2022-02

Aktien: Der gute Mensch denkt an sich selbst zuerst

Wenn meine Leser glauben, dass an dem Titel etwas falsch ist, dann haben sie recht. Der richtige Spruch stammt von Friedrich Schiller und lautet: Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt. - Das war gestern! - Die Zeiten haben sich geändert. Wo gibt es heute noch brave Männer? - Dabei denke ich – als Motor-Journalist - in erster Linie an die CEO’s (Chief Executive Officer) der Automobil AG’s. Natürlich auch an ihre Vorstandskollegen. Alle gut verdienende Manager, die natürlich auch versuchen, ihr schon gutes Einkommen, noch mal mit Aktiengeschäften zu verbessern.

Warum man in Verbindung mit Automobilherstellern nicht immer nur an Automobile und deren Technik denken sollte, muss ich vielleicht mit einem Gespräch erklären, das ich mit einem Vorstandsvorsitzenden hatte, das allerdings auch schon vor Jahrzehnten stattfand.

Ich stand nach einer Pressekonferenz am Rande eines Platzes auf dem die Testfahrzeuge bei einer Neuvorstellung verteilt wurden und schaute dem bunten Treiben zu. Da trat dieser Vorstandsvorsitzende neben mich um zu fragen: „Worauf warten Sie?“ - Ich habe gesagt, dass ich mir die Drängelei gerne ansehe, da doch sicherlich für mich auch ein Testfahrzeug über bleiben würde. - Mein Gesprächspartner hat zustimmend genickt und wir sind ins Gespräch gekommen. Dabei hat dieser Vorstandsvorsitzende nach Beantwortung meiner dann gestellten Fragen eine interessante Anmerkung gemacht:

„Warum haben Sie das nicht auf der Pressekonferenz gefragt? - Ich höre da immer die gleichen Fragen, die sich um Technik und Verkaufszahlen drehen. Niemand spricht von den anderen Problemen, die man so als Automobilhersteller hat. Wissen Sie, dass ich manchmal an einem Tag mehr Geld durch entstehende Währungsdifferenzen verliere, als ich mit der Autoproduktion an diesem Tag verdienen kann?“

Ich wusste. - Und weiß es heute immer noch. Darum ist mir aufgefallen, dass inzwischen ein neuer Typ von CEO’s bei den Automobilherstellern am Ruder ist. Einer davon wurde gerade in einem Wirtschaftsmagazin als „eiskalter Engel“, aber auch als sehr gut empfunden. Nur hat man da nicht begriffen, dass dieses „Wunderkind“ nicht zufällig den Aktienkurs seiner Firma durch die „richtigen“ Aktionen,  Pressemeldungen und Aussagen in neue Höhen geführt hat. Er wird persönlich davon mit hoher Wahrscheinlichkeit in irgendeiner Form profitieren.

So ist es heute fast üblich geworden, dass man einem neuen CEO bei seiner Einstellung ein nicht kleines Aktienpaket schenkt. Natürlich mit dem Hintergedanken, dass der dann versuchen wird, dieses Geschenk zu mehren. Das ist natürlich auch im Interesse der Firma. Deren Bedeutung wird heute eben von einer breiten Öffentlichkeit – und der Wirtschaftspresse -  am Aktienkurs gemessen.

Ein schönes – oder unschönes – Beispiel ist Tesla. Da spielt der CEO, der ohne jedes Gehalt arbeitet, mit dem Aktienkurs auf moderne Art, indem er z.B. per Twitter persönlich Reaktionen der möglichen Aktienkäufer auslöst. - Er spielt mit ihnen – und mit der Öffentlichkeit.

Auch andere CEO’s spielen mit der Öffentlichkeit. Auch durch die Art ihrer öffentlichen Auftritte. Wichtig ist dabei, dass die Aktienkurse positiv beeinflusst werden. Da haben dann nicht nur die Aktienbesitzer etwas davon, sondern auch die CEO’s. - Wen interessieren da noch die Rückrufaktionen, die sehr oft – sozusagen – still über die Bühne gehen. - Wen interessieren schon die Einzelschicksale der Käufer?

Angeregt wurde ich zu dieser gedanklichen Anregung meiner Leser durch eine Lokalzeitung, die gerade heute berichtete, dass eine Regionalbank im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erzielte, weil sich allein das Aktiengeschäft um 62 Prozent verbessert hatte.

„Früher“ bekam man evtl. Aktien vererbt, die man dann weiter vererbte. „Heute“ wechselt man Aktienpakete evtl. schneller als sein Hemd! - Es geht um Gewinnmitnahmen. - Das sagt evtl. der Bankberater, der eigentlich kein Berater ist, weil er einen Teil seines Einkommens durch Provisionen aus dem Aktiengeschäft sicher stellen muss und rät darum zu einer Umschichtung.

Der Vorstand der lokalen Sparkasse, von der ich heute las, sieht das so:

„Wertpapiere spielen eine immer größere Rolle; dies ist auch richtig in diesen Zeiten.“

Darum muss man als Motor-Journalist heute auch diesen Aspekt im Auge haben, wenn man schon mal Entscheidungen von Vorständen eines Automobilherstellers beurteilt. Man könnte ganz platt sagen: Der macht Politik! - Für seine Firma – und nicht zuletzt für sich. - Und nutzt gerne die evtl. vorhandene Einseitigkeit im Denken seiner Gesprächspartner.

  • Ein CEO von heute denkt weniger an seine Kunden, mehr an seinen Vorteil bzw. den seiner Firma!

Das kann man – wenn man die Entwicklung der letzten Jahre beobachtet – zumindest unterstellen!

Das System hat sich verändert, ist an Geld und Statistikzahlen ausgerichtet!

MK/Wilhelm Hahne
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Bugatti-Speed regt an, auf und erinnert an Grenzen!

Stephan Winkelmann, eigentlich mal Audi-Manager, wurde – weil es im Konzern gerade mal so passte – bevor er zum Lamborghini-Chef „befördert“ wurde, der Chef von Bugatti und machte in Interviews dann  klar, wer denn eigentlich die Käufer von Bugatti-Automobilen sind. Nach seiner Aussage besitzt der durchschnittliche Bugatti-Käufer zwischen 30 und 40 Automobile. Damit sind sicherlich keine Firmen-Flotten, sondern Privat-Automobile gemeint. Natürlich hat der auch  mindestens noch einen Hubschrauber, eine Yacht, einen Privat-Düse und ein paar kleine Immobilien.

Ich erinnere mich noch an 1956, als ein Groß-Bauer am Niederrhein stolz war, neben seinem Traktor noch einen VW-Käfer in der Farbe Schwarz zu besitzen, mit dem er und seine Frau dann - allerdings nur sonntags! - zur Kirche fuhren. - Aber die Zeiten sind vorbei!

Der CEO von Bugatti sagte dem weltweiten Internetdienst „motor1.com“ im Jahre 2019:


„In meinen Augen ist es ein Fehler, ein Auto wie den Bugatti Chiron nur auf seine Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren. Denn wir sind der einzige Hersteller von Supersportwagen, der viele Dinge in einem Fahrzeug kombiniert. Normalerweise ist ein Hypercar sehr schnell und besonders im Design, aber es mangelt an Komfort. Ein Luxusauto ist das Gegenteil: komfortabel und ansprechend gestaltet, aber es fehlt die Performance. Der Chiron verbindet beide Welten miteinander. Für mich hat die Erlangung eines Weltrekords aktuell keine Priorität."

Ein tschechischer Millionär schien das im Jahre 2021 nicht zu wissen, als er nur so aus Spaß – und nach penibler Vorbereitung – mit einem Bugatti Chiron – der Komfort mit Performance verbindet, mal schnell über eine deutsche Autobahn huschte. Zu einer Zeit, bei der kein Verkehr auf der Autobahn herrschte. Er hat seine kleine morgendliche Ausfahrt – vor dem Frühstück! - nicht nur im Video für sich privat festgehalten, sondern auch andere – im Internet – daran teilhaben lassen.

Da sind dann so manche Betrachter ins Grübeln gekommen: Da war dieser Millionär doch tatsächlich mit einem straßenzugelassenen Luxus-Automobil mit echten 417 km/h über eine deutsche Autobahn gefahren! Weil das mit einem Bugatti möglich ist?

  • Müsste das nicht verboten werden?

Mit Bugatti hat sich Ferdinand Piech – Gott hab ihn selig – dann wohl doch ein Denkmal gesetzt, wie die öffentliche Reaktion auf diese „Rekordfahrt“ zeigt. Dieser Bugatti Chiron wird von einem Achtliter-16-Zylinder-Motor angetrieben, der1.500 PS entwickelt. Das ist sozusagen der Dinosaurier unter den Verbrennungsmotoren. Schon der theoretische CO2-Ausstoß übersteigt pro zwei Kilometer ein Kilogramm!
Aber mit einem Bugatti Chiron kann man auch Geld verbrennen. Nicht nur beim Kauf. So ein Automobil kostet … - also so um 3,5 Millionen sollte man schon ausgeben wollen. Natürlich kann man auch mehr dafür ausgeben, denn es gibt ihn natürlich  – jetzt, 112 Jahre nach der Gründung von Bugatti im elsässischen Molsheim – auch als „Individuallösung für höchste Produktpersonalisierung“, wie man bei Bugatti meint, der dann als „Bugatti Sur Mesure“ (steht für maßgeschneidert) ein paar Euro mehr kostet.

So ein Bugatti Chiron soll eigentlich – lt. technischen Daten – (abgeregelt!) 420 km/h schnell sein. Da bin ich dann schon enttäuscht, dass das Fahrzeug des tschechischen Millionärs nur 417 km/h erreichte. Aber die kleine Differenz muss wohl hingenommen werden.

Von anderen „kleinen Dingen“ wird bei Bugatti erst gar nicht gesprochen. Oder würden Sie, lieber Leser, als Bugatti-Käufer nach dem Ersatzteilpreis für Radmuttern fragen? - So ein Satz (= 20 Stück) kosten 1.000 Euro, da eine Spezialanfertigung. Wenn einem da beim Montieren mal eine weg rollt, dann ist das so, als wenn ein 50-Euro-Schein vom Wind verweht wird.

Ich möchte jetzt nicht vom Preis einer Felge sprechen, obwohl die in diesem Fall wohl auch den Verschleißteilen zuzurechnen sind, da ihre Laufzeit werksseitig auf 10.000 Kilometer begrenzt ist. Aber ich möchte schon die Reifenpreise andeuten. Michelin ist bei Bugatti „Hoflieferant“. Das Fahrzeug wird serienmäßig mit Reifen der Größe 285/35 R 20 vorne und 355/30 R 21 hinten ausgestattet. - Sie können für den Kaufpreis einen Mittelklassewagen in Zahlung geben. Die gibt es nämlich nicht bei Amazon!

  • Dort aber immerhin einen „Chiron“ als Spielzeugauto für Kinder (siku 1508) für 4,99 Euro!

Motor-KRITIK hatte schon vor lange Zeit mit einer Anfrage bei Michelin geklärt:

  • Der Hersteller empfiehlt in jedem Fall, die Reifen nach einer einzigen Fahrt mit Tempo 400 km/h durch einen neuen Satz zu ersetzen!

Eigentlich, wenn man nur ab und an schon mal mit 250 – 300 km/h dahin rollt, halten Felgen und Reifen rd. 10.000 Kilometer. - Maximal! - Immerhin wiegt so ein Bugatti Chiron auch rd. 2 Tonnen!

Man muss sich vorstellen, dass sich bei Höchstgeschwindigkeit die Räder über 50 Mal pro Sekunde drehen und dabei an der Lauffläche Kräfte auftreten, die etwas dem 4.000-fachen der Erdbeschleunigung entsprechen. So steigt z.B. das Gewicht des Reifenventils (18,3 g, ohne TPMS-Sensor) dann auf 55 Kilogramm an


Wenn man es sich einfach machen will, nimmt man den Sonderservice von Bugatti in Anspruch. Der Hersteller bietet für „normale“ Bugatti-Besitzer, die sicherlich bei ihrem Besitz von vielen Automobilen ihren „Chiron“ nur wenig fahren, ein jährliches Servicepaket für rd. 25.000 Euro an. - All inclusive!

Theoretisch könnte man als Besitzer eines Bugatti den Radwechsel sogar ohne weitere Ausbildung – anders als bei Hochvolt-E-Automobilen - selber vornehmen. - Aber das wäre nicht vornehm!

MK/Wilhelm Hahne
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