100 Jahre: Hans-Erdmann Schönbeck war „ein Herr“!

Bei „Wikipedia“ lebt er auch heute noch. Tatsächlich wurde er 9. September ds. Jrs. 100 Jahre alt  und ist am 18. Oktober gestorben. Nicht nur bei „Wikipedia“ lebt Hans-Erdmann Schönbeck weiter; kaum ein Medium hat seinen Tod wahrgenommen. Unauffällig, wie er – „als Herr“ – seine Arbeit in all seinen beruflichen Positionen sozusagen „mustergültig“ ausführte, hat er diese Welt für immer verlassen.

Noch in in diesem Jahr – 2022 - wurde aber besonders der erste Teil seines Lebens noch in vielen Buchbesprechungen erwähnt, als der Bestseller-Autor Tim Pröse ein Buch veröffentlichte, das mit seinem Titel - „...und nie kann ich vergessen“ – besonders auf die Erlebnisse des „Zeitzeugen“ Hans-Erdmann Schönbeck abhob. Tatsächlich war der zu diesem Zeitpunkt 99jährige ein Stalingrad-Überlebender, wurde den Widerstandskämpfern zugerechnet. Das Buch landete – darum? - dann auch direkt auf Platz 2 der SPIEGEL-Bestsellerliste in der Rubrik Sachbuch/Hardcover.

Sein Tod noch im gleichen Jahr, jetzt im Oktober, wurde dagegen kaum registriert. Ich habe Hans-Erdmann Schönbeck nach seinem Wechsel von Audi zu BMW 1974 kennen gelernt. Er war ein Mann, der – was den Vertrieb von Automobilen betraf – wusste, wovon er sprach.

Natürlich war er auch von seinen Erlebnissen als Panzer-Offizier im Zweiten Weltkrieg und seinen Erlebnissen bei Stalingrad geprägt. Aber sein Leben ging auch danach weiter. Er studierte ab 1946 an der TH in München, nachdem er schon zu Kriegsbeginn eine landwirtschaftliche Lehre abgeschlossen hatte. 1950 begann er bei der MAHAG in München, einem der großen VW- und Porsche-Großhändler dann seine eigentliche berufliche Laufbahn als Volontär, die ihn vom Gebietsleiter zum Verkaufsleiter und weiter zum Verkaufsdirektor (mit Prokura!) werden ließ.

Dann gab es den beruflichen Sprung zum Vertriebsleiter Inland bei Audi. 1970 war er dann schließlich dort Vorstandsmitglied Gesamtvertrieb und wurde 1974 dann zu BMW nach München abgeworben.

  • Die bisherigen Privat-Importeure sollten durch werkseigene BMW-Importniederlassungen ersetzt werden! Er hatte auf diesem Gebiet Audi-Erfahrung!

So hat er mir es damals – als er schon bei BMW war – erzählt, weil mich persönlich interessierte, warum er zu BMW gekommen war. Dieser „tiefere Grund“ wurde bisher nirgendwo und niemals  erwähnt. Ich war auch nicht unbedingt – damals wie heute – der Meinung, dass seine Meinung  und die des Herrn von Kuenheim „zur Sache“ richtig war.

Hans-Erdmann Schönbeck hatte die Aufgabe, bei BMW – so nebenbei - das umzusetzen, was er vorher schon bei Audi angeregt hatte:

Schönbeck sagte mir damals, dass man damit eine schnellere Information der „Zentrale“ sicherstellen wolle, weil die durch Privat-Importeure nicht zuverlässig schnell – und vielleicht auch subjektiv beeinflusst – erfolge.

Nach meiner Erfahrung war das zwar objektiv richtig, aber real-politisch falsch. Gerade BMW profitierte z.B. stark von der Meinung des unabhängigen Privat-Importeurs Hoffmann in New York. Ohne ihn hätte es z.B. keinen BMW 507 gegeben und der Vergaserhersteller BING hätte sicherlich erst sehr viel später zum durch Unterdruck gesteuerten Vergaser gefunden.

Ich wusste aber auch zu diesem Zeitpunkt schon, wie „zuverlässig“ eine Reihe von Statistiken sind, die damals bei der Automobilindustrie im Umlauf waren. Das ist inzwischen noch schlimmer geworden, da heute z.B. jeder große Hersteller über eine eigene Leasing-Gesellschaft verfügt.

  • Aber da – könnte man sagen – „betrügt“ sich der Hersteller selber, weiß also um die „getürkten“ Statistiken!

Eine solche Situation hat sich ein Hans-Erdmann Schönbeck Zeit seines Lebens sicherlich nicht vorstellen können. Er war eben „ein Herr“, hatte die Moralvorstellungen, von denen auch ein Eberhard von Kuenheim bestimmt war.

Hans-Erdmann Schönbeck hat nach seiner BMW-Zeit, die er – nachdem er dort noch in den Aufsichtsrat aufgestiegen war, aufgrund seines Alters – kurz vor seinem 67. Lebensjahr – beendet. Er war danach aber noch 4 Jahre Präsident des VDA und danach noch ein paar Jahre Präsident des europäischen Automobilherstellerverbandes.

  • Immer „ein Herr“, immer korrekt! - Schönbeck hat alle Position in seinem Leben mit der richtigen Einstellung dazu ausgefüllt.

Da kann man fast verstehen, dass er sich nun im Alter von exakt 100 Jahren von unserer Welt verabschiedet hat. Das war auch nicht mehr „seine Welt“!

Sozusagen still und ohne eine Häufung von Nachrufen in den Medien hat er uns verlassen.

Wer so alt wird, ist in unserer modernen Welt auch schon lange vergessen!

Wilhelm Hahne

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