Truck-Grand-Prix ’22: „Veronika, der Lenz ist da!“

Nein, ich habe den Truck-Grand-Prix am Nürburgring nicht vergessen. Ich könnte über ihn auch noch nach 20 Jahren schreiben – oder aber meine Nachkommen. Ich habe von dieser Veranstaltung über 1.500 Fotos auf meiner Festplatte abgelegt. - Damit ich nichts vergesse! - Aber ich habe diesen Truck-Grand-Prix weniger als Rennbesucher erlebt, sondern eher deshalb besucht, weil ich schauen wollte, ob sich das vom ADAC Mittelrhein für die Veranstaltung entwickelte Konzept den Vorstellungen und Wünschen der Fans einer solcher Wochenendveranstaltung entspricht. Tatsächlich kamen bei meinem Besuch – am Samstag – Erinnerungen an die erste Zeit des Truck-Grand-Prix am Nürburgring auf. Das war die Zeit, in der noch die Besucherzahlen hier in der Eifel stark durch die Besucher aus dem Osten Deutschlands angereichert wurden. - Diese „Gruppe“ fehlte zwar in diesem Jahr weitgehend, wie auch Industriepartner – z.B. MAN – aber tatsächlich erinnerte ich mich – aus den verschiedensten Gründen – an diesem Wochenende an den alten Schlagertitel aus der 20er Jahren (Neunzehnhundert!), der aber erst so um 1930 so richtig populär wurde:

„Veronika, der Lenz ist da!“ - Beim Truck-GP `22!

Schon der Ordner auf dem Parkplatz war freudig gestimmt:

„Endlich mal wieder eine richtige Veranstaltung!“

Mit seiner weiteren Einschätzung:

„Das wird wohl die beste in diesem Jahr sein!“,

hat er die Realität wohl richtig eingeschätzt. Der Publikumserfolg des Truck-Grand-Prix wird sicherlich nicht von der DTM an diesem Wochenende übertroffen werden! Obwohl man auch hier die „Sprint-Strecke“ zum Austragungsort der sportlichen Wettkämpfe gemacht hat.

  • Eigentlich lächerlich, richtige Rennfahrzeuge auf einem Micky-Mouse-Kurs fahren zu lassen!

Aber so erleben die Zuschauer auf den Haupttribüne eine Vorbeifahrt der Rennfahrzeuge öfter. - Was bei einem Rennen mit Lastwagen noch verständlich erscheint, ist beim Einsatz von reinrassigen GT3-Rennern eigentlich unverständlich!

Der ADAC Mittelrhein scheint mit „seiner Mischung“ die Vorstellung der Truck-Grand-Prix-Fans getroffen zu haben. Nicht nur die Tribünen waren gut besetzt, auch das Fahrerlager war brechend voll und den sonst so publikumsarmen „Boulevard“ erlebte man auf eine ganz neue Art. - Proppenvoll!

Wer aus dem „Alten Fahrerlager“ hinauf ins neue ging, wurde durch viele Fahnen daran erinnert, wer hier den Renn-Truck-Fans ein interessantes Wochenende bieten wollte. Nicht nur wegen des Imbiss-Angebots gab es Staus in neuen Fahrerlager. Es wurde dem Besucher etwas geboten. Er hatte das offensichtlich auch erwartet, denn es waren Viele – auch von weither – angereist.

Dort, wo es auch zu Rennterminen oft recht still wirkt, gab es dieses Mal Gedränge. Den angereisten Fans wurden nicht nur auf der Rennstrecke Rennen, sondern im Umfeld auch die Möglichkeit geboten, sich so auszustatten, dass man im Gedränge nicht mehr auffiel. Davon wurde auch reichlich Gebrauch gemacht.

Auf der Rennstrecke gab es nicht nur Truck-Rennen in den vielen ausgeschriebenen Klassen, sondern man konnte auch Sportwagen im Einsatz erleben oder „Spezialisten“ beim Figurenfahren im Drift erleben. Das gehört – meint auch der DMSB – zum Motorsport, ist aber eigentlich mehr ein Showprogramm, das von den Zuschauern gerne angenommen wurde, während man vielleicht gerade eine „Rennwurst“ verzehrte.

Es waren interessante Typen im Fahrerlager unterwegs. Es gab keine Altersbegrenzung, weder nach oben noch nach unten. Und wenn einem jemand mit einem Saxophon über den Weg lief, so war das ein Musiker, der an irgendeinem Stand mit seiner Band die vorbei flanierenden Menschen unterhielt. Das Ganze war eigentlich weniger als Rennveranstaltung ausgelegt, sondern eher eine Veranstaltung für die ganze Familie. Wobei auch Rollstuhlfahrern die Gelegenheit geboten wurde, das Renngeschehen oben von der Tribüne zu verfolgen.

Ohne Zweifel wird der diesjährige Truck-Grand-Prix die interessanteste Veranstaltung am Nürburgring gewesen sein, von der auch andere Veranstalter lernen können. Es waren nicht nur die Parkplätze direkt an der Rennstrecke besetzt, sondern auch da, wo sich eigentlich die Kühe ungestört glaubten. Da wurden zwar lange Fußwege notwendig, die aber offensichtlich gerne in Kauf genommen wurden, weil das „Programm-Angebot“ eben interessant und familiengerecht war.

Aber selbst hier war zwischen Samstag und Sonntag ein „Interessen-Gefälle“ feststellbar. Das bestätigt meinen Eindruck, dass der Sonntag als Veranstaltungstag an Interesse verloren hat. Man wird das sicherlich auch am kommenden Wochenende beobachten können, wo die DTM am Nürburgring „residiert“. - Die DTM ist inzwischen zu einer reinen Marketing-Veranstaltung geworden, die künstlich am Leben gehalten wird. - Schade!

Aber zurück zum Truck-Grand-Prix und dem Titel zu dieser Geschichte:

Tatsächlich passte der Titel des alten Schlagers nicht nur zur Veranstaltung insgesamt, weil die Stimmung insgesamt so war, wie man sie nach einem – zu langen – Winter beim Eintreffen des Lenz, des Frühlings empfindet. In diesem Fall gab es bei den Rennen aber auch einen Rennfahrer, der den Namen Lenz trug, sondern der hatte auch im Fahrerlager ein Fahrzeug abgestellt, dass von den Besuchern nicht nur von Nahem betrachtet werden konnte, sondern das man es auch Besteigen konnte. Das wurde gerne für Erinnerungsfotos genutzt.

Aber der Truck-Grand-Prix 2022 am Nürburgring wird auch ohne Fotos den Besuchern dieser Veranstaltung im Gedächtnis bleiben, weil sie grundsätzlich gut ausgerichtet war.

MK/Wilhelm Hahne
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