4 Tage Nürburgring: In Ruhe gedanklich verarbeitet!

Ich wurde überrascht davon, dass am Donnerstag vom DSK für seine Mitglieder am Nürburgring ein s.g. „freies Fahren“ angeboten worden war. Ich hatte diesen Fakt vergessen! - Am Freitag gab es dann die „Probe- und Einstellfahrten“, die nun 580 Euro kosten, die von der VLN VV GmbH & Co. KG kassiert werden und zusätzlich zum Nenngeld für die Samstagsveranstaltung zu entrichten sind. Am Samstag gab es dann einen offiziell mit NLS 7 benannten VLN-Lauf über vier Stunden und am Sonntag konnte man auf der Nordschleife dann eine RCN-Veranstaltung erleben, den „Preis der Erftquelle“. - Grund genug, sich mal mit der unterschiedlichen Art von Motorsport auf der Nürburgring-Nordschleife zu beschäftigen, wo man am gleichen - „langen“ - Wochenende als Fahrer nur 18 Jahre alt sein und im Besitz eines Führerscheins sein, dann aber, wenn man die gleiche Nürburgring-Nordschleife befahren will, auch mal eine DMSB-Nordschleifen-Permit vorweisen muss. Einmal darf man mit allem fahren, was vier Räder hat und straßenzugelassen ist, an einem anderen Tag sind nur Fahrzeuge zugelassen, über deren Zulassungsfähigkeit der DMSB, der nationale Vertreter der FIA in Paris entscheidet. Der wird allerdings von der FIA offenbar mit seiner „Gesetzgebung“ nicht ernst genommen, denn bei FIA-Rennveranstaltungen auf der Nürburgring-Nordschleife dürfen auch Fahrer ohne DMSB-Nordschleifen-Permit ins Lenkrad greifen. - Weil die FIA-Veranstaltung international, das DMSB-Permit aber nur national von Bedeutung ist. Eigentlich ist eine Genehmigung, des von der FIA so zu einem Provinz-Verein deklassierten DMSB, ohne jede Bedeutung! - Wie auch die Ereignisse am letzten Wochenende beweisen, über die nun nachfolgend ein wenig ausführlicher als sonst – und mit vielen Fotos - informiert werden soll.

4 Tage Nürburgring: In Ruhe gedanklich verarbeitet!

Am Donnerstag hatte ich mal beim Nürburger Friedhof vorbei geschaut, wo u.a. Hans Bretz, ein ehemalig sehr erfolgreicher ADAC-Präsident seine letzte Ruhe gefunden hat. Das Grab wurde vor einiger Zeit von der rechten Seite um vielleicht 15 – 20 Meter nach Links verlegt. Nachdem der ADAC das Grab seines ehemaligen Präsidenten verkommen ließ, hat nun seine in Hessen lebende, inzwischen 95jährige Tochter, die regelmäßige Pflege durch ein Adenauer Unternehmen sicher gestellt. Im Moment stehen rote Geranien auf seinem Grab.

Das noch nicht so alte Grab des ehemaligen WIGE DATA-Unternehmers (nicht Gründers!), Peter Geishecker, vermittelt einen eigenartigen Eindruck. Mehr als 1,5 Jahre nach seiner Beerdigung steht noch das ursprüngliche Holzkreuz und noch der erste Holzrahmen – beide schon vom Wetter gezeichnet. Der Holzrahmen zeigt die Grenzen des Grabes auf. Das Grab selbst wirkt selbst gepflegt ist gut bepflanzt und eine Grablampe brennt. - Hier wird offensichtlich gespart. - Warum?

  • Dieses Grab zeigt die Grenzen der so genannten „Popularität“ auf. - Sie endet offenbar spätestens mit dem Tod!

Wurde Peter Geishecker nicht mal als der „Retter“ des 24h-Rennens empfunden? - War er nicht für die DTM mal von großer Bedeutung? - Auch für den ADAC! - Alles Show? - Offenbar war seine „Bedeutung“ nur vordergründig! - Über den Hintergrund wurde geschwiegen!

Nachdenklich verlasse ich den Friedhof, um noch mal an der „Einfahrt Nordschleife“ vorbei zu fahren, bevor ich dann heimatlichen Gefilden zustrebe.

Bevor ich die Einfahrt erreiche, die direkt an einer Kreisverkehr-Insel liegt, gibt es einen kleinen Stau auf der Zufahrtsstraße. Es geht nach einem jeweils kurzen Halt, dann eine Wagenlänge weiter und ich erkenne, dass vorne, ganz vorne einige Fahrzeuge nach links in den Kreisverkehr einbiegen um ihn dann gleich wieder links in Richtung eines Parkplatzes zu verlassen. Mir fällt dabei die Formulierung „russische Verhältnisse“ ein. - Mir fällt immer etwas zu Allem ein!

Ein „guter Mann“, der mal mein Chefredakteur war, hat mir mal im Zusammenhang mit einem für ihn erstaunlichen Vorgang gesagt:

„Sie müssen doch manchmal unter dem leiden, was Sie so alles wissen.“

Das ist Jahrzehnte her. Und ich leide tatsächlich immer mehr. Weil ich immer mit „offenen Augen“ (und Brille!) durch die Welt gegangen bin, mir die Basis für die Beurteilung einer Sache, einer Situation immer selbst recherchiert habe. - Die war leider oft erschreckend anders als die, die „von anderer Seite“ der Öffentlichkeit dargestellt wurde. - Eine Darstellung für Ahnungslose!

Als ich den Kreisverkehr verlasse, treffe ich auch dort auf eine etwa 100 Meter lange Fahrzeugschlange, die sich mit jeweils kurzem Rucken dem Kreisverkehr und damit der Zufahrt zur Nordschleife nähert. - Erst jetzt dämmert mir, dass ich da mal etwas gelesen habe. Auf der DSK-Internetseite. „DSK“ steht für „Deutscher Sportfahrer Kreis“ und der wird von einem Präsidenten geleitet, der zu allen wichtigen Leuten im Motorsport einen guten Kontakt pflegt. Natürlich auch zum Nürburgring und zum DMSB. Irgendwann in diesem Jahr hat er mal den „sinnvollen“Satz gesprochen:

„Es ist von entscheidender Wichtigkeit, dass wir die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit als Chance für den Motorsport auf breiter Basis vermitteln. Der Motorsport ist traditionell ein Entwicklungslabor und Testfeld für Zukunftstechnologien, dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Er kann deshalb einen wichtigen Beitrag leisten, um Entwicklungen voranzubringen, wenn alle Beteiligten in Industrie, Sport und Politik dies auch erkennen.“

Erstaunlich, was man als Präsident des DSK so alles erzählen kann. - Und niemand lacht! - Es ist aber auch eine perfekte Aneinanderreihung von Worthülsen. - Das muss man erst mal können! - Dieser Mann hätte das Format, Innenminister von RLP zu werden!


Ganz in Gedanken bin ich dann mal in den Bereich Quiddelbach gefahren, von wo aus man sich als Zuschauer ein schönes Stück der „Hatzenbach“ erschließen kann. Und der Verkehr auf der Strecke war relativ dicht. Man war schnell unterwegs, aber leider nicht alle gut. So mancher hatte ein schnelles Automobil, die Rennstrecke „macht an“, aber so manchem fehlte es auch am gefühlsbetonten Einlenken auf einer richtig gedachten Ideallinie. Viele teure Fahrzeuge mit Doppelkupplungsgetriebe waren zu hören. Um die gehörten Geräusche ins verständliche Deutsch zu übertragen: Es tat akustisch Schläge „wie die Sau“!

So ein Doppelkupplungsgetriebe ist natürlich richtig teuer. Obwohl die Produktionskosten bereits ausgereizt sind. Da wird inzwischen auch gespart, weil die verantwortlichen „Leiter“ gerne vom heute in allen Firmen so bedeutendem „Bonus-System“ profitieren möchten. Ich kenne Hersteller, wo das Bonus-System“ auf diesem Gebiet den Verantwortlichen wirklich nichts mehr bringt. - Die Produktionskosten sind ausgereizt. Dafür muss der Kunde evtl. etwas früher mit – nicht kleinen! - Reparaturkosten rechnen.

Die Zeiten, in denen ein modernes, rein mechanisches Getriebe ein ganzes Autoleben hielt, sind eigentlich aber auch vorbei, weil deren Haltbarkeit inzwischen – aus Kostengründen – exakt auf ein bestimmtes Drehmoment ausgelegt ist! - Dafür scheint für mit Millionen (über-) bezahlten Firmenchefs (CEO’s) der Zeitpunkt gekommen, für bisher aber allgemein zuverlässiger arbeitenden rein mechanischen Getriebe „das Ende“ verkünden zu lassen. (VW, Mercedes)

Wie wäre es, wenn man in der Werbung einen alten, witzigen Spruch jetzt wieder in den Vordergrund stellen würde:

„Watt nix kostet, is auch nix!“

Dieser Spruch bezieht sich dann aber nicht nur auf Getriebe, sondern passt auch zu der Preisentwicklung der Automobile, die von reinen Transportmitteln inzwischen zu rollenden Wohnzimmern verkommen sind.

Ich bin inzwischen wieder auf dem Rückweg – zu Fuß – zu meinem an der B 257 auf einem öffentlichen Parkplatz geparkten Automobil.

Wenn man nicht nur die Rennstrecke, sondern auch die Landschaft rundum betrachtet, findet man den Nürburgring und seine Umgebung richtig erholsam. Das hat wohl auch der Radfahrer so empfunden, der mich auf meinem Weg bergab in durchaus sportlichem Tempo – und Haltung – rasend passiert. - Auf der Strecke selbst war es ruhig geworden.

  • Es gab wohl – mal wieder – eine Unterbrechung. - Wohl mal wieder einen der vielen Unfälle, die bei solchem „freien Fahren“ registriert werden müssen. - Aber wer macht das denn schon?

Was aber auffallend ist: Diese Art von „freiem Fahren“ hat wohl Zukunft. Die so genannten „Trackdays“ boomen. Auch am Nürburgring! - Keine Lizenz. Kein Nordschleifen-Permit! - Es gilt die StVO? - Meine Leser mögen auf die Fotos schauen: Rechtsfahrgebot? - Keine „Kurven schneiden“? - Geschwindigkeitsbegrenzungen beachten? - Es gibt nämlich solche z.B. im Bereich der Brücke in „Breidscheid“.

Die ganzen „Beschränkungen“ in den AGV’s und Ausschreibungen, haben nur Schutz- bzw. Alibi-Charakter, werden von den Nutzern der Strecke auch nicht ernst genommen. Von denen, die die Vorschriften „erstellten“ auch nicht! - Denn sonst würden sie sie doch überwachen lassen. - Oder?

Am Freitag habe ich mich schon am Vormittag ins Fahrerlager begeben. Die ersten Teams, die am 7. NLS-Lauf teilnehmen wollten, waren bereits am Donnerstag angereist. - Es war angenehm, mal ohne jeden Druck durchs Fahrerlager zu laufen und „Kleinigkeiten“ zu registrieren, die einem sonst vielleicht entgehen. Da kann man dann auch nicht übersehen, dass die großen – oft gefeierten – Akteure, eigentlich ohne die vielen Helfer eigentlich ein „Nichts“ wären.

An so einem Freitagvormittag gibt es keine „Meetings“, sondern nur nette Informationsgespräche. Alles passiert mit einer gewissen Leichtigkeit. Man spürt nirgendwo irgendeinen Druck.

Da macht man dann auch mal Fotos, für die man sonst – unter Druck – keine Zeit zu haben glaubt. Die Spiegelung in der Seitenfläche eines Autos. Ein Auspuffendrohr. Ein Influencer der in 2022 mal etwas anderes trinkt als das, für das er in 2021 in seinen „youtube“-Beiträgen noch geworben hat. - Oder wie ein Kinderwagen an einem MINI vorbeigeschoben wird. Alles in Farbe! - Aber eigentlich sollte man selbst so – wie im Foto zu sehen – nicht mit dem Finger auf andere Leute zeigen!

Am Freitagnachmittag hört dann der Spaß auf. Da hat man als Teamchef nicht nur 580 Euro zu entrichten, wenn man noch Nachmittags das am nächsten Tag eingesetzte Rennfahrzeug auf seine perfekte Tauglichkeit überprüfen will, da gibt es dann auch noch bei den „Offiziellen“ eine kleine Auseinandersetzung, die auch noch lange danach für ein Echo sorgen wird:

  • Mit einer „SPOKO-Entscheidung“ wird ein bisher in vielen Rennen erfolgreicher Porsche-Cayman, von einem Team selbst aufgebaut – zumindest bei der NLS – nun endgültig von der Piste verbannt!

Das dabei der DMSB nicht gut ausschaut, die Funktionäre auf der unteren Ebene ebenso, dass interessiert hier nicht. Sportgesetz ist Sportgesetz. Und dass man beim DMSB… - Also so kann man es vielleicht nicht sagen. - Aber vielleicht so:

  • Man sollte zur Kenntnis nehmen, dass siegreiche Porsche nur aus Weissach kommen dürfen!

Der bisher erfolgreich eingesetzte Cayman dieser Baureihe, war in Serie – leider – nur mit einem Sechszylindermotor ausgestattet. - Das „leider“ gilt nur für den hier geschilderten Fall. Denn tatsächlich – und hier möchte Motor-KRITIK dann doch mal aus dem „Nähkästchen plaudern“, wird es einen Sechszylinder-Porsche Cayman schon im nächsten Jahr im Porsche-Serienprogramm nicht mehr geben! - Wegen der „Nachhaltigkeit“!

In diesem Zusammenhang sollte ich aber erwähnen, dass bei dieser Rennveranstaltung eine neuer Porsche GT3 am Start war. Der ist zwar auch – noch nicht – homologiert. Aber den packt man dann in die auch vorhandene Prototypenklasse „SPX“. - Warum man nicht den „ausgestoßenen“ Cayman dahin verbannt hat, entzieht sich der Kenntnis von Motor-KRITIK. - Es kann sein, dass ein neuer Porsche GT3 nicht gerne mit „Schmuddelkindern“ spielt!

  • Übrigens: Die SPOKO-Entscheidung findet man hier im Anhang als pdf-Datei!

Dabei fällt mir als „alter Mann“ ein, dass es Porsche war, der einen Stéphane Ratel (SRO) mal auf die Idee brachte, durch eine „BoP“ (Balance of Performance) eine Nutzung alter Sportwagen im Interesse eines preiswerten Motorsports zu ermöglichen. Man hat in Stuttgart dann aber auch neue GT3 geliefert, deren Basisversion 186.000 Euro kostete, zu dem dann auch noch die Kosten für ein s.g. Sportpaket kam.

Porsche war aber schon damals praktisch die einzige Firma, die mit dem Motorsport Geld verdiente. Damit war sie Vorbild für andere Firmen. GT3-Rennfahrzeuge sollten immer eine Basis in einem Serien-Sportwagen haben und damit eigentlich einen preiswerten Einstieg in den Motorsport ermöglichen.

Aber dann wurde an der Preisschraube gedreht. Alle wollten jetzt im Motorsport Geld verdienen. Und weil man mit einem GT3 schon im Motorsport Erfolg haben musste, wenn man damit im Verkauf Geld verdienen wollte, gab Mercedes (AMG) z.B. seinem GT3 ein richtiges Rennfahrwerk mit. Aber mit normalen vier Rädern. - Aber einem Rennfahrzeug sollte man auch „nicht unters Kleid schauen“!

Und die GT3-Preise explodierten. Ein GT3-Porsche kostete schon bald 289.000 Euro. Mit der neuen Version hat Porsche nun einen neuen Höhepunkt erreicht. Einschließlich der deutschen „Märchensteuer“ kostet der hier am Nürburgring erstmals eingesetzte neue Porsche GT3 nun exakt – ohne Extras! - 618.000 Euro! - Ein Schnäppchen?

Wenn man heute einen der schnellen LMP3-Prototypen kauft… - Oder um es anders zu sagen: Wer zwei davon kauft, hat gegenüber einem neuen GT3-Porsche noch gespart. Auch wer sich einen LMP2 kauft, mit dem man dann evtl. auch in Le Mans gewinnen könnte, der bleibt evtl. noch ein wenig unter dem Preis von Porsche für einen neuen GT3.

Also wäre es schon mal interessant, am Freitagnachmittag an die Strecke zu fahren – habe ich gedacht – um mal zu schauen, wie der neue Porsche GT3, hier vom Manthey-Team (auch in Porsche-Hand) eingesetzt, sich denn so machen würde.

Auch an der Strecke – hier am Parkplatz „Pflanzgarten“ – war alles für Renn-Samstag schon hergerichtet. Sowohl die Hinweisschilder auf den Parkplatz- wie den Eintrittspreis waren bereits aufgestellt. Dafür konnte man aber auch über besonders geschützte Plätze verfügen. Im Zaun waren sogar „Fotolöcher“ vorgesehen. Rechts vom „Zugang“ war es dann etwas „luftiger“, so dass ich mich dort mal platziert habe.

Ich war erst nach dem Öffnen der Boxengasse (Ampel zeigt GRÜN) vom Fahrerlager an die Strecke geeilt. Natürlich habe ich erst mal fotografiert, wie sich dieser Streckenabschnitt so darstellt. Ich habe auch nicht versäumt noch einmal darzustellen, dass man auch durch den Zaun hindurch fotografieren kann. Man ist auf die „Fotoscharten“ nicht angewiesen. - Auch das im Hinblick auf das Rennergebnis am nächsten Tag interessante Foto, ist mir nicht durch ein Fotoloch im Zaun, sondern mit dem Fotografieren über den Zaun hinweg gelungen:

  • Das neue 600.000 Euro-Schnäppchen von Porsche wird von Audi auf seine morgige Wettbewerbsfähigkeit überprüft!

Mir war so klar, dass dieser Porsche gegen diesen Audi verlieren würde. Schon weil er mit dem Start in der Prototypenklasse bei drei Boxenstops mit insgesamt 1:30 min zusätzlich „bestraft“ sein würde. - Warum das so ist? - Da muss man die „Fachleute“ fragen! - Weil in der SPX-Klasse die „BoP“ nicht greift? (Auch ich kann über ein solchen Witz nicht wirklich lachen!)

Das Rennen am Samstag wollte ich dann aus der Boxengasse erleben. Daran hatte ich auch gut getan. Zwar waren 132 Einsatzfahrzeuge gemeldet, aber 121 stellen sich dann nur zum Qualifying auf und die draus resultierenden drei Startgruppen am Samstag umfassten dann nur 118 Fahrzeuge. Da würde es in der Boxengasse sicherlich noch am spannendsten sein!

Das Rennen lief. Aus meiner Sicht gab es relativ wenige Zuschauer im Start und Zielbereich. Auch auf dem Boxendach gab es ein paar. In den Boxen und davor die „üblichen Verdächtigen“. Und der Himmel schien bedeutsam darzustellen, dass dunkle Wolken über den am Nürburgring betriebenen Motorsport zu sehen sind.

Hier der letzte Boxenstopp des Aston Martin GT3, der durch das „a.d.W.“ (aus der Wertung) des auf dem 5. Gesamtrang eingelaufenen Mercedes dann „endgültig“ auf dem 5. Platz des Gesamtklassements einlief. Damit sich Motor-KRITIK-Leser die Benzinkosten für einen GT3 bei einem 4h-Stunden einmal ausrechnen können, habe ich mit der Kamera einmal genau hingeschaut. Den hier auf der Tanksäule abzulesende Betrag wäre also für das gesamte Rennen  „x 4“ zu nehmen. - Und das Fahrzeug geht – wie auf den Fotos gezeigt - nun auf dem letzten Turn von insgesamt 28 Rennrunden. - Dazu kommen die Runden bei Qualifying und Test- und Einstellfahrten!

Um einmal daran zu erinnern: Das Phoenix-Team wird für die Entgegennahme der Pokale für sowohl Platz Eins und Zwei in Klasse & Gesamtklassement einen Aufwand in Gesamtkostenhöhe von insgesamt rd. 200.000 Euro betrieben haben! - Soviel zahlt man heute für Sieg und Platz beim  kostengünstigen Breiten-Motorsport mit GT3 am Nürburgring!

Audi stellt zwar die Produktion seines GT3 im Produktionsjahr 2023 ein, zumal man dann in die Formel 1 einsteigt, hat aber – sozusagen zur Sicherheit – schon den Entwurf für einen neuen GT3 auf der Basis von… - Aber lassen wir den zunächst mal in der Ingolstädter Schublade! - Denn da gehört er hin!

Auch von der Boxengasse aus lassen sich die vorbei fahrenden Automobile gut beobachten. Da habe ich dann ein paar „Mitzieher“ gemacht oder festgehalten, wie Teammitglieder die Vorbeifahrt ihrer Fahrzeuge im Bild dokumentieren.

Auf der Tribüne, direkt gegenüber der Box 26, vor der aus das Manthey-Team den neuen Porsche GT3 bei seinem ersten Renneinsatz dirigierte, haben auch ein paar „Grello“-Fans Platz genommen. Sie müssen erleben, dass die Start-Nummer 16 – ein Audi! - der spätere Sieger, zwar nicht die schnellste Runde im Rennen fährt, aber zuverlässig Runde für Runde vorbei kommt. Beim letzten Boxenstopp des späteren Zweiten im Gesamtklassement können sie wahrnehmen, dass sich der Autdi-Werksfahrer Stippler zwar entsprechend der ursprünglichen Absprache für den letzten Stint vorbereitet hat, aber dann seinem Teamkollegen, Vincent Kolb (27) empfiehlt, der im Hauptberuf bei der Hannover Finanzgruppe als Investment Analyst tätig ist, ruhig das Rennen zu Ende zu fahren. Es genügt ihm offenbar im Rennen die schnellste Runde gefahren zu haben, die um gut 2,5 sec besser ist, als die Schnellste des 618.000 Euro teuren Porsche bei seinem ersten Einsatz

Dessen letzter Boxenstopp soll hier natürlich auch gezeigt werden. Man hatte 30 sec mehr Zeit als ein in der Klasse SP9 fahrender GT3, da man – da noch nicht homologiert – als SPX starten musste. Was eine solche Pause bei Boxenstopps in einem Langstreckenrennen eigentlich soll, können nur die wissen, die eine solche, dem eigentlichen Sport widersprechende Regel, in die Ausschreibung geschrieben haben.

  • Der Motorsport ist inzwischen nicht nur über-, sondern „kaputt reglementiert“!

Außerdem natürlich inzwischen zu teuer geworden. Für die einsetzenden Teams. Und für die Zuschauer insgesamt zu langweilig? Wie soll man die Besucherfrequenz an diesem Renn-Samstag anders deuten?

Ich habe noch einen kurzen Besuch in der Manthey-Box gemacht, wo man noch hier und da Dinge diskutierte, aber insgesamt wohl zufrieden war. Das war man auch offensichtlich an anderer Stelle.

Ein Foto der Sieger, habe ich dann nach dem Tanken bei der Rückfahrt vom Bildschirm an der Tankstelle gemacht:

 

 

 

Am Sonntag hatte dann der RCN auf der Nürburgring-Nordschleife seinen Auftritt. Die Veranstaltung trug den Titel, „Preis der Erftquelle“ und wurde von einem Motorsport-Verein aus der Eifel durchgeführt. Der Sitz des Vereins ist Dreis-Brück, der Ort, auf dessen Friedhof auch der „Erfinder“ der Eifel-Krimis, Michael Preute, alias Jack Berndorf, begraben liegt.

Zu dieser Veranstaltung hatten lt. Angaben des Veranstalters 170 Starter genannt. Am Start konnten dann allerdings nur 146 Fahrzeuge gezählt werden. Die Gründe für die aufgetretene Differenz sind vielfältig. Aber es ist festzuhalten, dass doch einige der früheren VLN-Starter inzwischen auch – oder statt dessen – bei der RCN gelandet sind. So war das Starterfeld bei dieser Veranstaltung auch mehrheitlich von Startern geprägt, die gleichzeitig Wagenbesitzer sind und ihre Fahrzeuge zum Teil selbst vorbereitet haben. So betrachtet ist die RCN-Serie im Gegensatz zur heutigen NLS eine echte Breitensport-Serie.

Wer am Samstag den NLS-Lauf und am Sonntag den RCN-Lauf beobachtet hat, wird feststellen müssen, dass zwischen der Fahrweise von „Fremden-Legionären“ und denen von Fahrzeugbesitzern, die ihr eigenes Fahrzeug steuern, ein deutlicher Unterschied besteht. Gibt’s bei Ersteren schnell mal einen Rammstoß, gilt bei den RCN-Leuten mehr das „Bitte nach Ihnen“! - Es ist wohl ein Unterschied, ob man weiß, dass das Fahrzeug kaskoversichert ist oder ob man das Auto als Fahrer selber auch besitzt und bezahlt hat. „Eigentum verpflichtet!“ - Auch zu einer respektvollen Fahrweise!

Ohne 18 plus 10 Euro (Eintritt- plus Parkgebühren) war trotzdem an der Imbissbude nur ein mäßiger Betrieb. Es gab zwar viele Zuschauer, aber kein Gedränge. Obwohl der Parkplatz gut gefüllt war. Hier auf dem Parkplatz „Brünnchen“ parkten auch wieder Wohnmobile, die am Tag zuvor dort nicht erwünscht waren. Alle Streckenposten waren gut besetzt. Auf der Strecke war lebhafter Betrieb. Auch die Zahl der interessierten (!) Zuschauer war eigentlich groß! - Am Sonntagmittag! - Ob’s daran lag, dass die hier Rennfahrzeuge im Einsatz erlebten, die sie selber gerade hier geparkt hatten?

  • Man könnte auf die Idee kommen, dass manchmal Weniger = Mehr ist!

Was mich – wie man so schön sagt – „vom Stuhl gehauen hat“ war, dass man hier ein Fahrzeug in einem vom DMSB genehmigten Wettbewerb erleben konnte, dass am Tag zuvor wegen einer SPOKO-Entscheidung vom Wettbewerb ausgeschlossen war.

Aber es kommt noch schöner:

Gesamtsieger dieser RCN-Veranstaltung, „Preis der Erftquelle“, vom DMSB unter der Reg.-Nr. R-13054/22 genehmigt, war lt. offiziellem Ergebnisbericht des RCN exakt das Fahrzeug, dass zu der Veranstaltung am Vortag von den Sportkommissaren der NLS nicht zugelassen wurde. - Das Fahrzeug war hier mit der Startnummer 712 im Einsatz und wurde von dem Fahrer Stefan Schmickler gesteuert.

Ich habe auch dieses Fahrzeug bei seinem Einsatz auf der Nürburgring-Nordschleife natürlich fotografisch auf die SD-Karte meiner Kamera gebannt und möchte das Foto – aus gegebenem Anlass – dann hier etwas größer darstellen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ende gut, alles gut?

Zur derzeitigen – aktuellen - Situation im deutschen Motorsport findet sich bei „Facebook“ derzeit die Beschreibung eines im Motorsport nicht unbekannten Kölner Rechtsanwalts, die sich so liest:

„Der Begriff „Klimaveränderung“ kann auch im Motorsport bemüht werden und zwar mit dem gleichen ihm innewohnenden negativen Zungenschlag. Nein, es geht nicht um die CO 2 - Immission, der man dort sehr schnell durch die Verwendung synthetischer Kraftstoffe Herr werden könnte, wenn man denn wollte. Es geht um grundlegende schleichende Veränderungen, wie Rückgang der Starterzahlen, die zunehmende Zurückhaltung von Kooperationspartnern und der drohenden Entwicklung bei den Zuschauerzahlen. Man versucht dem mit den bekannten Mitteln zu begegnen, indem man die z.B. ehemalige Tourenwagenrennen um GT-Fahrzeuge ergänzt, Klassen erweitert, Serien zusammenlegt, usw., und man dreht natürlich an der Nenngeldschraube. Die Teams und Teilnehmer versuchen dem zum Teil zu begegnen, in dem man auf andere Veranstaltungen in der Motorsportpyramide ausweicht. Die Veranstalter wiederum versuchen - weil selbst unter extremen stetig steigenden Kostendruck durch Streckenkosten und Nebenkosten - dem durch einen weiteren Dreh an der Nenngeldschraube entgegenzuwirken.
Die vermeintlich altbewährten Mechanismen sind aber abgenutzt und greifen nicht mehr. Da helfen auch schöne Fotos und Hurra-Berichterstattung nichts. Der Blick in das Portemonaie der Zuschauer wird 2023 auf Grund der Rezession in Deutschland einen weiteren Rückgang bei den Zuschauern zur Folge haben. Den einen und anderen Veranstalter werden wir 2023 nicht mehr sehen, weil er unter dem Kostendruck aufgeben muss.
Wir werden nicht umhin kommen den Motorsport, egal ob modern oder historisch neu zu denken, zu überarbeiten und zu entschlacken. Falsch verstandener Wettbewerb zwischen Veranstaltern und Eifersüchteleien sind nicht mehr zeitgemäß. Die nationale Sporthoheit DMSB darf sich nicht länger als „Behörde“ verstehen, sondern muss wirklicher Dienstleister werden. Alte Zöpfe müssen endlich ab. Fehlentwicklungen müssen korrigiert werden. Allen voran die unsägliche Nordschleifen-Permit, die von Anfang an umstritten war und erkennbar überflüssig ist. Auch die Nordschleife ist eine Rundstrecke für die man eine Rundstreckenlizenz braucht, aber damit muss es auch gut sein. Die Besonderheiten sind ohnehin jeweils nochmals vor Ort, vor jedem Rennen in digitaler Form und (kumulativ) durch Fahrerbesprechungen aufzufrischen. Jede Form der Reglementierung muss einmal durchforstet werden, damit inländische und ausländische Teilnehmer und Teams wieder Spass auf den Rennstrecken haben. Wir müssen das Thema anpacken, jetzt !!“

Schöner kann eine Geschichte von vier Erlebnistagen am Nürburgring aus meiner ganz persönlichen Sicht - eigentlich gar nicht enden!

Wobei eine Anmerkung wichtig ist:  Die obige Darstellung des RA’s wurde am 9. Oktober um 8:53 Uhr bei „Facebook“ eingestellt, also zu einem Zeitpunkt, bei dem er von einem Gesamtsieg des Porsche Cayman, der am Tag vorher – trotz aller vorhandenen DMSB-Genehmigungen - vom Wettbewerb ausgeschlossen wurde, noch gar nichts wissen konnte.

Diese „märchenhafte“ – aber real wahrnehmbare - Situation konnte also bei der oben wiedergegebenen Darstellung des deutsche  Motorsports durch diesen – im Motorsport erfahrenen -Rechtsanwalt noch keine Berücksichtigung finden!

MK/Wilhelm Hahne
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