2024: Die „Amerikanisierung“ der 24h von Le Mans!

Früher war Le Mans wahrscheinlich noch naiv europäisch. Heute ist man „weltmännischer“ geworden, sieht das mit dem Sport nicht mehr so eng. Natürlich sollte jeder seinen Neigungen nachgehen können. Aber er sollte schon den Wert seiner Neigung kennen, den andere gerne bei ihren Kalkulationen berücksichtigen möchten. Denn die Welt – auch die des Sports – wird heute vom Geld bestimmt. Auch wenn er sich nur auf dem Papier – wie z.B. bei Aktienkursen – darstellen lässt. Aber heute wird selbst der Motorsport vom Marketing bestimmt, wie man an der Motorsport-Politik bei bestimmten Werken aktuell verfolgen kann. Man hastet einer scheinbaren kurzfristigen Verbesserung von Zahlen hinterher, die sich dann im Nachhinein als richtig kostspielig erweisen wird. - Wie man auch aus den Erfahrungen der Vergangenheit wissen sollte. - Aber heute schaut man man nur „dynamisch“ nach vorne. - So auch beim Veranstalter der 24h von Le Mans.

2024: Die „Amerikanisierung“ der 24h von Le Mans!

Nein, ich hatte niemals direkten Kontakt zu dem Rennen in Le Mans. Ich bin mit einem mehrfachen Le Mans-Sieger befreundet, habe schon mal – über einen anderen Freund – Kontakt mit der Organisation gehabt. Einer meiner Brüder war schon mal in Le Mans am Start. Und ich kannte Gustav Büsing gut, an den von Rainer Braun in diesem Jahr bei „facebook“ erinnert wurde.

Das war eine gute Erinnerung! Uwe Mahla hat dann auf „facebook“ aus eigener Erfahrung nachgelegt. Den Uwe kennt man als engagierten Motor-Journalisten und Sportfahrer, dann aber auch als Mitarbeiter der BMW-Presseabteilung. Wer weiß schon, dass der mal nicht nur erfolgreich Jura studiert hat, sondern auch die notwendigen Staatsexamen besitzt? - Uwe Mahla hatte sich aber  entschieden, das zu machen, was ihm Spaß macht!

2015 ist Gustav Büsing gestorben. 2014, also vor 10 Jahren, haben wir zuletzt im Fahrlager am Nürburgring miteinander gesprochen. Und Gustavs Feststellung war damals: „Wilhelm, du hast es gut!“

Das bezog sich darauf, das er der Meinung war, dass ich zu den Wenigen in Sachen Motorsport gehöre, die sich erlauben können zu schreiben und zu sagen, was sie feststellen. Gustav war froh, wenn er über den Langstreckensport die „Seher“ und „Hörer“ bei „Eurosport“ über Details zum Renngeschehen, Fahrer und Teams informieren konnte, ohne wirklich schon vorhandene Abhängigkeiten – mit Rücksicht auf seinen Arbeitgeber - verspüren zu lassen.

Gustav und ich waren in Sachen Langstreckensport, gleich ob sich „damals“ um die 24h am Nürburgring oder Le Mans handelte, völlig einer Meinung. Auch Gustav vertrat damals schon die These, dass der eigentliche Motorsport, bzw. das, was wir beide davon als wichtig empfunden haben, „langsam den Bach runter geht“.

  • Der Motorsport wird in all seinen Varianten immer deutlicher vom Geld bestimmt!

Das wurde mir – am Wochenende vor dem Fernseher sitzend – noch einmal deutlich gemacht, als ich über „NITRO“ oder „Eurosport“ hörte (ich habe hin- und her geschaltet), dass das Reglement im nächsten Jahr nur noch Teams in Le Mans zulassen wird, die mindestens zwei Fahrzeuge einsetzen.

Damit ist eigentlich klar, was – nicht nur im nächsten Jahr – in Le Mans wirklich wichtig sein wird:

  • Die Interessen eines bestimmten Herstellers werden im Vordergrund stehen!

Ich orientiere mich gerne auch daran, wer denn z.B. die Safety-Cars zur Verfügung stellt – und dann oft auch den „übrigen Fuhrpark“, wie er von Veranstalter gebraucht wird. Derjenige zahlt auch meistens die Hotel- und Reisekosten für „wichtige“ Journalisten!

Wenn’s nicht ganz so teuer sein soll, gibt es auch – gute (!) - Journalisten, die aus einem „heimischen Keller“ berichten, dann aber über ein paar Informations-Bildschirme mehr verfügen, als sie ein normaler Fernsehzuschauer zur Verfügung hat.

Nur mir konnte allerdings auffallen, dass schon ein Unterschied in der Art der Berichterstattung z.B. bei Vater und Sohn Menzel zum Ausdruck kommt, der nicht nur durch eine größere Erfahrung des Vaters bestimmt wird. Hier wird auch ein Generations-Unterschied spürbar. Dazu kann ich nur lächelnd feststellen:

  • Aber auch der Erfahrungsvorsprung von Christian Menzel lässt sich kaum leugnen!

Interessant aber auch, dass Dirk Adorf mit zunehmendem Alter – und größerer Reife? - schon manche Dinge kritischer sieht, als der das z.B. vor 10 Jahren getan hat. - Aber das ist alles normal!

Ist aber auch die aktuelle Entwicklung im Langstreckensport normal? Heute muss das Verhalten von „Sportsleuten“ bestraft werden, da es inzwischen einen Dschungel von Bestimmungen und Reglements-Verordnungen gibt, die kaum noch jemand in allen Details im Kopf haben kann.

  • Aber  die Umsetzung von Werks-Interessen durch eine neue Generation von „Sportfahrern“ macht auch kaum rücksichtsvoller!

Was war doch früher ein 24h-Rennen in Spa noch nach dem Rennen ein Genuss, wenn man die präzisen Aufzeichnungen des Veranstalters über Länge der Boxenstopps jedes Teilnehmers studieren konnte, in denen auch – neben der exakten Standzeit - zu lesen war, was da denn z.B. wirklich „geschraubt wurde“.

  • Heute „verwässern“ eine Unmenge von „Sicherheits“-Vorschriften den Langstrecken-Motorsport, wie es ihn „früher“ einmal gab! - Waren „früher“ nur Selbstmord-Kandidaten unterwegs?

Und dann ist noch das „Safety-Car-System“ aus Amerika zu uns herüber geschwappt, um den Zuschauern vorzugaukeln, dass Langstreckenrennen inzwischen zu Sprintrennen geworden sind. - Es dient aber eigentlich – ganz primitiv – nur der „künstlichen“ Spannungserhöhung!

  • Wenn bei einem 24h-Rennen drei- oder viermal alle „Renner“ wieder zusammengeführt werden, damit der herausgefahrene Vorsprung schrumpft, damit gegen Ende noch mehrere Fahrzeuge in Sekunden-Abstand zum Sieg und Niederlage kämpfen können!

Dieses Jahr war man sicherlich bei Ferrari glücklich. Bei Toyota wird man sich sicherlich über Platz zwei im Gesamtklassement gefreut haben.

Und im nächsten Jahr ist dann Porsche vorne? - Schau’n mer mal! -

Die Entwicklung geht nicht nur beim Langstreckensport in die gleiche Richtung. Man hat überall Dollar-Zeichen in den Augen!

Man sollte sich aber auch mal daran erinnern, dass es bei den 24h-Rennen – sowohl am Nürburgring als auch in Le Mans – mal sehr schlecht aussah. Da waren die Veranstalter zu jedem „eleganten Sidestep“ bereit, wenn es dadurch ein paar Starter mehr gab.

  • Im Moment scheinen „die Sterne anders zu stehen“!

Aber selbst Horoskope bestimmter „Stern“-Zeichen ändern sich manchmal, wie ein Blick hinüber in den Formel 1-Zirkus zeigt!

Auch im Motorsport sollte man um die Kunst des Fortschritts wissen, die darin besteht, inmitten des Wechsels Ordnung zu wahren, aber inmitten der Ordnung den Wechsel aufrecht zu erhalten! - (Frei nach Alfred North Whitehead)

Wer denkt denn dabei an Klima-Wechsel?

MK/Wilhelm Hahne
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