Lesertipp: Wenig Ärger durch bequemes Abschreiben?

Ein Leser fragte mich in einem Gespräch, warum ich mir das Leben so schwer mache, weil ich mit meiner Meinung doch sowieso nichts grundsätzlich ändern kann. - Natürlich hat er recht! - Ich möchte auch nichts ändern, sondern nur evtl. ein paar Menschen zum Nachdenken anregen. Aber tatsächlich ist das „Mitschwimmen im Mainstream“ für einen Journalisten anstrengungsloser. Man erhält zwar dann keinen Beifall, aber doch hier und da – zumindest - ein verständnisvolles Kopfnicken von Pragmatikern.

Nicht unbedingt von den Autoren, Richard David Precht und Harald Welzer, die gerade mit ihrem neuen Buch, „Die vierte Gewalt – Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist“ schon allgemein – und nicht nur „hier und da“ – ein wenig anecken. - Obwohl sie natürlich recht haben. - Wie auch mein Leser.

  • Mit folgendem Beispiel möchte ich aber klar machen, dass man als Journalist auch mit Abschreiben anecken kann. Selbst wenn man „nur“ aus einem Roman zitiert!

Es folgen ein paar Sätze aus dem Roman „Unterleuten“, wobei schon dieser Titel ein wenig doppeldeutig ist. Die Autorin, eine Frau, könnte wohl auch „Unter Leuten“ gemeint haben. In dem Buch ist u.a. (auf Seite 114) zu lesen:

„Da waren sie also die Lösungen. Damit kannte Kron sich aus. Immerhin steckten jeden Morgen zwei überregionale Tageszeitungen in seinem Briefkasten. Früher hatte er die Blätter als Reportagen aus dem Herzen des Feindes gelesen, heute las er sie als Satiremagazine. Er wusste, wie man mit Schweinegrippe Pharmaprodukte verkaufte, mit Terrorismus Wirtschaftskriege legitimierte und mit Klimakonferenzen den heimischen Markt gegen Billigimporte schützte. Er beherrschte die dazu passende Rhetorik. Auf einer Pressekonferenz hätte er jeden beliebigen Schwachsinn erklären können, zum Beispiel, warum trotz Bankenkrise eine Regulierung der globalisierten Märkte leider nicht möglich sei. Er wusste, wann man ‚alternativlos’ und ‚Sachzwang‘ sagen musste, nämlich in jedem zweiten Satz. Er kannte die Argumentationsfiguren, mit denen Verantwortung von den Kommunen auf die Länder, von der Landesebene auf die Bundesregierung und von der Bundesregierung nach Brüssel abgeschoben wurde. Soziale Ungerechtigkeiten ließen sich bestens legitimieren, indem man darauf verwies, das Wirtschaft und Wohlstand andernfalls nach China abwandern würden.“

Das ist wirklich ein Zitat und – abgeschrieben! - Es stammt aus dem Roman einer jungen Autorin, die erst 1974 geboren wurde, Jura studierte, in Europa- und Völkerrecht promovierte. Sie hat schon Bücher geschrieben, die Welterfolge wurden und wurde nicht nur – 2018 – mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, sondern auch zur Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt.

Auch wenn die Autorin Juli Zeh heißt, kann man sich das Buch im November oder Dezember kaufen, zumal es – ungebunden, als Paperback – nur 12 Euro kostet. Zehn Liter Diesel – aber auch Benzin - sind teurer!

Wenn ich – normalerweise – nicht überwiegend mit „Motorthemen“ beschäftigt wäre, könnte die obige Darstellung von aktuell erlebbaren Abläufen auch auf meinem Computer entstanden sein. Aber eine solche Schilderung von Erlebbarem durch einen Journalisten wird wohl anders empfunden, als die von einer intelligenten Schriftstellerin.

Wie dem auch sei: Ich bleibe „bei meinen Leisten“ – und schreibe in Zukunft weiter über „Motorthemen“ und den Nürburgring, der in der Eifel liegt, die zu meiner zweiten Heimat geworden ist und die schon ein wenig darunter leidet, dass sich die Realität oftmals politischen Wunschvorstellungen unterordnen muss, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Diese Geschichte ist thematisch vielleicht auf meinen Motor-KRITIK-Internetseiten ein wenig fremd, passt aber eigentlich doch „ins Bild“.

Wie auch meine demnächst folgenden Geschichten zeigen werden. - Hoffe ich! - Denke ich!

Natürlich werden sie von mir nicht als ein Produkt der „vierten Gewalt“ empfunden, sondern als eine klare, unverzerrte Darstellung der Realität, nicht nur als subjektive Meinung. - Denn diese „Meinung’“ wird auch von Fakten gestützt, die man – „von anderer Seite“ – gerne übersieht.

Das alles also „Demnächst in diesem Theater“!

MK/Wilhelm Hahne

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