Spitzen-Rock? - Nein! - Schlammschlacht!

Die Programme der Veranstalter mögen für Ende Mai, Anfang Juni 2015 gut werden, doch auf dem Weg dahin wird eine Schlammschlacht ausgetragen, die schon vor Monaten ihren Anfang nahm. Sie hat an Schärfe zugenommen und der Focus auf die Fronten hat sich verlagert. In der Öffentlichkeit wird die Nürburgring-Seite als die gute und bemitleidenswerte hingestellt. Leidet sie unter den kommerziellen Ansprüchen eines maßlosen Festival-Veranstalters? - Die Ausgangsposition stellt sich leider ein wenig anders dar. Die Vereinigung von aktueller Nürburgring-Betreibergesellschaft und neuem privaten Nürburgring-Käufer scheint allerdings dabei den Kürzeren zu ziehen. Da hilft es auch nicht, wenn man sich scheinbar clever verhält, aber doch mehr und mehr vom Agieren zum Reagieren wechseln muss. - Man hat aus vielerlei Gründen eine Führungsposition verloren. - Die capricorn NÜRBURGRING GmbH wird so im Hinblick auf ihr „Grüne Rock-Festival“ 2015 zum zweiten Verlierer. - Weil es eigentlich zum Thema Rock-Festival in der Eifel per Saldo zwei Verlierer geben wird. - Capricorn – das ist eine Vorhersage – wird deutlicher, klarer verlieren. Auf dem Weg dahin werden wir eine „Schlammschlacht“ erleben, die aber anders aussehen wird als die 1969 in Woodstock.

Spitzen-Rock? - Nein! - Schlammschlacht!

Robertino Wild legt Wert darauf festzustellen, dass nicht er und seine Firma Capricorn den laufenden Vertrag mit dem Veranstalter Marek Lieberberg, dem, der „Rock am Ring“ erfand,  gekündigt hat, sondern schon im Januar 2014 die aktuelle Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH. Natürlich – so wie er das darstellt – unter dem Druck der EU-Behörden, weil eine „Diskontinuität“ zwischen alten und neuen Verträgen hergestellt werden müsse. - Diese Forderung schiebt man der EU unter und nutzt sie wie eine Drohung.

Eigentlich ist der Begriff „Diskontinuität“ im Geschäftsleben vollkommen unbekannt, Motor-KRITIK hatte in vielen Jahrzehnten niemals davon gehört, wohl aber, dass es diesen Begriff in der Politik gibt. Er findet bei der Bundesregierung am Ende einer Legislaturperiode Anwendung. Was innerhalb dieser Periode nicht abgeschlossen wurde verfällt praktisch, muss neu begonnen werden.

So wurde in Mainz z.B. durch den Schnitt „alte“/“neue“ Regierung der Nürburgring-Untersuchungsausschuss „still beerdigt“. Aber man hat ihn regierungsseitig nicht wieder neu aufleben lassen. Auch aktuell – nach der „Klatsche“ durch den Rechnungshofbericht – gibt es einen neuen Untersuchungsausschuss wohl nicht, da er sicherlich bis zu den Neuwahlen 2016 nicht zum Abschluss gebracht werden könnte. - Man spürt die Absicht – und nicht nur Motor-KRITIK-Leser - reagieren verärgert mit Unverständnis.

„Diskontinuität“ scheint also im Geschäftsleben ein Argument der Firma Capricorn zu sein, dass zur Kündigung (fast) aller Verträge der insolventen Nürburgring GmbH mit ihren Partnern führte. Diese scheinbar „zwangsweise“ (mit Hinweis auf die EU-Behörde) erfolgte Kündigung hat man dann auch im Fall „Rock am Ring“ für eine Verbesserung der Situation des zukünftigen Besitzers des Nürburgring, der capricorn NÜRBURGRING GmbH (HRB 72492), zu nutzen versucht.

Die Nürburgring Betriebsgesellschaft hat gekündigt und die capricorn NÜRBURGRING GmbH hat ihre Forderungen erhöht. Im Fall Marek Lieberberg hat man versucht, den bisher vertraglich zugesicherten Anteil am Gewinn von 35 auf 45 Prozent zu erhöhen. - Marek Lieberberg hat NEIN gesagt.

Seit dem 5. Mai 2014 ist Carsten Schumacher bei der capricorn NÜRBURGRING GmbH, Düsseldorf (!) als Geschäftsführer im Handelsregister des dortigen Amtsgerichts eingetragen, seit dem 20. Mai 2014 auch beim Amtsgericht Koblenz bei der Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH, Nürburg (HRB 23353). Er war also wohl auch für beide Firmen in Sachen „Rock am Ring“ aktiv und hat den neuen Partner, die DEAG, Berlin (Deutsche Entertainment AG) auf der Pressekonferenz am 3. Juni 2014 so vorgestellt:

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit der DEAG, einem international erfahrenen und in Europa erfolgreich aufgestellten Konzertveranstalter, einen neuen Vertrag über zunächst fünf Jahre geschlossen haben. Damit können wir auch in den kommenden Jahren die Fortsetzung der Rockmusiktradition am Nürburgring garantieren, zumal der Nürburgring bei den Rockfans international Kultstatus genießt. Dies ist ein Gewinn für die Fans und ein Gewinn für den Nürburgring. Der Nürburgring ist und bleibt auch in Zukunft das Mekka für Rockfans in Europa.“

Carsten Schumacher sprach hier übrigens als Geschäftsführer von Capricorn. Man war erfreut festzustellen, dass man statt 35 nun 50 Prozent vom Gewinn erhalten würde. Und als stiller Beobachter musste man von der Naivität der „Nürburgring-Manager“ (gleich unter welchem Titel sie hier auftraten) beeindruckt sein, die gleichzeitig auch verkündeten:

„Mit Stuart Galbraith (CEO Kilimanjaro Live), dem Promoter legendärer Festivals wie Live Aid, Live8, den Hyde Park Events und vielen anderen sowie Ossy und Oliver Hoppe (Wizard Promotions) versammeln sich unter dem Dach der DEAG zwei der international profiliertesten Veranstalter von Hardrockevents. Damit ist garantiert, dass auch in den kommenden Jahren der Nürburgring die Kultstätte für das Rockfestival in Europa bleiben wird.“

Nicht nur die Fans von Rock-Festivals haben da zustimmend genickt, sondern auch z.B. Wilhelm Hahne, der sich sehr gut vorstellen kann, wie man die Gewinne der DEAG... - Oder sagen wir es mal anders: Bei dieser Konstellation, in der die DEAG getätigte Firmen-Zukäufe nutzt, um das Nürburgring-Festival unter dem Titel „Grüne Hölle – Rockfestival am Nürburgring“ durchzuführen, hätte man auch 67,5 Prozent Anteil am Gewinn bieten können. - Klar?

Motor-KRITIK-Garantie für 2015: Gleich welchen Anteil man am Gewinn erhält, die capricorn NÜRBURGRING GmbH wird immer weniger erhalten als die Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH in 2014 bei deutlich geringerem Prozentanteil. - Und das liegt nicht nur daran, dass man in 2015 deutlich weniger Besucher begrüßen kann als 2014!

Anfang Juni haben die „neuen Herren“ am Nürburgring dann auch gleich verkündet:

„Selbstverständlich wird es wieder eine Pre-Sale-Phase mit vergünstigten Eintrittspreisen geben.“

Und sie haben sofort nicht nur mit großflächigen Hinweisen an den Bundestraßen der Eifel auf das neue „Grüne Hölle“-Rockfestival aufmerksam gemacht, sondern auch eine entsprechende Internetseite eingerichtet, auf der man sich als Rock-Fan anmelden konnte und kann, um schnell und umfassend informiert zu werden. - Das sieht dann so aus:

Auf dieser Seite ist der Termin für das „Grüne Hölle“-Festival auch jetzt am 4. Oktober 2014 immer noch mit 5. - 7 Juni angegeben. Hier eine „Aufnahme“ vom 3. Oktober 2014:

Man gab aber bereits am 1. Oktober 2014 eine Pressemitteilung heraus, nach der die Veranstaltung für 2015 nun vorverlegt worden ist. Titel:

„Rockfestival 'Grüne Hölle' 2015 findet am letzten Mai-Wochenende statt.“

Beschriebener Grund:

„Durch die zeitliche Vorverlegung des Rockfestivals 'Grüne Hölle' wird der Verkehr auf den Zufahrtswegen entzerrt, wovon letztlich auch die Besucher in Mendig profitieren würden:“

Nachträgliche Korrektur: Bei einem Kontroll-Klick am späten Nachmittag des 5. Oktober war die gezeigte "falsche Datumsangabe" aber korrigiert. Als "Offizieller Newsalarm" - wie dort ausgewiesen - hat diese Infoseite also bisher nicht funktioniert.

Marek Lieberberg hat inzwischen nicht nur gerichtlich die Namensrechte an „Rock am Ring“ zugesprochen bekommen, bewirbt also auch seine neue Rockveranstaltung in der Eifel auf dem neuen Festivalgelände in Mendig, einem ehemaligen Militärflughafen, unter dem bisherigen Namen zum – für die Rock-Fans gewohnten - ersten Juni-Wochenende (5. - 7. Juni 2015), sondern hat inzwischen auch die Bands weitgehend benannt, die mit ihrer Musik die jungen und älteren Fans dann erfreuen sollen. - Und das sind gute Namen!

Außerdem hat er auch bereits den Preis für die sogenannte „Pre-Sale-Phase“ genannt, der mit 160 Euro für drei Tage „Rock am Ring“, auch die Kosten für Camping und Parken enthält. Das ist in jedem Fall günstiger als der „Pre-Sale-Phasen“-Preis in 2014 am Nürburgring, wo man 189 Euro auf den Tisch blättern musste.

Marek Lieberberg ist also in jedem Fall früher mit Informationen für die Rock-Fans am Start als die DEAG. Obwohl sein Festival-Termin nun eine Woche nach dem vorverlegten Nürburgring-Termin erfolgt. Die DEAG, der neue Vertragspartner der capricorn NÜRBURGRING GmbH (Düsseldorf) hat bisher (bis heute) dagegen weder Angaben zu den auftretenden Künstlern, noch zum Preis gemacht. - Aber irgendwann im Oktober (2014) soll es die geben.

Auch die o.g. Gründe für eine Terminverlegung, die, die man offiziell nennt, müssen als „gut erfunden“ empfunden werden, wenn man weiß, dass die DEAG zum gleichen Termin wie „Grüne Hölle“ auch ein Konzert im Münchner Olympia-Stadion durchführen will. Aber leider kann die bayerische Polizei nicht zwei Großveranstaltungen am gleichen Wochenende (5. - 7. Juni 2015) absichern. Da am diesem ersten Juni-Wochenende bereits der G-8-Gipfel auf Schloss Elmau abzusichern ist, konnte man der DEAG keine Absicherung einer Großveranstaltung in München zum gleichen Termin zusagen. Und ohne eine solche Absicherung kann nun mal keine Genehmigung erfolgen. - Also hat die DEAG den Termin auch am Nürburgring verlegt. - Verlegen müssen!

Interessant ist aber auch – wie hinter vorgehaltener Hand zu hören -, dass die DEAG versucht die Marek-Lieberberg-Kombination von zwei Rock-Festivals an einem Wochenende noch zu toppen. Lieberberg lässt mit „Rock im Park“ in Nürnberg und „Rock am Ring“ in Mendig zwei Festivals am gleichen Wochenende von den gleichen Gruppen bespielen, die zwischen den Festival-Orten mit Hubschraubern ausgetauscht werden.

Die DEAG arbeitet daran, nicht nur am Nürburgring und in München gleichzeitig am letzten Mai-Wochenende die von ihr engagierten Bands auftreten zu lassen, sondern auch in Wien. - Schau'n mer mal, ob's gelingt. Wiener Rock hat bisher noch nicht die Bedeutung wie Wiener Walzer. - Vielleicht gelingt es der DEAG das zu ändern.

In jedem Fall wird sie auf die aktuellen Ankündigungen von Marek Lieberberg für das „Rock am Ring“-Festival in Mendig reagieren müssen. - Mit ihrem Programm-Angebot und ihren Preisen.

2015 wird der Nürburgring sicherlich nicht mit Woodstock 1969 zu vergleichen sein, wo damals 50.000 Besucher erwartet wurden und 500.000 kamen. (In 2013 wurden dort übrigens 750.000 Besucher gezählt.) Die Realität 2015 am Nürburgring wird zahlenmäßig unter den Erwartungen von 1969 in Woodstock liegen.

Aber am Nürburgring – und um den Namen „Rock am Ring“ - wird es zumindest eine weitere Schlammschlacht geben, da die Insolvenz-Sachwalter bereits ankündigten, dass sie die vor dem Oberlandesgericht Koblenz erlittene Schlappe in dem von ihnen angezettelten Einstweiligen Verfügungs-Verfahren nicht hinnehmen werden.

Sie werden wieder und weiter – mit Steuergeld natürlich – klagen. In einem Hauptsacheverfahren. Der vom Oberlandesgericht festgesetzte Streitwert liegt dann bei 250.000 Euro, was für das Gericht und die beteiligten Anwälte natürlich eine „fette Beute“ bedeutet.

Ob dann aus dem Gewinn der 2015er-Veranstaltung wenigstens diese Zusatzkosten beglichen werden? - Natürlich nicht! - Das ist eine andere „Baustelle“.

Die capricorn NÜRBURGRING GmbH wird das Gerichtsverfahren nicht interessieren. Die dort entstehenden Kosten trifft praktisch nur den Steuerzahler.

MK/Wilhelm Hahne
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