Mit Motorsport kann man – auch – Freude bereiten!

Der Verein „race4friends“ hat nach einer Zwangspause von zwei Jahren – bedingt durch Corona – in den ersten sonnigen Novembertagen dieses Jahres wieder eine Veranstaltung durchgeführt, bei der engagierte Motorsportler mit ihren Rennfahrzeugen – aber auch „Privatwagen“ –  behinderten Menschen, die in ihrem Leben auf vieles verzichten müssen, das „Erlebnis Nordschleife“ durch das Mitfahren auf dem Beifahrersitz vermitteln. Schon bei der Vorbereitung zu diesem Erlebnis ist der Verein bemüht, den Behinderten aufzuzeigen: Sie sind sie nicht allein gelassen! - In diesem Jahr waren gut 500 ehrenamtliche Helfer und Betreuer für das Wohlergehen von um 500 behinderten Menschen verantwortlich, die mit vielen Bussen und Privatwagen zum Nürburgring gekommen waren. Die Teams, Rennfahrer und Privatleute fuhren unsere behinderten Mit-Menschen dann mehr oder weniger schnell um die Nordschleife. - Ein unvergessliches Erlebnis, wie man beim Aussteigen an strahlenden Augen und dem unübersehbar glücklich wirkenden Gesichtsausdruck sehen konnte. Es war schön festzustellen, dass das auch die Betreuer und Helfer glücklich machte. - Unter dem Strich bleibt auch für einen kritischen Beobachter nur die Feststellung:

Mit Motorsport kann man – auch – Freude bereiten!

Es war am Nürburgring, im Monat Mai – als „race4friends“ von der Geschäftsleitung der Verpächterfirma die Zusage erhielt, dass man ihnen für den 7. November die NLS-Variante von Sprintstrecke und Nordschleife – und das Fahrerlager - für die Durchführung ihrer Veranstaltung kostenlos (!) zur Verfügung stellen würde. - Bravo!

Nachdem die Veranstaltung – leider – zwei Jahre ausfallen musste, hat der Verein dann sofort mit den umfangreichen Vorbereitungen begonnen, deren Umfang sich eigentlich erst am Tag der Durchführung einem Außenstehenden offenbarte.

Doch dann, relativ kurz vor dem Durchführungstermin, gab es eine Information der Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG, die die kostenlose Nutzung zugesagt hatte, dass man das Fahrerlager schon am Veranstaltungstag, einem Montag, ab 8:00 Uhr, an die „WRX“ fest vermietet habe, weshalb… -

Da kamen dem Veranstalter fast die Tränen! - Wie sollte man die ganzen Fahrzeuge der Teilnehmer, Helfer und Gäste nun auf dem nur relativ kleinen Platz direkt hinter den Boxen unterbringen?

Und warum war die „WRX“ - übrigens mit 7 (in Worten: sieben) Einsatzfahrzeugen  - schon am 7. November „vor Ort“, wenn die eigentliche Veranstaltung mit diesen Elektro-Rallye-Cross-Fahrzeugen (mit vielen „Kilo & Watt“) erst am „Volkstrauertag“, 13. November, stattfindet?

Doch dann gab es einen Anruf, bei dem die GmbH zurück ruderte: Es sei leider ein Irrtum gewesen!

Nach meinem Eindruck beim Besuch der Veranstaltung war es wohl „ein halber Irrtum“, denn es war zwar ein Teil des Fahrerlagers abgetrennt, die „WRX“ war auch noch nicht „vor Ort“, aber im abgesperrten hinteren Fahrerlagerraum war ein Reinigungsfahrzeug unterwegs. - ??? -

 

Schon auf den ersten Blick hatte man den Eindruck von einer perfekt vorbereiteten Veranstaltung. Alle Zugänge zu den Boxen waren beschriftet, Helfer und Betreuer durch entsprechende Warnwesten ausgewiesen; es lagen auch – passend für alle Kopfgrößen – Sturzhelme bereit.

Viele Fahrzeuge aller Fabrikate und Preisklassen waren von den Teams und Startern bei  unterschiedlichsten Rennserien zur Umsetzung der guten Idee des Veranstalters – natürlich auch kostenlos – zur Verfügung gestellt worden.

Trotzdem gab es vor den Boxen lange Warteschlangen. Denn so eine Runde Nordschleife ist lang. Und es wurde nicht nur eine Runde mit jedem Teilnehmer gefahren. Oft sah man beim Aussteigen nach so einer „Erlebnisfahrt“ nicht nur in den Augen der Behinderten ein Leuchten, sondern auch die Helfer waren glücklich, dass sie jemandem ein wirkliches Erlebnis verschafft hatten.

Es gab für einen Beobachter unzählige, beeindruckende Situationen. Da war der Behinderte, der  – mit einer Tasche des veranstaltenden Vereins ausgestattet – sozusagen elegant – aber auf einen  Stock gestützt auf seine Erlebnisfahrt wartete, während ein leerstehender Rollstuhl – interessant beschriftet – darauf hinwies, dass sein Besitzer wohl gerade auf der Nordschleife unterwegs war. Und immer wieder Menschen, die das „Erlebnis Nordschleife“ vereinte.

Ich habe mir aber schon noch Gedanken über den „Irrtum“ der Verpächter-GmbH & Co. KG gemacht. - Was war an der FIA-WM-WRX-Veranstaltung, die noch vor uns liegt, so bedeutsam?

Vielleicht, dass sie an einem „Volkstrauertag“ durchgeführt wird?

Der Verbandsbürgermeister von Adenau schrieb mir dazu:

...„nach Auskunft des Nürburgrings findet am Volkstrauertag, 13.11.2022, eine Motorsportveranstaltung ab 13:00 Uhr statt.
Dies ist nach § 7 des Landesgesetzes über den Schutz der Sonn- und Feiertage ab dieser Uhrzeit zulässig.“...

Ich lerne daraus, dass man am Nürburgring ein „Warm-up“ von 12:00 bis 13:00 Uhr nicht zur WRX-Veranstaltung rechnet. - Zuschauermäßig wird sie sicherlich auch ohne Bedeutung sein, obwohl die „Rhein-Zeitung“ berichtet, dass an der Veranstaltungsstätte für 30.000 Besucher Platz ist.

Nicht nur der Anruf bei „race4friends“ mit dem „WRX“-Argument war wohl ein „Irrtum“, sondern die „WRX“-Veranstaltung selbst ist es wohl auch. - Aber das ist heute noch die „unsichere Zukunft“ am kommenden Wochenende.

Realität ist aber eine perfekt am letzten Montag abgewickelte Veranstaltung für behinderte Menschen, die bei allen (!) Teilnehmern und Beobachtern ein Gefühl der Zufriedenheit – wenn nicht gar ein Glücksgefühl – hinterlassen hat.

MK/Wilhelm Hahne
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