SimRacing: Grosse Rennerfahrung – ohne Risiko?

Daran glaubt auch der DMSB und hat SimRacing als Motorsport anerkannt. Der DOSB (Deutsche Olympische Sportbund), dessen Mitglied der DMSB ist, hat in einem Rechtsgutachten ganz aktuell feststellen lassen, dass E-Sport kein Sport ist – und darum auch nicht gemeinnützig. - Was denn nun? - Der E-Sport ist inzwischen – sagt man – weltweit ein Milliardengeschäft. Es gibt darum  inzwischen auch viele „Trittbrettfahrer“. - Deshalb! - Ich habe bei einem Besuch der „ADAC SIMRACING EXPO 2019“, am letzten Wochenende am Nürburgring durchgeführt, versucht mir ein Bild von jener Art Motorsport zu machen, die jetzt – so wird propagiert – die „alten“ bewährten Einstiege in die Welt des Motorsports überflüssig machen. - Ohne Risiko! - Und das an einem Wochenende, an dem ein guter – ein überzeugter – Motorsportler im belgischen Francorchamps bei Ausübung seines geliebten Motorsports gestorben ist. Weil eigentlich alles „Echte“ im Leben eines Menschen nicht ohne Risiko ist. - Wer auf der „virtuellen“ Schiene lebt, der lebt risikolos. Aber er erlebt nur scheinbar etwas, was ihm Spaß machen würde, wenn er es real erleben könnte. - SimRacing vermittelt vom Motorsport einen so echten Eindruck, wie z.B. das Lesen einer Boulevard-Zeitung vom wirklichen Leben. - Das ist meine persönliche Meinung! - Da ich immer bereit war – und bin – meine Meinung zu korrigieren, habe ich mich an diesem Wochenende speziell auf dem Sektor des virtuellen Motorsports ein wenig kundig gemacht, versucht bei einem Besuch der „ADAC SIMRACING EXPO 2019“ (powered by Cowana) einen Eindruck zu gewinnen, der vielleicht meine bisherige Einstellung verändert. Dabei bin ich in einem Prospekt auf den Slogan gestoßen, mit dem eine Firma ihre Geräte zum SimRacing anbietet und habe ihn – nach einer Übersetzung ins „Western-Germany“ dann hier als Titel verwendet. - Aber mit einem Fragezeichen versehen.

SimRacing: Grosse Rennerfahrung – ohne Risiko?

So ein Titel wirkt schon nüchtern und unrealistisch, wenn er – wie im Original – mit einem Ausrufezeichen versehen ist. Aber SimRacing ist – und ich bleibe dabei – auch kein Motorsport, sondern eine Simulation des Motorsports auf einer Ebene, die wie viele andere Dinge in unserem Leben, eine Vorstellung davon vermitteln soll, was „da so abgeht“. - Aber man bleibt als Nutzer dieses Angebots immer an der Oberfläche dieses Sports, erlebt eine Art „Schaufenster“.

SimRacing ist als „Sport“ nur für jene Leute glaubthaft, die gar nicht wissen, was es eigentlich bedeutet, Motorsport zu betreiben. - Motorsport auszuüben birgt für die Sportler in mehrfacher Hinsicht ein Risiko: Man kann nicht nur Geld, sondern auch das Leben verlieren. - Aber dieser Sport kann auch Glückgefühle vermitteln, die nicht mit Geld zu bezahlen sind. - Und den Charakter bilden!

Natürlich auch verbilden. Wie man am Beispiel einer Reihe von jungen Rennfahrern beobachten kann, die von Ausbildern, Firmen, deren Marketingabteilungen „passend gemacht“ werden. Sie sondern Worthülsen ab, vermeiden klare Aussagen, benehmen sich wie heranwachsende Politiker. - Nur nicht anecken!

Das tun sie höchstens im Wettbewerb! - Denn es wird heute – ist man als „Werksfahrer“ unterwegs – von Leuten in den Werken, die den Motorsport nicht verstehen - „Leistung“ erwartet. Nur Platz 1 bis 3 zählt! - Ein Totalschaden ist weniger wichtig! - Denn Geld spielt keine Rolex!

Das ist beim SimRacing anders. Auch da gibt es zwar nichts umsonst, aber es kostet niemals das Leben. Insofern ist der Slogan auf dem Prospekt in diesem Punkt schon richtig, den ich von der Veranstaltung am Nürburgring mitgebracht habe:

„Great racing experience, no risk!“

Und diese Ausstellung vermittelte auch einen guten Überblick. Nicht nur über das aktuelle Angebot auf diesem Gebiet, sondern auch von den jungen „Interessenten“. Ich habe versucht, mit offenen Augen durch diese „SimRacing-Messe“ zu gehen und mir nicht nur ein Bild, sondern für meine Leser auch passende Bilder (Fotos) zu machen.

Die Ausstellung fand im „Boulevard“ am Nürburgring statt, der für solche Ausstellungen sehr geeignet ist. Die Art der Ausstellung wirkte sehr gut organisiert und vorbereitet. Der ADAC Mittelrhein hatte in diesem Jahr einen Marketing-Spezialisten eingeschaltet und der hatte – so mein Eindruck – gute Arbeit geleistet. Der Initiator dieser Ausstellung, die es nun schon Jahre gibt, ist ein Motorsportler, der inzwischen beim ADAC Mittelrhein eine leitende Position bekleidet und der mit „SimRacing“ ein gutes Näs‘chen für moderne Entwicklungen bewiesen hat. Foto zwei zeigt ihn in seinem „backoffice“.

Es gab auch ein Rennen – also SimRacing – das in der so genannten „Arena“ - vom „Boulevard“ aus zugänglich - schon am Samstag stattfand, wo man nicht nur ein „Biela-Team“ - meine Leser erinnern sich sicher noch des erfolgreichen Audi-Werksfahrers - am Start sah, sondern das auch BMW für den virtuellen Einsatz eines BMW M8 durch seine Werksfahrer Spengler und Catsburg genutzt wurde, die aber schon schnell – weil das Rennen virtuell in Francorchamps ausgetragen wurde – in der „Eau Rouge“ von der Strecke gekickt wurden. - Virtuell „no risk“! - Besucher gab es reichlich, die für den Besuch der „Arena“ 8,00 Euro zu entrichten hatten, wenn sie nicht über ein Wochenendticket zum Besuch der „Blancpain GT Series“ verfügten, die auch an diesem Wochenende auf dem GP-Kurs stattfand. - Dann war der Zugang frei!

Die Läden im „Boulevard“, sonst wenig beachtet, weil es auch – an normalen Tagen – nur wenige Besucher gibt, machten an diesem Tag einen belebten Eindruck. Interessant, dass sich zu AMG und Audi nun auch noch ein Fabrikat gesellt hat, dem hier im „Boulevard“ durch einen regionalen – aber großen – Händler in der VW-Organisation  - Scheerer – ein Platz eingekauft worden war. Dieser Händler, nicht nur im Mayener Raum von Bedeutung, spielt schon im Fahrsicherheitscenter als Sponsor eine Rolle und hatte auch mal angedacht, am Nürburgring mit einem eigenen Betrieb  vertreten zu sein.

Man fand auch Stände von bekannten Automobilfirmen im „Boulevard“, die auch in der sich abzeichnenden Strömung hin zu SimRacing mitschwimmen wollen. Porsche darf da nicht abseits stehen und war mit einem speziell ausgestatteten Porsche GT3 vor Ort. So wird den Interessenten der Eindruck vermittelt, dass der virtuelle Motorsport schon eine Bedeutung hat, zumal er mit dem Rahmen eines richtigen Sportwagens dargestellt wird. Bei AMG beschränkte man sich auf eine gute „Garnierung“ des virtuellen Angebots mit „richtigen“ GT-Fahrzeugen.

Natürlich stand für die Besucher das „Testen“ der angebotenen Simulatoren von Rennsport – Motorsport – im Vordergrund. Hier gab es die unterschiedlichsten Angebote mit einem weit gefächerten Preisangebot, das von vielen Details bestimmt wurde. Da gab es bunt mit Knöpfen und Schaltern „bestückte“ Lenkräder und dazu für die Füße zwei oder drei Pedale. - Wie im richtigen Motorsport! - Wobei natürlich das zukunftsträchtige Angebot sich auf zwei Fußpedale beschränkt. - Man gibt mit „Rechts“ Gas und bremst mit „Links“. - Wenn man das geübt hat und – kann!

Es bestand aber auch für „Seh-Leute“, solche, die einfach mal aus Neugierde im „Boulevard“ vorbei gekommen waren die Möglichkeit, kleine „Andenken“ an ihren Besuch am Nürburgring mit nach Hause zu nehmen. Aber dieses Mal war es nicht so, dass sich hier Stand an Stand reihte. Dieses Angebot war übersichtlich, bestand überwiegend aus gepresstem Blech, aber es gab auch – deutlicher auf den Motorsport bezogen – gebrauchte Slicks im Angebot.

Das Angebot an „Konsumer“-Motorsport-Simulatoren erstreckte sich vom „Zubehör“, wie die nackte Basis zum Aufbau eines Simulators, bis zu kompletten Modellen zu Preisen um 20.000 Euro. Zum Teil waren die Preise mit, an anderen Ständen aber – wie man sehen kann - „excl.. VAT“ angegeben. Man sollte aber wissen, dass „richtige“ Simulatoren, solche, wie sie auch von F1-Teams zum „Testen“ eingesetzt werden, um 100.000 Euro kosten können.

Wenn man davon absieht, dass an einem Stand – vielleicht aus hygienischen Gründen – nur mit weißen Stoffhandschuhen gefahren wurde, nahmen sonst alle „Fahrer“ in normaler Kleidung, evtl. kurzen sommerlichen Hosen und ohne Sturzhelm oder „sonstige Verpackung“ in den Schalensitzen der Simulatoren Platz. Man scheint diese Art von Motorsport – weil risikolos – als großen Spaß zu empfinden. Ich habe auch niemanden erlebt, der sich irgendwo – bevor er sich in einen Simulator setzte – erkundigt hätte, mit welchem Fahrzeug er denn nun unterwegs wäre. Niemand hat nach PS, Drehmoment, Gewicht oder gar Abtrieb bei 200 km/h an der Hinterachse gefragt. - Ich will Spaß, ich geb‘ Gas!

Richtiger Motorsport beginnt schon anders. Schon mit dem Anziehen der feuerfesten Unterwäsche, dem Anziehen der Rennkombi, aber spätestens mit dem Überziehen des feuerfesten Kopfschutzes und des Helms, wechselt man als Teilnehmer am echten Motorsport in eine andere Welt. Man ist sich spätestens in diesem Moment auch des Risikos bewusst, das man eingeht, das auch z.B. in einem Versagen von Technikteilen liegen kann.

Ein Mann oder eine Frau – im Motorsport gibt es die Gleichberechtigung – die eine Affinität für den Motorsport über Jahre aufbauen, verfügen immer über das Können, eine ihnen unbekannte Rennstrecke innerhalb von 10 Runden grundsätzlich zu verstehen und zu lernen. Wer über diese Fähigkeit nicht verfügt, sollte eigentlich gar nicht erst mit dem Rennen fahren beginnen.

Wer nur mit Simulator-Erfahrung erstmals in einem richtigen Rennen startet, ist aus meiner Sicht – die auf Beobachtungen beruhen – besonders gefährdet, weil er das „no risk“ beim Simulator-Training verinnerlicht hat und darum bereit ist höhere Risiken zu gehen, als das ein echter Motorsportler tun würde.

Natürlich kann eine Rennsimulator immer eine Hilfe sein, aber eine Hilfe, die ein wirklicher Rennfahrer nicht braucht. Natürlich kann ein Simulator ein Training sein, aber er kann nicht das wirkliche Training auf einer echten Rennstrecke ersetzen, wo sich auch bei einer langen Strecke – wie z.B. die Nürburgring-Nordschleife eine ist – auch auf einer einzigen Runde die Streckenverhältnisse ändern können.

Ein Rennsimulator kann auch kaum das echte Gefühl dafür vermitteln, das entsteht, wenn ein fahrerisch gleichwertiger Gegner einen rundenlang belauert, um dann seinen entscheidenden Angriff zu fahren. Rennen fahren bedeutet auch, sich beherrschen zu lernen, sich selbst unter Kontrolle zu haben, überlegt zu reagieren – oder zu agieren.

Das konnte man an diesem Ausstellungstag aber auch bei anderen Besuchern beobachten:

Man stand so nicht nur geduldig an, um mal in einen Schalensitz rutschen zu können, sondern es kam auch an den „Futterstellen“ schon mal zum Stau, wenn man nicht die Anregung an einem Stand der Nürburgringbesitzer aufnahm, um sich auf der anderen Seite der B 258 in die neue „Nürburgring eSports Lounge“ zu begeben (die Ex-Langstreckenbar), wo man Essen und Trinken mit dem Nutzen eines Simulators – gegen eine kleine Schutzgebühr – verbinden konnte.

Ich hatte am Ende meines Rundgangs nicht den Eindruck, hier eine neue Art von Motorsport kennen gelernt zu haben. Hier wurde gezeigt, wie man „Rennfahrer spielen kann“. Wir haben früher als Kinder „Indianer“ gespielt. Der Rennsimulator ist die moderne Art eines Spielgeräts, der auch einen Wettkampf ermöglicht. Aber der könnte auch – bei entsprechender Ausstattung und „Rahmen“ - dank der modernen digitalen Möglichkeiten als Wettbewerb mit „römischen Kampfwagen“, gezogen von wiehernden Rössern durchgeführt werden.

Natürlich nur mit Genehmigung und entsprechenden Lizenzen und Permits des DMSB!

Dumm nur, dass dieser „eSport“ nicht als „echt“ anerkannt, damit auch nicht gemeinnützig ist. Da ist ein e.V. eigentlich überflüssig. Da kann man dann gleich eine GmbH gründen.

Wo ein „Sport“ risikolos ist, sollte schließlich auch die Haftung beschränkt sein!

MK/Wilhelm Hahne

PS: Wenn sich meine Leser einmal intensiver mit der sich aufbrausend entwickelnden „Game-Kultur“ beschäftigen wollen, sei ihnen das kostenfreie Herunterladen einer Broschüre von der Internetseite des „game – Verband der deutschen Games-Branche e. V.“ in Berlin empfohlen. - Sie kommen blitzschnell dahin, wenn HIER mit der „Maus“ geklickt wird. - Wenn meine Leser auch noch die „Positionierung von DOSB-Präsidium und -Vorstand“ zum Thema „eSport“ kennen lernen wollen, dann bitte HIER klicken! - Wer Motor-KRITIK liest wird nach bestem Wissen und Gewissen rundum informiert, kann Informationslücken schließen! - Und Abonnenten schließen meine Finanzierungslücken!

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