NLS/Nürburgring: Auf dem Weg zu racing for future?

Jetzt, Mitte November 2021, haben „die Verantwortlichen der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) vorab … kleinere Korrekturen und Verbesserungen am Reglement und der Ausschreibung … für die Saison 2022“ bekannt gegeben. Dazu gehört auch, was von den Verantwortlichen dann so formuliert wurde: „Gefördert werden sollen die Klassen VT Hybrid und VT Elektro: Dazu werden die technischen Vorgaben bezüglich des Fahrzeugaufbaus möglichst weit gefasst. Jedes neue Hybrid- oder Elektrofahrzeug erhält bei der ersten Nennung in der Saison 2022 der NLS einen Nenngeldrabatt von 50 Prozent.“ - Ich kann bei mir ob solcher Aussage nur Verständnislosigkeit registrieren: Wie will man E-Automobile in Langstreckenrennen so einbinden, dass sie – wie auch immer – konkurrenzfähig sind? – Ich habe E-Automobile gefahren, weiß, dass man ihnen unsinnig viel PS mitgeben kann, kenne das – durch die Batterien – notwendigerweise für den Einsatz im Motorsport eigentlich nicht zuträgliche Gewicht, weiß um die positiven Auswirkungen von Drehmoment gerade auf der Nordschleife, aber habe mich fragen müssen, ob ich da vielleicht etwas nicht mitbekommen habe. - Grund genug, einmal einer Nürburgring-Veranstaltung einen Besuch abzustatten, die eigentlich nicht so richtig beworben wurde. - Weil das ohnehin „weggeworfenes Geld“ wäre? - So habe ich mich dann am Sonntag auf den Weg gemacht, um einen Blick auf eine Veranstaltung zu werfen, bei der ausschließlich E-Automobile zum Einsatz kamen: „ecograndprix“, ein 24-Stunden-Rennen für E-Automobile auf dem Nürburgring Grand-Prix-Kurs. - Mir hat das wenig gebracht, weil ich die Information der „Verantwortlichen der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS)“ auch nach diesem Besuch immer noch nicht verstehe. - Nachstehend meine Eindrücke – und Fotos – vom „ecograndprix“, die bei mir die Frage entstehen lässt:

NLS/Nürburgring: Auf dem Weg zu racing for future?

Ein netter Nürburgring-Fan hatte mir direkt vor meinem Besuch als seine Meinung kundgetan:

„Die Veranstaltung müsste Ihnen doch eigentlich gefallen. Keine Unfälle, Autos die nur 70 fahren und keinen Lärm machen.“

Das sollte wohl eigentlich ein ironischer Hinweis auf meine insgesamt an der Entwicklung am Nürburgring immer wieder geäußerte Kritik sein. - Immerhin eine interessante Betrachtungsweise!

Jeder Besucher musste sich im „TÜV-Tower“ anmelden, seine Daten – wegen Corona – hinterlassen und wurde mit einem „grünen Bändchen“ ausgestattet. Ich auch – wie man auf dem Foto sehen kann, dass ich am Ende meines Besuchs gemacht habe. - Ich bin schon bei meiner Anmeldung  unangenehm aufgefallen, als ich – was in unserem Land eigentlich üblich ist – Deutsch gesprochen habe. „English, please!, wurde ich gebeten. - Aber dann ging es auch „wortlos“, weil ich ein Papier, das eigentlich „vor Ort“ ausgefüllt wurde, schon ausgefüllt – weil im Internet heruntergeladen  – gleich mitgebracht hatte.

Im Internet hatte ich die Ankündigung des Veranstalters mit einem wirkungsvollen Foto von einem interessanten Streckenabschnitt der Nordschleife ausgemacht, während die „Erklärung“ im Internet deutlich machte, dass die Veranstaltung auf dem Grand-Prix-Kurs stattfand. Immerhin war auch der DMSB – irgendwie – eingeschaltet, denn für die Fahrer, deren Zahl für die Einsatzfahrzeuge unbegrenzt war, war – zumindest – eine Tages-Lizenz vorgeschrieben, wie man den Screenshots entnehmen kann, die ich gemacht habe. - Je mehr Fahrer, je mehr Lizenzgebühren!

Es war eine eigenartige Stimmung hier im neuen Fahrerlager, die nicht nur durch ein tristes Wetter bestimmt wurde. Es wehten zwar viele Fahnen aufgeregt im Wind, aber sonst war es hier oben nicht nur relativ kühl – obwohl das Thermometer 7° Celsius anzeigte – sondern auch sehr still. Ich war wohl gerade in einer „Ladephase“ der E-Wettbewerbs-Serienlimousinen gekommen. Da war dann sogar die Strecke leer. Auch im Fahrerlager war „tote Hose“.

„Stimmung kam auf“, als ein Renn-Taxi ins Fahrerlager fuhr um dort einen Passagier abzusetzen, der wohl sein Fahrzeug hier geparkt hatte. Der Porsche war sofort von Leuten umringt, die von diesem Fahrzeug positiv beeindruckt waren. - Sonst war im Fahrerlager wirklich „nichts los“. Zwei Besucher, die aus welchen Gründen auch immer den Weg hierhin gefunden hatten, waren wieder auf dem Weg zurück. Ich bin zwar nicht an der Strecke gewesen, aber es dürfte dort auch wohl nur wenige Zuschauer – nicht nur wegen des notwendigen „grünen Bändchens“ – gegeben haben.

  • Die E-Serien-“Rennwagen“ - auch im Rudel - waren übrigens bedeutend leiser, als das Renn-Taxi beim Wegfahren!

 Dann waren schließlich auch wieder E-Fahrzeuge auf der Strecke, die aber nicht mit voller Leistung gefahren, sondern praktisch „herum getragen“ wurden, damit sie nicht so schnell wieder zum Laden in die Box mussten. Tatsächlich dürfte der Top-Speed im Mittel bei um 70 – 80 Kilometer pro Stunden (auf der Geraden!) betragen haben. Am Ende der Geraden ging man auch sehr früh vom „Gaspedal“, um die Rekuperation (Energie-Rückgewinnung) zu nutzen. Die Bremsleuchten zu einer letzten Anpassung an die Kurvengeschwindigkeit gingen erst sehr spät an.

Wie man auf einem Foto sehen kann, wurde von „denkenden Fahrern“ sogar die Innenbahn der Strecke genutzt, weil bei den „angepassten“ Geschwindigkeiten die „Ideallinie“ der kürzeste Weg um den eigentlich 5,148 Kilometer langen Kurs war. Es wurden lt. Ausschreibung nämlich nicht die meisten in 24 Stunden zurückgelegten Kilometer, sondern die Anzahl der Runden für das Endergebnis gewertet.

Wobei dieses 24 Stunden-Rennen aufgrund der am Wochenende am Nürburgring herrschenden  Wetterbedingungen zu einem 12,5 Stunden-Rennen wurde. Zwei Mal wurde das Rennen mit „Roter Flagge“ unterbrochen. So werden auch die „nur“ 136 Runden erklärlich, die für den Gesamtsieger – einen Tesla 3 -  gezählt wurden. Das sind nur rd. 700 Kilometer. Selbst auf 12,5 Stunden umgerechnet bedeutet das, dass man die Distanz mit einem Durchschnitt von 56 km/h zurücklegte. - Für ein Rundstreckenrennen mit Automobilen ein geradezu erschreckend niedriger Durchschnitt.

In den bisherigen 24h-Rennen für E-Fahrzeuge, war die Zahl der zurück gelegten Kilometer für den Erfolg entscheidend. Die Nr. 1 in dieser Art der Wertung war bis heute ein inzwischen nicht mehr gebauter Tesla Roadster, der im Jahre 2018 in Oschersleben 1.205,325 Kilometer in 24 Stunden zurück legte. - Das entspricht „nur“ einem Durchschnitt von 50,222 km/h. - Wenn es also in diesem Jahr wirklich ein 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gegeben hätte… und wenn man die zurückgelegten Kilometer und nicht die Zahl der Umrundungen der Strecke zum Wertungsmaß gemacht hätte… -

  • Vieles bei den E-Automobilen ist eben noch ein Satz mit „hätte“! - Hätte, hätte, Fahrradkette!

Auch andere „Abläufe“ waren aus meiner Sicht erschreckend, obwohl sie im heutigen Motorsport zur Normalität geworden sind. Auch hier scheint der Veranstalter um das Wohlwollen bestimmter Hersteller zu buhlen. - Ich stelle einfach mal (zwei Absätze weiter) zwei offizielle Rennergebnisse zum aktuellen Rennen am Nürburgring nebeneinander, um meinen Eindruck zu verdeutlichen, dass so manches „kurios“ war.

Das begann eigentlich schon am Samstag, wo man auf einem Teil des GP-Kurses (weiter unten) zwei Slalom-Durchgänge durchführen wollte.  Die Zeit reichte aber nur für einen. - Während es verboten war, im Training – oder sollte man es „Streckenbesichtigung“ nennen? - einen Beifahrer mitzunehmen, vielleicht um ihn – weil er ein „reinrassiger Amateur“ war, ein wenig einzuweisen, konnte man beim Rennslalom so viele Mitfahrer einladen, wie Sitze vorhanden waren. So wurde das Wunder wahr, dass ein E-Renn-Serienwagen mit vier Personen besetzt, den Slalom bei regennasser Strecke überlegen gewann. - Was nicht gegen den Fahrer spricht. - Immerhin mussten gut 70 Pylone umkurvt werden, die in unregelmäßigen Abständen (von 5 über 10 bis 20 Meter) aufgestellt waren und keinen wirklichen Rhythmus beim Fahren aufkommen ießen.

Das genutzte Einsatzfahrzeug war mir persönlich von einem anderen Vorfall bekannt, da es als Werks-Fahrzeug, von einem Influencer genutzt, mit einem – wahrscheinlich – Softwarefehler nicht mehr zu bewegen war und abgeschleppt werden musste. E-Fahrzeuge sind offensichtlich noch stärker softwareabhängig als die bisherigen „modernen“ Verbrenner.

In der einen Darstellung wird das offizielle Ergebnis nach der Zieldurchfahrt gezeigt (Sonntag 15 Uhr), in der anderen die offizielle Darstellung des Rennergebnisses auf der Veranstalter-Internetseite. Aus den zunächst 10 erstplatzierten Fahrzeugen wurden dann die ersten Sechs im Gesamtklassement, wobei z.B. der Drittplatzierte, ein Polestar 2-Fronttriebler, auf den 4. Platz zurück rutschte, weil er nach Überfahren der Ziellinie saft- und kraftlos ausgerollt war und eingeschleppt werden musste. - Gut gerechnet!

Obwohl ein Rennen nach Überfahren der Ziellinie als beendet gilt, wenn der Veranstaltung zu einer „Auslaufrunde“ keine Anmerkungen in der Ausschreibung gemacht hat – und es gab nichts Entsprechendes in der Ausschreibung (!) - hätte eigentlich der Polestar 2 auf Platz drei des Gesamtklassements gewertet werden müssen. - Wie das zunächst auch in der ersten Veröffentlichung des Ergebnisses geschah. - Aber es war wohl „nur“ ein „Leihwagen“, der einem Influencer für möglichst viele positive Videos zur Verfügung gestellt worden war. - Hatte ein Kia etwa – aus welchem Grund auch immer – „eine größere Bedeutung“?

Bei „youtube“ habe ich ein erstes Video mit dem Polstar 2 zum „24h-Rennen auf dem Nürburgring“ – über das „Einrollen“ auf der Strecke – entdeckt. - Einfach HIER klicken! (Bei einem "Klickversuch) nach dem Einstellen dieser Verbindung, wird mir das Video leider nicht angezeigt, dafür erhalte ich den Hinweis: "Dieses Video ist privat". - ??? - Meine Leser können es - trotzdem mal versuchen! - Vielleicht haben sie auch einer Erklärung?)

(20. November 2021: Nur der Ordnung halber habe ich einmal die "alte" - unerklärlicherweise - nicht mehr erreichbare - Adresse (s.o.) angeklickt. Das Video erscheint nun - überraschend! - wieder. Was da passiert ist, muss im Moment unklar bleiben. Ich bin um Aufklärung bemüht! - Schließlich muss es einen Grund geben, der das Video - vorübergehend! - "privat" werden ließ.

Interessant auch, dass einige der „Privat“-Teams durch Werks-Ingenieure beraten wurden. So habe  auch ich, mit den fahrtechnischen Feinheiten bei einem E-Automobil – schon wegen zu geringer  Erfahrung – nicht perfekt vertraut, beim Zuschauen und Zuhören neue Erkenntnisse erlangen können. So bringt auf der Langstrecke (evtl.) ein „Segeln“ mehr, als ein „Rekuperieren“! - Hätten Sie’s gewusst?

Für mich war interessant zu beobachten, dass Opel zwei Corsa e einsetzte, wobei einer davon mit der Mannschaft Volker Strycek, mit Robin und Lena (dessen „Kinder“) unterwegs war. Das war nicht nur ein „Familienausflug“, sondern für den Technischen Leiter der NLS (Nürburgring-Langstrecken-Serie) ein Informationsrennen, da es in 2022 bei dieser Langstreckenserie auch eine Klasse „VT Elektro“ geben soll, die den in dieser Saison nicht übersehbaren Starter-Rückgang wieder etwas auffangen soll.

Nachdem ich diesem „racing for future“ der Elektro-Fahrzeuge bei einem Langstreckenrennen zugeschaut habe, ist – zumindest mir – nicht klar, wie man reine E-Fahrzeuge in eine Rennserie „einpflegen“ will, deren harmonische Zusammensetzung aktuell schon durch die „überschnellen“ GT3 gestört wird. Wie passen dann die „ultralangsamen“ E-Automobile dazu? - Wie sollen deren Ladezeiten bei einem Langstreckenrennen ausgeglichen werden?

Ich möchte diesen Beitrag nicht beenden, ohne die Streckenposten zu erwähnen, die bei wirklich unschönen Wetter ihren Dienst tun mussten und dabei dieses Mal nicht – wie sonst immer – durch ein spannendes Rennen gut unterhalten wurden.

Beim nachdenklichen Verlassen der Veranstaltung passierte ich den einzigen fest reservierten Parkplatz in der direkten Nähe des „TÜV-Tower“, der für den Dienstwagen des AvD-Sportpräsidenten, Technischen Leiter der NLS und leitenden Opel-Mitarbeiter Volker Strycek frei gehalten wird.

Als ich beim Weggehen vor dem Tunnel noch die Tafel wahrnahm, auf der verdiente Rennfahrer verewigt sind, habe ich die kurz fotografiert um zu Hause – im Warmen! - dann in Ruhe nachschauen zu können, ob dort der Name „V Strycek“ richtig oder falsch geschrieben verewigt ist. Falsch geschrieben, wie in der Presseveröffentlichung der VLN/NLS vom 14. November 2021 auf deren Internetseite, macht das keinen guten Eindruck! - Auf der Tafel am Nürburgring ist er richtig geschrieben!

Bevor ich wieder in mein eigenes Automobil steigen konnte, traf ich noch auf jemanden, den ich erst Stunden vorher hier am Ring kennen gelernt hatte. Ich erzählte ihm, dass ich gerade noch die Tafel mit den vielen Rennfahrer-Namen vor dem Tunnel fotografiert hätte und habe ergänzt:

„Darauf wird mein Name niemals zu finden sein!“

Mein Gegenüber hat dazu lächelnd festgestellt:

„Und wenn – dann höchstens auf der Rückseite!“

Ach wäre ich doch eine Briefmarke!

MK/Wilhelm Hahne
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