Die Realität ist gnadenlos & härter als man denkt!

Beschrieben wurde in meinem Vorbericht von mir  – in der Geschichte vor dieser Geschichte -  die „Normalität“, so wie sie sich heute unter der Kontrolle von Fachleuten darstellt. An dieser Darstellung habe ich auch nach den tragischen Ereignissen in den ersten Runden im ersten Qualifier zum 24h-Rennen keine Abstriche zu machen. Nicht zufällig habe ich immer schon gewusst, dass das Rennen fahren mit Automobilen kein „Kinderspiel“ ist. Darum hat mich das Verhalten des Veranstalters nach dem schweren Unfall nach drei absolvierten Rennrunden der ersten Startgruppe schon ein wenig geschockt. Aus meiner persönlichen Sicht war das weder professionell noch in irgendeiner Art und Weise rücksichtsvoll. - Weder gegenüber den zahlenden Zuschauern, noch gegenüber denen, die interessiert der Live-Übertragung folgten. Der Massencrash in der „Klostertalkurve“ wurde scheinbar nach dem Motto behandelt: Es kann nicht sein, was nicht sein darf! - So in der Art, wie sich auch Kleinkinder verhalten, die davon ausgehen: Wenn man die Augen schließt und nichts sieht, kann auch nicht passiert sein, was man vorher gesehen hat!

Die Realität ist gnadenlos & härter als man denkt!

Einer meiner Leser meldete sich am Samstag erst relativ spät per e-Mail. Er hatte das Motorsport-
Geschehen in Goodwood vorher im Internet verfolgt. Er schrieb mir auch kurz dazu und fasste sein Urteil so zusammen:

„Aus meiner Sicht absolut begeisternder Motorsport von Enthusiasten. Habe ganz bewusst auf irgendein Blabla vom NR zu o.e. Kunstveranstaltung verzichtet.“

Er hatte nach Goodwood dann auf die Nürburgring-Veranstaltung umgeschaltet und dort etwas von "Racing suspended to unknown time“.  - Immerhin in englischer Sprache!

Es war nicht der Erste, der sich in Sachen „Nürburgring aktuell“ bei mir meldete. Schon vorher hatte ich anrufende Leser informieren müssen. Sachlich zunächst zum Unfall selbst, dann später zum Tod eines Teilnehmers.

Dann wurden mir auch erste Fotos zugesendet. Was mir daran wirklich „überzogen“ erschien:

Direkt links von einem von mir in einer solchen Form noch nie gesehenen Anzahl von verformter Karossen, konnte man deutlich – Weiß auf Schwarz – die neue, nicht mehr kostenfreie „SOS“-Nummer am Nürburgring lesen.

  • So habe ich mich nicht gewundert, dass ich dann auch schon mal gefragt wurde, ob das nun wirklich so passiert sei.

Denn sonst waren die Abläufe am Nürburgring so, wie sie meiner Darstellung in der Vorberichterstattung auch geschildert wurden. Aber das hat durchaus nicht den Beifall aller Leser gefunden!

Erst am Sonntag, nachdem die aktuellen Ereignisse wieder so „normal“ waren, wie auch von mir erwartet wurden, da gab es wieder mehr Zustimmung zu meiner Vorhersage. - Wie ich mit einem Blick unter meine „alte Geschichte“ feststellen konnte.

Und Max Verstappen und sein Team zeigten – natürlich mit „Werksunterstützung“ – wie man zumindest die angestrebte Bestplatzierung beim 24h-Rennen im Vorfeld der eigentlich überflüssigen Qualifier „mit Bedacht“ angehen sollte.

Man kann auch um den 60. Platz im Gesamtklassements eines Qualifier die vorgegebene Rundenzeit unauffällig – und darum dann auffällig – darstellen. Das ist dann so, wie ein „Oxymora“, das dann als Stilmittel dient, wenn man z.B. einen „stillen Schrei“ ausstößt oder zur Erfrischung „schwarze Milch“ trinkt.

  • Das Team Verstappen/Auer war eben unauffällig langsam unterwegs, um dann später mal im Mai – beim 24h-Rennen - schnell sein zu können!

Es kommt schließlich darauf an, einen Werksauftrag zu erfüllen. Und alle passten sich irgendwie an. Schließlich sind alle – hoffentlich - „teamfähig“!

Mich erinnert das an das Getue bei Pferderennen, wo man ein schnelles Pferd ein paar Rennen hinterher reitet oder fährt – je nach Art des Pferdesports – um dann – nachdem man einen Sieg durch dieses Pferd „unauffällig“ hoch bewetten ließ (nein, man macht das nicht selber!), zu einem klaren Sieg zu reiten (Gallopper) oder zu fahren (Traber).

„Früher“ habe ich mich bei Stallburschen schlau gemacht, heute bei Renningenieuren. Monteure scheint es kaum noch zu geben! - Genauso wie in Radio und Fernsehen heute nur noch „Experten“ zitiert werden.

Aber die wirklich wichtigen Renningenieure, die findet man übrigens nicht in der Box, sondern die sitzen im Fahrerlager in den komfortablen Renntransportern an Computern und Funkgeräten und steuern den Fahrer, damit die Firmen für ihren hohen Einsatz auch einen hohen Gegenwert erhalten.

  • Zum Beispiel durch einen werbeträchtigen Gesamtsieg beim 24h-Rennen!

Es gibt vielerlei Motive, Motorsport zu betreiben, den es in vielen unterschiedlichen Formen gibt. Für Firmen sind die Interessen oft eindeutig. Für die ausübenden Menschen weniger. Gerade bei der Art Rennen, zu denen die Langstreckenrennen am Nürburgring zählen, aber auch das 24h-Rennen auf der Nordschleife der Rennstrecke, das erst in den letzten Jahren verstärkt „industrialisiert“ wurde.

Juha Miettinen, der als Fahrer eines BMW 325i bei dem schon erwähnten Massen-Crash ums Leben gekommen ist, kam noch aus der „alten Zeit“, gehörte zu jenen Typen, die die Weiterentwicklung des Motorsports scheinbar noch nicht wirklich erreicht hatte.

Juha Miettinen war schon jahrelang – aber gerne unauffällig – dabei, weil er nicht für andere diesen Motorsport betrieb, sondern für sich. Er war nicht nur bei der NLS/ VLN unterwegs, sondern auch bei der RCN. Es ging ihm primär nicht um darstellbare große Erfolge – obwohl er sie vielleicht angestrebt hat – sondern mehr um den Spaß, den man bei der Ausübung des Motorsport empfinden kann. Abgesehen davon, das der Motorsport einen Menschen auch persönlich formt, eigentlich schon in seiner ganzen Art beeinflusst.

Man muss nicht unbedingt das sein, was man vielleicht als „Wettbewerbstyp“ bezeichnen könnte. Es gibt tatsächlich Leute, denen es „nur“ darum geht, sich persönlich zu verbessern.

Was nicht bedeutet, dass man „nur“ zu einem besseren Autofahrer wird, sondern das Erleben, dass man mit schnellen Entscheidungen zu besseren Ergebnissen kommt, macht einen Menschen tatsächlich auch „alltagstauglicher“.

So ist Juha Miettinen zu einem besseren Menschen geworden, weil er nicht das war, was man allgemein als Profi-Sportler bezeichnet, sondern er war ein echter Amateur.

Der aber auch gerne seine Erfahrung an jüngere Fans, die zum Motorsport drängten, dann weiter gegeben hat. In einer offenen, ehrlichen Art.

So war er z.B. auch Jahre als Instruktor bei der „Scuderia Hanseat“ aktiv. Viele seiner „Schüler“ – auch solche im fortgeschrittenen Alter – werden sich gerne an ihn erinnern.

Juha Miettinen lebte in der Schweiz und sprach neben seiner eigentlichen Muttersprache – Finnisch -  hervorragend französisch, natürlich englisch und ein – wie man so schön sagt – ein „gebrochenes“  Deutsch.

Er  war in Sachen Motorsport eigentlich noch ein Typ „von gestern“. Er betrieb diesen Sport, weil er ihn mochte. Der Motorsport hat ihm mit Bestimmtheit eine Menge positiver Erlebnisse vermittelt.

Er hat das, was wir als negatives Erlebnis am Samstag am Nürburgring empfinden, selber nicht mehr erlebt. Er ist – aus seiner Sicht - in einer „positiven Situation“ aus dem Leben geschieden.

  • Das belastet aber sicherlich seine Familie, seine Freunde, seine Bekannten!

Sie sollten nicht trauern, sondern sich erinnern, dass er in einer Situation aus dem Leben schied, die von ihm als schon, begeisternd und wunderbar empfunden wurde. Er ging „aus seiner Welt“ in eine andere.

  • Es wäre schön, wenn alle die, die aktuell ihr Mitgefühl demonstrativ ausdrücken, sich auch noch in einigen Jahren an den Menschen Juha Miettinen erinnern würden!

Man sollte auch nicht vergessen, das allen Menschen das gleiche Ende beschieden ist. Für Juha Miettinen hätte das Leben aber sicherlich gerne länger dauern dürfen.

Wir alle hätten sicherlich davon – mehr oder weniger – davon profitiert. 

  • Aber wir alle bestimmen den Zeitpunkt unseres Endes nicht selber!

Wir wissen alle um den Zeitpunkt des Starts zum diesjährigen 24h-Rennen. Es wird der 14. - 17. Mai 2026 sein. Es wird 54. Ausgabe der ADAC RAVENOL 24h Nürburgring sein, das zufällig ein Christi Himmelfahrt-Wochenende sein wird.

Alle Ergebnisse, die uns dieses aktuelle Motorsport-Wochenende bescherte, sowohl die positiven, wie auch die negativen, die können wir eigentlich rein sachlich vergessen.

Es wäre aber gut, wenn wir gefühlsmäßig etwas mitnehmen würden, weil uns das als Mensch _ nachdem wir es bewusst verarbeitet haben - etwas reifer gemacht hat. - Unabhängig von unserem Alter.

Am Sonntagabend gab es dann eine Presse-Information des Veranstalters, in der die Ereignisse des Wochenendes so zusammen gefasst wurden:

„Rennbericht ADAC 24h Nürburgring Qualifiers
Fünf Marken unter den Top 5: Audi-Erfolg und Tausendstel-Krimi am Nürburgring“

Natürlich wurde gegen Ende dieser Info auch der Unfall des Juha Miettinen erwähnt. Den hatte es auch gegeben. Aber primär… -

Wenn man einmal einen Blick auf die Internetseite des Veranstalters wirft, der diese Pressemitteilung verantwortet, dann gibt es dort die NLS-Läufe 4 & 5 gar nicht, die vorher in einer Ankündigung so beworben wurden:

„Vorschau ADAC 24h Nürburgring Qualifiers
Schlag auf Schlag: Der erste Double-Header des Jahres“

Auf der VLN-Internetseite gibt es zwischen Lauf drei und sechs eine Lücke!

  • Die „Lückenfüller“ findet man nur auf der Internetseite des ADAC Nordrhein zum 24h-Rennen

Eigentlich sind sie aus sportlicher Sicht auch im Hinblick auf das 24h-Rennen gar nicht notwendig. Sie sind ein „Spektakel“, dass vom Veranstalter inszeniert wurde, nicht um das eigentlich 24h-Rennen besser „kontrolltechnisch“ vorbereiten zu können, sondern um auch diese Veranstaltung in Sachen „kaufmännischer Erfolg“ zu maximieren.

In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass im offiziellen Rennergebnis zum 2. Qualifier am Sonntag, die schnellste Rennrunde des vom Max Verstappen eingesetzten AMG-Mercedes nicht besonders ausgewiesen wird:

  • Die # 3 lief zwar auf Platz 39 ein, fuhr aber – Max Verstappen saß am Steuer – mit 8:10,453 min die schnellste Runde in diesem Rennen!

Es wird aber schon darauf hingewiesen, dass Max Verstappen einen „technischen Defekt“ hatte. Richtig! 

  • Man darf bei solchen „Qualifier“ eben nicht durch besondere Leistungen, sondern nur durch besondere Defekte auffallen!

Mein persönlicher Eindruck von einem wieder stattgefundenen „Kampf“ zwischen „Haase & Verstappen“ war, dass Verstappen ein wenig gespielt hat.

Aber ich möchte mich nicht mit dem Veranstalter streiten. Der verfügt sicherlich über ausreichend  „Experten“, die das alles besser beurteilen können.

Da war die Selbstdarstellung von vorhandenem Können nach dem Rennabbruch am Samstag eigentlich schon überzeugend!

MK/Wilhelm Hahne
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