Marc Duez – das Permit – und anderes „Sinnvolle“!

Ein Sportfunktionär, im Besitz aller wichtigen Lizenzen – oder besser – mit Lizenzen ausgestattet, die der DMSB z.B. als sehr wichtig empfindet, der sagte mir bei einer Vier-Augen-Diskussion über die derzeitige Entwicklung im deutschen Motorsport: „Aber Herr Hahne! - Wenn ich einen Missstand entdecke, dann frage ich mich doch zunächst einmal: Was bringt mir die Aufdeckung? - Wenn sie  mir nichts bringt, dann lasse ich doch die Finger davon. Dann schade ich mir eigentlich doch nur selber.“ - Und nach einer kleinen Pause: „Ich kann ihre Einstellung nicht nachvollziehen!“ - Er hatte versucht mir klar zu machen, dass es „doch nichts bringt“, wenn man handelt und agiert wie ich auf den Internetseiten „Motor-KRITIK“. - „Was haben Sie davon?“, hat er mich gefragt. - Und ich habe ihm bestätigt: „Nichts!“ - „Warum lassen Sie es dann nicht einfach?“, hat er gefragt und festgestellt: „Es ist doch nur unbefriedigend, wenn man keinen Vorteil von dem hat was man macht!“ - Um mit der Feststellung zu schließen: „Sie sollten kaufmännisch denken und handeln!“ - Das ist das Denken eines Motorsport-Funktionärs. - Denkt man beim DMSB in Frankfurt anders? - Der „Fall Marc Duez“ ist doch nur ein Beispiel für die Fehlentwicklungen im Motorsport. - Und im deutschen Motorsport besonders! - Die „Chefs“ in wichtigen e.V‘s verstehen den ihren Vereinen oft gewährten Vorteil - „gemeinnützig“ - einfach falsch. „Gemein“ wird von ihnen offenbar als Synonym für „bösartig“ empfunden. - Und sie handeln entsprechend „nichtsnutzig“, nicht „gemeinnützig“. - Wie auch der „Fall Marc Duez“ und die daraus entstehenden Diskussionen in den unterschiedlichsten Internet-Foren zeigen. - Lassen Sie mich diesen Fall mit den Augen eines Journalisten, nicht eines Sport-Funktionärs und –Kaufmanns betrachten:

Marc Duez – das Permit – und anderes „Sinnvolle“!

Um den „Fall Marc Duez“ ist es nur scheinbar ruhig geworden. Nicht alle, die eine klare Meinung dazu haben, bringen auch deutlich zum Ausdruck was sie denken. Es ist bestes „deutsches Duckmäusertum“ das für die Stille sorgt und den DMSB offiziell zu der Feststellung kommen lässt:

„Das Verfahren rund um die DMSB Permit Nordschleife ist inzwischen eingespielt und die anfängliche Kritik – die ja auch zu Änderungen in den Abläufen bei der Beantragung geführt hat – ist inzwischen einer breiten Akzeptanz gewichen.“

Damit keine Missverständnisse entstehen: Das ist die offizielle Sichtweise des DMSB vom 25. April 2019!

Sieben Tage vorher war im Internet auf einer Fan-Seite zum „Fall Marc Duez“ zu lesen:

„Merkt ihr was…? Der Mann hat tausende Runden am Ring gedreht, war 4x Gesamtsieger vom 24h Rennen und vieles mehr – ich käme mir bescheuert vor so einem Mann die Permit zu verweigern.“

Man kann auch lesen, wie nach Meinung eines Rennfahrers eine Lösung aussehen könnte:

„Wenn er den theoretischen Teil verstanden und bestanden hat, dann ab ins Rennauto – wir zerstören mit dieser Bürokratie noch den Motorsport – oder liege ich falsch?“

Auf diese Darstellung antwortet jemand, der eigentlich klar denken kann, sich aber wohl jetzt ein wenig abhängig vom Wohlwollen des DMSB empfindet; denn er versucht „eine Brücke zu bauen“ in dem er schreibt:

„Nein, Regeln sind Regeln. Nur dass die Regeln z.Z. deutlich zu eng gefasst sind; da sind wir uns einig. Einigkeit haben wir jedoch hoffentlich auch darin, dass es eine Verbesserung ist, dass nicht mehr jeder Spaß-Rennfahrer und Schauspieler ohne jegliche Kenntnis mitfahren kann. Daher muss man die Regeln deutlich nachbessern, um so einen Fall mit Marc Duez zu verhindern. Ich bin jedoch vollkommen dagegen, dass intransparente Sondergenehmigungen erteilt werden.“

Feststellung von Motor-KRITIK:

Der DMSB-Präsident, Hans-Joachim Stuck, ist im Besitz eines DMSB-Nordschleifen-Permit der Stufe A. Der fuhr sein letztes Rennen im Jahre 2011 auf der Nordschleife, also lange vor der Einführung des DMSB-Nordschleifen-Permit. - Ist er nun im Besitz dieser Zusatz-Lizenz zur notwendigen Fahrer-Lizenz dank einer „intransparenten Sondergenehmigung“?

Aber diese Frage ist eigentlich überflüssig, da die „Sinnlosigkeit“ eines solchen „Permit“, speziell für die Nürburgring-Nordschleife, schon direkt nach der Einführung im Jahre 2015 deutlich wurde, als ein Fahrer mit diesem speziellen Permit bei einem Unfall dann einen Zuschauer tötete. - Es war ein Fahrer, der offensichtlich beim Fahren eines GT3 auf der Nürburgring-Nordschleife überfordert war, aber – dank DMSB-Zusatz-Permit – wohl an seine fahrerischen Qualitäten glaubte.

Dieses DMSB-Nordschleifen-Permit soll – wem auch immer – ein Mehr an Sicherheit suggerieren, das in der Realität aber nicht besteht! - Aus welchem Grund sollte auch ein Permit mehr Sicherheit – und für wen? - auf der Nordschleife bedeuten?

Der dritte VLN-Lauf dieser Saison fand am letzten Samstag zum Teil bei starkem Regen statt. Alle Fahrer waren nicht nur im Besitz einer Fahrer-Lizenz, sondern auch – weil das vom DMSB so „vorgeschrieben“ ist – im Besitz eines DMSB-Nordschleifen-Permit. Wenn ich mir im Detail anschaue, was während des Rennen so alles passierte, dann müsste der DMSB – natürlich aus Sicherheitsgründen – als nächstes zusätzlich ein DMSB-Nordschleifen-Regen-Permit verlangen und ausgeben. - Gegen eine kleine Schutzgebühr natürlich.

Denn das ist eigentlich nach m.M. der wirkliche Grund, der zur Lizenz nun noch ein Permit notwendig macht. Dabei ist der DMSB nach einer von mir auf diesen Seiten schon exklusiv veröffentlichten gutachterlichen Bewertung gar nicht berechtigt oder befugt, eine solches Permit vorzuschreiben.

Hier ein Ausschnitt aus der gutachterlichen Bewertung, die natürlich dem DMSB bekannt ist, weil sie von Veranstaltergruppen in Auftrag gegeben – und  bezahlt – wurde, die eigentlich begriffen hatten, dass dieses Permit in keinem Fall sportfördernd ist. Aber auch nicht der Sicherheit dient. Denn der DMSB garantiert mit der Ausgabe dieses Nordschleifen-Permit nichts! - Garantiert nicht! - Aber kassiert!

  • Und die entsprechenden Veranstalter schauen nun – wissend (!) - zu!      

Und die „lizensierten Ausbilder“ kassieren mit. Hier haben sich für bestimmte Teams und Firmen neue Einnahmequellen aufgetan. - Mit Sicherheit! - Wie es mit der Sicherheit z.B. bei Regen bei den so „ausgebildeten“ Rennfahrern aussieht, konnte man dann beim 3. VLN-Lauf beobachten. Nach meiner Zählung ging diesen Lizenz- und Permit-Inhabern bei diesem Rennen insgesamt 54 Mal „die Straße aus“. Es waren z.T. Unfälle, bei denen die Fahrzeuge nicht so beschädigt wurden, dass man nicht weiter fahren konnte. - Aber was hat das mit gekonntem Rennfahren zu tun?

Da geht den Fahrern nicht nur die Straße aus, auch „elektronische Helferlein“ erfüllen nicht deren aktuellen Ansprüche. - Und das Fahrkönnen reicht auch nicht! - Obwohl es doch diesen Fahrern mit Lizenz und einem zusätzlichen Permit bescheinigt worden war!

Feststellung von Motor-KRITIK:

Im derzeitigen Motorsport wird durch den steigenden Reglements-Wirrwarr und zusätzliche Können-Bescheinigungen das tatsächliche Fahrerkönnen negativ beeinflusst!

Man sollte in diesem Zusammenhang eine aktuelle Darstellung des DMSB als Antwort auf eine Frage von Motor-KRITIK nicht übersehen:

„Da es sich bei der DMSB Permit Nordschleife um eine Regelung des DMSB handelt, sind FIA-Veranstaltungen davon nicht betroffen. Derzeit gibt es ja auch nur ein Sprintrennen der FIA WTCR auf der Nordschleife. Einige der dort startenden Fahrer verfügen über eine DMSB Permit Nordschleife, von anderen wissen wir, dass sie das E-Learning nutzen, um sich auf die Besonderheiten der Nordschleife (etwa Code-60-Zonen) vorzubereiten.“*

Feststellung von Motor-KRITIK:

Die Nürburgring-Nordschleife bleibt bei allen Rennen gleich anspruchsvoll. Aber nur bei DMSB-Veranstaltungen ist ein zusätzliches „Permit“ gefordert!

Ein lieber Kollege, einer mit einer langen Renn- und Praxiserfahrung im Motorsport, schreibt in einer der Internet-Foren:

„Man sollte angesichts eines solchen DMSB-Unsinns einen Streik aller 24h-Teams anzetteln mit dem Ziel: Entweder der Marc (Duez) darf starten oder wir starten alle nicht.“

Aber er bezweifelt, dass es heute gelingt, alle Teams und Fahrer „unter einen Hut“ zu bringen. - Da hat er recht! - Vor Jahren war so etwas - allerdings in einem anderen Fall - aber auch beim 24h-Rennen, noch möglich.

„Damals“ hätten die immer besonders in Sachen Nürburgring engagierten Streckenposten gerne damit ihre Meinung zum Nürburgring-Verkauf dadurch ausgedrückt, dass in der Startaufstellung vor allen Fahrzeugen ein Schild mit der Aufschrift, „Legenden verkauft man nicht“ aufgestellt wurden. - Ihr Wunsch wurde von der Rennleitung abgelehnt.

Beim morgendlichen „Briefing“, direkt vor dem Rennen, haben dann alle (!) Strecken-Marshals dem Rennleiter erklärt, dass sie sofort nach Hause fahren würden, wenn sie nicht die Schilder vor den Fahrzeugen aufstellen dürften. - Ohne Streckenposten hätte das Rennen nicht gestartet werden können. - Und so wurde dann möglich, was der Veranstalter „aus politischen Gründen“ vermeiden wollte: Eine klare Darstellung der „Volksmeinung“! - So wurden auch die oben gezeigten Fotos in ihrer Zusammenstellung möglich.

Feststellung von Motor-KRITIK:

Die Streckenposten am Nürburgring sind die in ihrer Wertigkeit meist unterschätzte Gruppe dort. - Männer wie Frauen! - Sie sind – weil charakterstark – die einzige „Teilnehmergruppe“ am Nürburgring, die man noch wirklich ernst nehmen kann. - Und muss!

Es wäre jetzt wirklich an der Zeit, mal dem DMSB zu verdeutlichen, dass sein derzeitiges Tun und Handeln nichts – aber auch gar nichts (!) - mit der „Sportförderung“ zu tun hat, wie sie es als Sinn und Zweck dieses e.V. offiziell in den Satzungen verankert haben.

Für 2020 sollen nun auch noch die Orga-Leiter und Rennsekretäre „lizensiert“ werden, die ihre Arbeit schon seit Jahrzehnten ohne so ein Papier erfolgreich durchführen. - Aber der DMSB hatte bisher – kaufmännisch betrachtet (!) - nichts davon!

Man versucht auch den „Amateur“-Rallyesport mit neuen Vorschriften ab 2020 einem Ende zuzuführen, führt derzeit einen Prozess gegen einen nicht von ihm anerkannten und darum als Konkurrenz empfundenen anderen e.V., mit Argumenten, die selbst ein erfahrener Richter nicht begreift. Der DMSB macht das, weil er nämlich – wenn die Entwicklung so weiter geht – damit rechnen muss, als Mitglied des Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ausgeschlossen zu werden.

Nicht etwa, weil man z.B. in Sachen eSport eine grundsätzlich andere Meinung als der DOSB vertritt, sondern weil – wenn es einen weiteren offiziellen Vertreter des Motorsports in Deutschland geben sollte – lt. Statuten des DOSB ausgeschlossen werden muss.

Das möchte der DMSB mit allen Mitteln vermeiden und wird darum versuchen, seine „Macht“ mit allen Mitteln – auch wenn die Argumente eigentlich „löcherig“ sind - gegenüber den von ihm scheinbar „Abhängigen“ durchzusetzen.

Von Seiten der Teams – da durchaus „kaufmännisch betrieben“, wie mir als „richtig“ von einem Sportfunktionär erläutert wurde, die darum zu den „Abhängigen“ zu zählen sind, wird da kein Boykott zu erwarten sein. Und die Industrie macht jeden Blödsinn so lange mit, wie ihre Interessen gewahrt bleiben. Da bleiben dann nur die Fahrer. - Die dürften aber in großer Zahl in diesem Fall auch zu den „Abhängigen“ zählen, da sie entweder von Werken bezahlt werden oder „ihre Karriere“ nicht gefährden wollen.

Während man „früher“ den Motorsport – in der VLN z.B. - aus Freude an dieser Sportart betrieb, empfinden sich derzeit eine Vielzahl der Fahrer in dieser Serie auf dem Weg in die Formel 1. Darum gab es dann auch – wegen ihrer großen „Einsatzbereitschaft“ – dann 54 Fahrer, die die Grenzen ihres Talents am letzten Wochenende klar überschritten. - Vettel bekommt Konkurrenz!

Der 24h-Veranstalter darf hoffen, dass dieses Jahr noch mal „alles gut geht“. - Ohne einen  Streik!

  • Aber überall – auch in diesem Fall – gibt es irgendwann einen „Schmerzpunkt“!

Eigentlich ist der schon überschritten. - Aber die derzeitigen DMSB-Lizenz- und Permit-Inhaber sind offensichtlich schmerzfrei!

Nur Einzelne vertrauen sich Motor-KRITIK mit dieser – oder einer ähnlichen – Feststellung an:

„Ich habe die Schnauze voll!“

Und sie handeln entsprechend: Sie sind in den Nennlisten von Rennen am Nürburgring nicht mehr zu finden!

MK/Wilhelm Hahne

*Anmerkung von Motor-KRITIK: In den letzten Jahren war es so, dass es während der WTCR keine Code-60-Regelung auf der Nordschleife gab. Das nicht, weil es keine entsprechenden Unfälle gab, sondern weil es im FIA-Reglement nicht vorgesehen war und ist. Vor jedem Lauf der WTCR  wurde dies auch durch den Rennleiter bzw. dem Leiter Streckensicherung per Funk durchgegeben. - Warum sollte also ein Fahrer lernen, was er nicht braucht? - Die obige Darstellung des DMSB ist wohl als eine Art "Schutzbehauptung" - lächelnd - hinzunehmen! - W.H.

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