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Der Bugatti der „Neuzeit“ war eine „schwere Geburt“. Ich erinnere mich noch an die Entwicklungszeit. Der Motor war typisch Ferdinand Piech. Ungewöhnlich, mit zunächst „gewöhnlichen“ Macken, die ihm in der Versuchszeit ausgetrieben werden mussten. Aber er passte als ein wirklicher „Hyper-Sportwagen“ damals in die Zeit des wirtschaftlichen Wachstums. So konnte sich dann ein Martin Winterkorn weiter mit diesem „Exklusiv-Produkt“ profilieren. Die Entwickler würden es schon richten. Er hatte auch das „richtige Händchen“, allem noch „die Spitze aufzusetzen“. Der Bugatti-Präsident war schon von besonderem Format! - Eigentlich war Bugatti dann später – aktuell - nur noch eine Belastung für den “Massenhersteller“ VW. So „verrutschte“ er zunächst zu Porsche. - Wirklich „normal“ hat wohl nur Frau Ursula Piech, die Ehefrau von Ferdinand ihren Bugatti genutzt, wenn Sie damit bei „Aldi Süd“ vorfuhr. - Aber auch „Aldi Süd“ baut derzeit um 1.000 Stellen ab und streicht das Sortiment zusammen. Da trifft es sich gut, wenn Porsche sich nach einem „kleinen eleganten Schlenker“ zu und von „Rimac“ sich nun so nun über einen kleinen Umweg von Bugatti trennt. - Der VW-Konzern – auch der Sportwagen-Hersteller Porsche – haben derzeit schon genug Probleme, so dass sie sich nun des „kleinen Problems“ Bugatti aktuell entledigt haben. (Vorbehaltlich aller behördlichen Genehmigungen!) In der Porsche-Presseinformation heißt es auch: „Die Parteien haben sich darauf geeinigt, keine finanziellen Details der Transaktion zu nennen, die über verpflichtende Veröffentlichungen im Rahmen der Finanzberichterstattung hinausgehen.“ - Über Geld spricht man nicht bei Bugatti! - Also fragen wir doch einfach:
Bugatti/Piech/Porsche: Sind die guten Zeiten vorbei?
Ein guten Bekannter war vorbei gekommen. Wir tranken einen kleinen „Pernod“, als ich auf meinem Computer sah, dass gerade eine Porsche-Presseinformation eingegangen war. Ich hatte einen schnellen Blick auf den Bildschirm geworfen und sagte:
„Oh! - Porsche hat sich von Bugatti getrennt! - Das würde Herrn Piech aber nicht gefallen!“
Ich las meinem Bekannten Teile aus der offiziellen Presse-Info vor und er stellte mir die Frage:
„Meinst Du, dass das auf der gerade gestarteten Automobilausstellung in Peking zu einem Gesprächsthema werden wird?“
Da bin ich dann nachdenklich geworden. Ich könnte mir vorstellen, dass selbst Chefredakteure von großen Automobil-Zeitschriften ihren Redakteuren in diesem Fall empfehlen:
„Machen Sie mal dazu eine kurze sachliche Meldung. Bitte nichts Tendenziöses!“
Dagegen wird man sicherlich „trendig“ über „Auto China 2026“ berichten müssen. Weil dort in China deutlich wird, welche Bedeutung unsere nationale Automobilindustrie – aber auch die in Europa heute noch hat.
Es gibt keine weltbewegende „IAA“ mehr in Frankfurt! - Der „Genfer Salon“ als ein Stück „beginnender Frühling“ zu Beginn eines Auto-Jahres in Europa, ist auch Geschichte!
- Die deutsche Automobilindustrie hat sich ins Fahrwasser der Politik begeben und die aktuellen CEO’s haben Grenzen deutlich werden lassen, die man auch nicht mit „KI“ ausgleichen kann!.
Die negative Entwicklung liegt sicherlich nicht im mangelndem Können ihrer Ingenieure begründet, aber die „großen Chefs“ haben während des Geldzählens in den letzten Jahren vergessen, dass sie eigentlich Dienstleister sein sollten, der seine Arbeit und die seiner Mitarbeiter an den Wünschen und Vorstellungen seiner Kunden – dem Menschen – ausrichten muss.
- Dann würden auch die Aktionäre zufrieden sein!
Die Automobil-Nation Deutschland hat inzwischen im weltweiten Automobilgeschäft eine Bedeutung, die der entspricht, die auch bei einem Blick auf den Globus deutlich wird, wenn man einmal den Raum betrachtet, den Deutschland in Relation zu Indien und China – aber auch zu Russland – einnimmt.
- Natürlich war der „Bugatti“ – der, den ein Ferdinand Piech schuf – „zu seiner Zeit“ mehr als nur die Visitenkarte eines genialen deutschen Technikers!
Bei diesem Gedanken im Gespräch mit meinem Bekannten angekommen nahm ich mir vor, meine Leser mit mehr als nur dem Inhalt der Porsche-Info kundig zu machen, die ich gerade erhalten hatte.
- Die Entstehung dieses „Ausnahme-Automobils“ habe ich schließlich über die Jahre „live“ mit erleben dürfen!
Bugatti war für mich immer mehr als ein Wort, war immer in meiner realen Welt ein funkelnder Stern. Man schaut ihn an, erfreut sich an seinem Funkeln, aber er war unerreichbar weit entfernt!
Aber auch Bugatti – der eigentliche Schöpfer solcher Automobile – bzw. seine Firma wurde irgendwann mal zu einer Sternschnuppe und stürzte zur Erde:
- Im Herbst des Jahres 1995 musste die Firma im französischen Molsheim die Insolvenz anmelden!
Während für die Einen einfach „eine Tür zufiel“, regte einen Anderen das Türklappern an. Der Chef eines Automobilkonzerns hatte eine Idee, mit der er „seine Firma“, die Volkswagen AG, als Massenhersteller aufwerten könnte.
- Dazu musste Ferdinand Piech, bzw. VW, nicht nur die Rechte an „Bugatti“ kaufen, sondern er hat 1998 dann das Werk in Molsheim gleich mitgekauft!
Natürlich war das nicht so einfach, wie sich das hier liest. Bei Ferdinand Piech, der immer durch seine unauffällige Genialität auffällig wurde, war der Kauf auch mehr als eine Laune. Er hatte eine Vorstellung entwickelt, die auf einer der Grund-Ideen des Ettore Bugatti beruhte.
- Bugatti hatte gerne schon mal zwei Motoren zu einem gemacht, sie „gekoppelt“!
Auf einer Zugfahrt durch Japan, hat Ferdinand Piech einem seiner leitenden Mitarbeiter „damals“ seine Grundidee auf einem kleinen Stück Papier mit wenigen Strichen dargestellt, die sich dann aber bei der Umsetzung doch noch ein wenig veränderte.
- So entstand schließlich ein W16-Motor mit 8 Liter Gesamthubraum, der wie bei Bugatti zwar gekoppelt – aber anders – aus zwei ineinander verschränkten Achtzylinder-Motoren bestand, der so deutlich weniger Einbauplatz benötigte und nach der Realisation auf ein Gesamtgewicht von nur 400 Kilogramm kam.
Ferdinand Piech war während der Entwicklungsarbeit, die u.a. auch einen neuen Motorenprüfstand mit dem entsprechenden Umfeld erforderte, immer nahe beim Entwicklungsteam, ohne seine eigentliche Arbeit als Chef eines Automobilkonzerns zu vernachlässigen.
Abends, nach 17 Uhr, fuhr er dann mit seinem Dienstwagen hinüber zum Prüfstandsgebäude, wo ein Parkplatz für ihn reserviert war. Er besprach dann mit den Technikern, was wichtig war und begeisterte das Entwicklungsteam immer wieder, wenn er bei aufgetauchten Problemen mit ein paar schnellen Beistiftstrichen eine mögliche Lösung auf ein Stück Papier zauberte.
Andere Ingenieure, aus der Entwicklung der Motoren für die Großserie, verwiesen „damals“ schon mal lächelnd darauf, dass im Lastenheft für alle Motoren des Konzerns – zu dem auch Bugatti gehörte - festgeschrieben war, dass deren Mindesthaltbarkeit 160.000 Kilometer betragen müsse.
Die eigentliche Problematik dieses Bugatti-Motors wurde aber erst beim Einbau in das vorgesehene Fahrzeug deutlich, das mit „Veyron 16.4“ benannt wurde. Es gab eine Menge thermischer Probleme, die ich auch z.B. beim Beobachten der ersten Testfahrten auf der Nürburgring-Nordschleife mit bekommen habe.
Die Lösung lautete: Es wurden zwei Kühlsysteme verbaut. Andere bezeichneten es als ein sehr komplexes Kühlsystem mit zwei Wasserkreisläufen. Im Hochtemperaturbereich kühlten 40 Liter Wasser, die durch drei Kühler im Vorderwagen auf Betriebstemperatur gehalten wurden. Dann gab es noch einen Niedertemperatur-Kreislauf mit 15 Litern Kühlwasser, die über zwei Wärmetauscher auf dem Motor die Ladeluft um deutlich mehr als 100 Grad hinunter kühlten!
So kam der Motor mit vier Turboladern (!) schon in seiner ersten Entwicklungsstufe dann auf rd. 1.000 PS Leistung. Damit wurde der „Veyron“ – knapp 2 Tonnen schwer - dann in 7,6 sec auf 200 km/h beschleunigt und war – nicht nur theoretisch – etwas mehr als 400 km/h schnell.
- Bitte das Wechseln aller Reifen nach einer 400 km/h schnellen Fahrt nicht vergessen!
Das dieser „Veyron“ dann 1,2 Millionen Euro kostete, war eigentlich damals uninteressant. Dr. Thomas Bscher, der auch mal Präsident bei Bugatti war, hat dazu „damals“ festgestellt:
„Es reicht nicht Geld zu haben. - Dann kauft man sich einen Bentley!
Ferdinand Piech hat übrigens die Auslieferung des ersten Bugatti „Veyron“ nicht mehr erlebt. Das Fahrzeug wurde zwar im März 2019 auf dem „Genfer Autosalon“ vorgestellt, aber erst 2021 wurde das erste Fahrzeug ausgeliefert.
• Die Auslieferung dieses ersten Fahrzeuges erfolgte an Piech’s Sohn Anton. Sein Vater war schon am 29. August 2019 in Rosenheim gestorben-
So ein „normaler“ Bugatti-Besitzer ist sicher nicht einer von Vielen. Statistisch betrachtet besitzt er 84 Automobile, drei Privat- oder Firmen-Jets und eine Yacht. Solche „Multis“ gibt es offensichtlich so oft auf der Welt, dass das mal für eine Bugatti-Produktion reichte!
Trotzdem ist die Entwicklung, die Fertigung und der Verkauf solcher Automobile für einen Hersteller aufgrund der kleinen Stückzahlen kein Geschäft, sondern diente mehr einer Darstellung seiner Möglichkeiten und ist eigentlich – nüchtern betrachtet - eine wirtschaftliche Belastung!
- So ist es denn auch keine Überraschung, dass sich Porsche von seinen Anteilen an Bugatti Rimac und der Rimac Group durch einen Verkauf an ein „internationales Konsortium“ trennt!
Volkswagen hatte die Mehrheit an Bugatti 2021 abgegeben, um Kosten zu senken und die Marke aus der Verlustzone zu bringen. Der Verkauf an ein Joint-Venture zwischen Rimac und Porsche machte es VW möglich, sich von der eigentlich unrentablen Luxusmarke zu trennen.
Die Realität stellte sich danach so dar:
- Die Rimac Group hielt 65 Prozent der Bugatti-Anteile und war damit Hauptanteilseigner.
- Die Porsche-Anteile betrugen 45 Prozent, womit sich die Stuttgarter als „strategischer Partner“ empfanden.
- Die Marke operierte unter dem Namen „Bugatti Rimac mit Hauptsitz im französischen Molsheim.
- Porsche hatte außerdem einen Anteil von 20,6 Prozent an der Rimac Group.
Porsche hat sich nun per 24. April 2026 von diesen Beteiligungen insgesamt gelöst. Porsche möchte sich auf das Kerngeschäfts konzentrieren. - So sagt man, weil es sich in anderer Form weniger gut anhören würde.
Man spricht auch aus verständlichen Gründen nicht über Geld! - Meine Großmutter hätte diesen Verkauf so kommentiert:
„Weg mit Schaden in Schweinekartoffeln!“
Der VW-Konzern muss sicherlich in Zukunft insgesamt noch „ein gutes Stück“ Überkapazitäten abbauen.
- Da kann der aktuelle Verkauf von Bugatti durch Porsche nur eine kleine „Fingerübung“ sein!
Oliver Blume, ehemals Porsche-Chef und heute CEO von Volkswagen, sagt in der Mai-Ausgabe von „manager magazin“:
„Überkapazitäten sind langfristig nicht tragfähig. Und in der heutigen Markt- und Wettbewerbssituation ist die Volumenplanung der Vergangenheit unrealistisch.“
Dann rudern wir doch mal wieder zurück! - In die Zukunft!
Da kann „B“ – wie Bugatti – nur ein Anfang sein, der gerade über „P“ wie Porsche führt und mal bei „V“ – wie VW – enden wird!
Pardon! - Enden muss!



