Hat die „BoP“ den Motorsport positiv beeinflusst?

Mit „Balance of Performance“ (BoP) sollte eigentlich mal vermieden werden, dass Einsatz-Automobile im Motorsport altern. Nein, sie sollten auch weiter konkurrenzfähig bleiben und damit nicht wertlos werden! - Das war mal die Grundidee. - Die Umsetzung wollte aber der ideengebene Automobilhersteller nicht selbst vornehmen. Das musste eine neutrale Organisation machen. Da traf es sich gut, dass ein ehemaliger Mitarbeiter dieses Herstellers inzwischen in einer Organisation tätig war, der man eine zuverlässige Einstufung von renntauglichen Automobilen abnehmen würde. So wurde die SRO Motorsports Group eingeschaltet, zumal dort für die SRO Germany dieser ehemalige Mitarbeiter tätig war. Die SRO war aus der BPR entstanden und ist eigentlich – auch dank der BoP – inzwischen Promotor aller wichtigen GT3- und GT4-Serien auf der Welt. Aber bei denen ist es nicht unbedingt immer bei der ursprünglichen Einstufung durch die SRO geblieben. Jeder Veranstalter kocht sein eigenes BoP-Süppchen! So ist ein wirres BoP-Bild entstanden, das seine Überhöhung darin findet, dass irgendwo, irgendwann auch irgendwer – sozusagen willkürlich – eine Änderung vornehmen kann, die er nicht erklären muss. - Wie gerade mal in Bahrain passiert. - So ist eigentlich schon die Frage beantwortet:

Hat die „BoP“ den Motorsport positiv beeinflusst?

Motor-Journalisten kennen die Entwicklung des Motorsports über die Jahre, d.h. sie sollten sie kennen. Wenn sie allerdings erst seit gestern dabei sind, kennen sie den echten Motorsport eigentlich nicht. Darum können sie die „moderne Form“ des Motorsports auch kaum einordnen und beurteilen. Machen sie auch nicht! Sie nehmen diese neue Form als selbstverständlich! - Also alles mit „BoP“! - Möglichst mit Einheitsreifen! - Und mit möglichst vielen kleinen Klassen! - Damit möglichst viele Fahrer – damit sie wieder kommen (?) – nach einem Start auch mit einem Pokal nach Hause fahren können.

Da schreibt vor Wochenfrist ein wirklich guter Motor-Journalist in einem Editorial:

„Es ist verheerend, wenn nach außen hin der Eindruck entsteht, die WM würde über die BoP entschieden.“

Ist diesem eigentlich qualifizierten Kollegen entgangen, dass das zwar „verheerend“ aber inzwischen die Normalität ist? - Da wundere ich mich nicht, wenn in der Woche darauf dann ein Leserbrief erscheint, in dem das Thema „BoP“ dann so empfunden wird:

„Man muss die besseren Autos über die BoP auf das Niveau der schlechtesten absenken! - Diese Veranstaltungen haben wenig mit echtem Motorsport zu tun, vielmehr handelt es sich um künstliche Zirkus-, pardon, Marketing-Veranstaltungen.“

Natürlich ist das so! Und schaut man sich dann – neben den „BoP“-Möglichkeiten - dann noch die inzwischen immer tiefer greifenden Reglements-Erweiterungen an, mit denen man Rennergebnisse beeinflussen und verzerren kann, dann muss eigentlich jedem klar denkenden Motorsport-Fan klar sein, dass der Motorsport auf diesem „perfektionierten“ (?) Niveau eigentlich keine Zukunft haben kann.

  • Was ist inzwischen aus der Formel 1 geworden? - Hat sich eine DTM eigentlich über die Zeit positiv entwickelt? - Ist die GT3 in den unterschiedlichen Serien ein Fluch oder ein Segen?

Das Schlimmste was dem Motorsport in den letzten Jahren passieren konnte war, dass der Einfluss der Automobilhersteller immer größer geworden ist. Der Sport wurde mehr und mehr zu einem Geschäft mit guten Renditen! - Für die Industrie! - Diese Ausrichtung ist natürlich nicht nur beim Motorport zu beobachten, sondern betrifft eigentlich den Sport insgesamt.

Da Motor-KRITIK sich aber – wie sich schon aus dem Titel ergibt – mehr mit dem Teil des Sports beschäftigt, der auch mit „Motor“ beginnt, möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Motorsport immer weiter in Gefilde abdriftet, die man als aufmerksamer Beobachter als „im Abseits“ deuten muss. Damit ist eigentlich auch klar, dass der Sport für den normalen Zuschauer und Besucher so immer uninteressanter wird. - Auch, weil er nicht mehr „begreifbar“ ist!

Man schaue doch nur mal in die Bestimmungen und Reglemente, mit den sich Sportfunktionäre eine Bedeutung gegeben haben, die ihnen eigentlich nicht zukommt und mit denen – wie hätten Sie’s denn gerne? - sich jederzeit Ergebnisse in jede Richtung beeinflussen lassen.

Das begann mit dem „Safety-Car“, das von den USA zu uns herüber schwappte. - Ein Sicherheits-Element! - So wurde es der Öffentlichkeit verkauft! - Tatsächlich wurde es dazu genutzt, künstlich Spannung zu erzeugen, in dem man über viele Runden „locker gewordene“ Starterfelder wieder zusammen führte. Man glaubte so die Spannung für die Zuschauer – gerade zum Rennende hin - erhöhen zu können. - Und die Eintrittspreise!

Inzwischen beeinflusst man damit sogar das Gesamtergebnis eines 24h-Rennens, ohne dass es den Zuschauern und Beobachtern groß auffallen würde. - (Oder man spricht nicht drüber!) Und mit der „BoP“ gibt es noch bessere und elegantere Möglichkeiten, die auch von den Automobilherstellern beeinflusst werden können. Manche dieser von der BoP bestimmten Fahrzeuge sind aber schon mal – dank der Leistung von pfiffigen Ingenieuren – etwas besser als andere der gleichen Marke. Man „fischt im Trüben“ nach Erfolg! - Abgesehen davon:

  • Es gibt nicht nur bei der EU in Brüssel Lobbyisten der Automobilindustrie!

Es gibt inzwischen natürlich auch eine Menge von „Mitläufern“, die mit an den Stellschrauben des Motorsports in die falsche Richtung drehen, ohne zu wissen was sie tun. Sie erhoffen sich eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation „ihrer Serie“!

Also noch ein paar Klassen mehr! - Da werden bestehende Klassen „gesplittet“! - Zwei Antriebsarten in einer Klasse? - Das geht gar nicht! - Cup-Serien werden immer gerne genommen! - Mit Einheitsreifen sowieso! - Weil davon Promotor oder Veranstalter profitieren!

 


Inzwischen müssen Renn-Serien beworben werden, die in der Vergangenheit mal ohne Werbung auskamen, weil hier „ehrlicher“ Motorsport geboten wurde und das mit Automobilen, die dem Zuschauer „nahe waren“. - Vorbei!

Zufällig bin ich gerade auf ein Foto aus 2008 vom 24h-Rennen auf dem Nürburgring gestoßen. Es wurde um 13 Uhr, also Stunden vor dem Start gemacht. - Da war „damals“, als die GT3 noch nicht viele Teilnehmer z.B. an der Teilnahme zu einem 24-Stunden-Rennens schreckte. Am Nürburgring starteten damals über 200 Fahrzeuge. Und die Zuschauer freuten sich über tolle „Mischungen“ in den einzelnen Klassen. - Auch vorbei!

Porsche war die erste Firma, die mit ihrer Sport-Politik Geld verdiente. Da wollten andere nicht abseits stehen. GT3 bot ihnen die Möglichkeit. - Da haben alle zugeschlagen! - Nacfh GT 3 kommt GT4!

Inzwischen stehen wir im Motorsport vor einem „Trümmerhaufen“! Aber niemand will ihn bewusst zur Kenntnis nehmen!

„Motorsport zum Anfassen“ – „Motorsport für die ganze Familie“

Das gibt es eigentlich nur noch in der Werbung und auf der „Essen Motor Show“ in Halle 3. Vom 27. November bis 05. Dezember 2021. - Dafür gibt es zu diesem Termin noch keine Ausschreibung für die NLS-Serie des Jahres 2022. - Weil dort noch neue Klassen sorgfältig integriert werden müssen, die sich evtl. gar nicht integrieren lassen, wie z.B. die der Elektro-Automobile.

In jedem Fall ist jede Änderung in Ausschreibungen „nachhaltig“! - Darum sollte man es vielleicht mal mit „ nachhaltigem Vorausdenken“ versuchen!

MK/Wilhelm Hahne
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