherzahlen dort – wahrscheinlich aufgrund eines „Virus“ – rasant. Ich habe darauf mehrfach aufmerksam gemacht und auf die Differenzen zwischen verkauften Karten und veröffentlichten Besucherzahlen hingewiesen. - Nun grassiert der Corona-Virus und scheint eine neue Situation nicht nur für Veranstalter und Teilnehmer an Motorsport-Veranstaltungen zu schaffen. - Auch der neue Pächter des Nürburgrings, Vertragspartner der Veranstalter, ist gefordert. Mit einer Vermarktungs- und Veranstaltungs-Firma, an der mit über 50 Prozent beteiligt ist, ist es so am Wochenende zu einem „Rennen 1 Digitale Nürburgring Langstrecken Serie“ gekommen. - Die Art der Ergebnisdarstellung - auch der Zuschauerzahlen - lässt den Eindruck entstehen, dass an Deutschlands bekanntester Rennstrecke – gleich unter welchem Besitzer - auch bei virtuellen Rennen etwas unverändert geblieben ist:

Nürburgring: Zuschauerzahlen kennen keine Krise!

Der inzwischen vorbestrafte ehemalige Geschäftsführer und Duz-Freund des damaligen Regierungschefs von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, hat dann schon mal von einem „Missverständnis“ gesprochen, als er auf Unterschiede angesprochen wurde, auf die hier bei Motor-KRITIK aufmerksam gemacht wurde:

  • Er habe nicht von Besuchern, sondern von Besuchen gesprochen!

Ein Besucher geht während einer Veranstaltung zwei Mal zur Toilette, drei Mal zu einer Würstchenbude, wechselt drei Mal seinen Standort und schon sind aus einem Besucher neun Besuche generiert worden. - So war das in der Vergangenheit! - Jedenfalls wurde es von Herrn Dr. Kafitz so argumentiert. - Der hatte Marketing studiert!

Dazu findet man übrigens auch auf diesen Motor-KRITIK-Internetseiten einige Male genauere Angaben in „alten“ Geschichten. Aus einer Veröffentlichung von 2018 – mit der ich auch schon mal an diese „Tradition“ erinnert hatte, mit der man am Nürburgring „weiter Zahlen optimiert“- habe ich hier noch einmal eine Tabelle veröffentlicht, in der „echte“ und „veröffentlichte“ Zahlen nebeneinander gestellt wurden. - Von der Marketing-Abteilung der damaligen Nürburgring GmbH!

  • Die Öffentlichkeit wurde - und wird - nicht aus Versehen, sondern mit Absicht getäuscht!

Dann gab es in der Zeit danach eine durch und durch verlogene Situation am Nürburgring, die von einem Richter am Mainzer Landgericht im aktuell abgeschlossenen Barandun-Prozess ( Freispruch !) - mit “Chaos“ bezeichnet wurde. Die Nachfolger der „Chaos-Group“ regieren heute noch das Land RLP. Vom Nürburgring haben sie sich nach eigenen Aussagen durch einen Verkauf getrennt, bleiben ihm aber noch durch eine nicht abgeschlossene Insolvenz in Eigenverwaltung eng verbunden. - Was sie bestreiten!

  • Oder man vergisst auf unangenehme Fragen „zur Sache“ zu antworten! - Mit Grund!

Die neuen Besitzer des Nürburgrings – durch einen filmreifen Verkauf mit Komplikationen dazu geworden – scheinen inzwischen auch das dort am Nürburgring schon seit Jahrzehnten genutzte System der wundersamen Zahlen-Vermehrung übernommen zu haben.

Am letzten Samstag wurde – virtuell – von ihnen ein Rennen zur „Nürburgring Langstrecken-Serie“ veranstaltet, bei dem 59 Fahrzeuge am Start waren. - Mehr geht aus technischen Gründen nicht! - Laut Ergebnisliste des Gesamtklassements kamen 59 in Wertung an. (Die offizielle Ergebnisliste finden meine Leser im „Anhang“.) - Es ist das erste Langstreckenrennen am Nürburgring ohne jeden Ausfall! - Das funktioniert - weil virtuell! - dann auch in der Realität, wenn der Veranstalter es so darstellen möchte!

Auch wenn man in das offizielle „Ergebnis nach Klassen“ schaut (auf der VLN-Seite), gibt es keine Hinweise auf Ausfälle! - Virtuell scheint doch nicht alles so „wie im wirklichen Leben“ zu sein. -  Oder anders: Auch der Veranstalter dieses virtuellen Rennens arbeitet nach dem in der Vergangenheit bewährten System! - Zur Beruhigung der Sponsoren?

So vermeldet man auch nach dem Rennen in einer Presse-Information:

„...mehr als 80.000 Zuschauer auf unseren Social-Media-Plattformen…“

Ich habe 20 Stunden nach der Ausstrahlung über „youTube“ dort am Sonntag exakt 30.305 Aufrufe abgelesen und  – zur Sicherheit – in einem Screenshot festgehalten.

Da ich in meiner Geschichte zu dieser SimRacing-Veranstaltung – auch am Sonntag veröffentlicht - einem virtuellen Langstreckenrennen, jeweils die Zuschauerzahlen zu bestimmten Zeiten festgehalten habe, scheint mir persönlich die auf dem Screenshot abzulesende Zahl mit etwas über 30.000 Aufrufen glaubhafter, als die offiziell genannte von 80.000. - Aber die wird nun von der „Presse“ kolportiert, weil sie vom Veranstalter stammt.

Welcher der perfekt ausgebildeten, investigativen Kollegen, setzt sich auch schon sechs Stunden lang vor einen Computer, um – auch – die Zuschauerbewegungen zu beobachten? - Nur so kann die höhere Zahl des Veranstalters von denen dann als „zuverlässig“ empfunden werden! - Oder nicht!

Da ich – einen Tag nach der SimRacing-Veranstaltung – mir noch einmal alte Rennergebnisse anschauen wollte, weil einer meiner Leser eine bestimmte Darstellung in meiner „Sonntag“-Geschichte anzweifelte, ohne das fest behaupten zu können, habe ich noch mal die VLN-Internetseite angeklickt. Dort, so wusste ich, waren die Rennergebnisse bin hin zum Jahr 2010 zu finden. Die Rubrik „Historie“  ist zwar noch aufrufbar, aber die „alten“ Rennergebnisse sind nicht mehr zu erreichen. - 2019 klappt noch, aber dann… - Zufall?

Nun ist die bisherige VLN-Seite auch keine VLN-Seite mehr, sondern jetzt als offizielle Seite der „Nürburgring Langstrecken Serie“ dargestellt. - Nur echt mit dem „schmutzigen Kochlöffel“, wie er draußen von den VLN-Fans empfunden und benannt wird. - Die Seite wird jetzt – offensichtlich -  auch von der „VLN VV GmbH & Co. KG“ beherrscht, wo man auch den Text findet, der von dieser Firma als Presse-Information nach dem virtuellen Rennen verbreitet wurde.

Ich habe auch heute noch einmal versucht, auf die „Historie“-Seite der VLN zu gelangen. Kein Problem! - Aber man kann im „Ergebnisarchiv“ die alten Ergebnis auch heute nicht mehr abrufen. Das gelingt nur im Fall der 2019er Ergebnisse.

  • Ein Fehler im System, verursacht dadurch, dass man sich an die Tradition am Nürburgring erinnert?

Man muss vermuten, dass dieser „alte Virus“ inzwischen größere Schäden angerichtet hat, als jetzt – aktuell zu „Rennen 1 Digitale Nürburgring Langstrecken Serie“ - so die offizielle Bezeichnung auf „youTube“ - zunächst an den veröffentlichten Zahlen deutlich wird.

Zahlen - auch die von Zuschauern - sind übrigens nicht nur für Journalisten, nicht nur für Fans und Sponsoren interessant, sondern haben – gerade bei Rennveranstaltungen mit dem entsprechend großen Umfeld von Veranstalter, Teilnehmern und Sponsoren auf das geschäftliche Ergebnis jedes Einzelnen Einfluss.

Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte, über die hier zur gegebenen Zeit – in einem anderen Zusammenhang - zu berichten sein wird!

MK/Wilhelm Hahne
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