Eine Vertriebs-Vorstand:in steht nicht ihren Mann!

Der Titel soll der aktuellen Stimmung in unserer Gesellschaft entsprechen und auch schon deshalb nicht – wie auch andere folgende Fakten – als Provokation empfunden werden. Den Motor-KRITIK-Lesern sollen sie eine Ergänzung ihrer bisherigen Informationen sein, für die direkt Betroffenen – eine Dame, viele Herren – sollten sie nach Möglichkeit einen Denkanstoß bedeuten. - Es geht um Veränderungen – geplante, sinnige und unsinnige – die in der Organisation eines der wichtigen deutschen Automobilhersteller von Bedeutung sind, bzw. eine Bedeutung erlangen sollen: Wenn sie denn umgesetzt werden! Ich meine damit die Daimler AG, bzw. die Produkte der Mercedes-Benz AG, die u.a. nun getrennt nach Personen- und Lastkraftwagen einen immer größeren Anteil am Verkehrsgeschehen erhalten sollen. Das soll dann auch der Aktienentwicklung dienen, die von ihren „Großbesitzern“ – u.a. davon um 15 Prozent Chinesen – voller Vorfreude beobachtet werden. Leider verläuft dazu eine andere Entwicklung nicht parallel und ist damit – aus Motor-KRITIK-Sicht – ziemlich kontraproduktiv. Da sie den Vertrieb und deren Organisation betrifft, ist dafür – zumindest auf dem Papier – eine Dame im Vorstand verantwortlich. Die wird allerdings – zumindest von mir – als „Getriebene“ empfunden, die vom neuen Vorstandsvorsitzenden befeuert, zwar entsprechend reagiert, sich aber nicht der erforderlichen und wichtigen Diskussion mit ihren Vertragspartnern stellt. - So komme ich zu dem Titel:

Eine Vertriebs-Vorstand:in steht nicht ihren Mann!

Es ist zwar schon Jahrzehnte her, dass man bei der Daimler AG stolz darauf war, die Stückzahl von 500.000 produzierten Automobilen pro Jahr zu überschreiten. Im Jahre 2020 waren es mehr als 2,4 Millionen Automobile! - Eine stolze Zahl!

Die gewaltige Anzahl will aber nicht nur unters Volk gebracht, sondern es soll durch den Verkauf auch eine Rendite erwirtschaftet werden, die nicht nur die Aktionäre zufrieden stellt, obwohl deren Meinung unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden eine immer größere Bedeutung erlangt!

Das hat im Ansatz zu einer interessanten Entwicklung geführt, die zunächst im Mutterland des neuen Vorstandsvorsitzenden – Schweden – umgesetzt wurde: Der Direktverkauf. Und die deutsche Vertriebschefin, die dritte Frau im Vorstand des deutschen Automobilherstellers seit 2011 – war und ist von der Richtigkeit der Einführung dieses Systems voll überzeugt, genauso, wie sie schon für 2025 erwartet, dass dann in Schweden 25 Prozent des Personenwagenverkaufs übers Internet erfolgen werden.

Wenn man mit persönlicher Erfahrung im Automobilverkauf eine solche Vorhersage hört, muss man schon nachdenklich werden, obwohl es sich hier dann um klar weniger als 10.000 Automobile handelt. - Wie stellt sich die Dame das vor? - Spielt z.B. der Gebrauchtwageneintausch keine Rolle mehr?

Wenn dann danach das gleiche Direktverkaufssystem in Österreich eingeführt wird – jetzt für 2021 – dann muss man das sicherlich ebenfalls als einen Versuch werten, denn auch hier werden im Jahr nur zwischen 25- und 30.000 Automobile verkauft werden. Ein „Klacks“, wenn man diese Zahl in Relation zu den rd. 2,5 Millionen Fahrzeuge betrachtet, die man jährlich weltweit absetzen muss.

Selbst das jährliche „Geschäft“ mit den Mitarbeitern der eigenen Firma ist da deutlich größer, als in den genannten zwei europäischen Ländern zusammen.

  • Das Risiko ist also überschaubar und als ein Versuch zu werten, der nicht strafbar ist! - Aber auch sinnvoll?

Aber es wird auch deutlich, das es dem neuen Vorstandsvorsitzenden, Ola Källenius, der nun seit Mai 2019 in Stuttgart ins Ruder greift, wohl in erster Linie um eine Verbesserung der Rendite geht. Seine persönliche Erfahrung in Sachen Vertrieb muss als unzureichend empfunden werden, wenn man weiß, dass er zwar zwei Jahre als Vertriebsverantwortlicher im Bereich des Stuttgarter Herstellers verbracht hat, aber da eigentlich nur durch die Veräußerung von werkseigenen Niederlassungen aufgefallen ist, über deren Sinn man streiten kann. - Besonders, wenn man zukunftsorientiert denkt!

Jedenfalls scheint die Vorstandsdame Vertrieb nun unter seinen Rendite-Vorstellungen zu leiden, denen sie offenbar nichts entgegen zu setzen hat. Sie diskutiert aber auch nicht mit den ebenfalls jetzt und zukünftig Betroffenen im von Ola Källenius nach seiner persönlichen Planung insgesamt neu ausgerichteten Vertriebssystem in Deutschland.

Hier werden zunächst die gut 400 Betriebe betroffen sein, die im Moment als Vertragswerkstätten in der Mercedes-Organisation deklariert sind.

  • Im Moment können sie nur Klage führen, weil sie keine Vermittlerprovisionen beim Verkauf von Elektro-Automobilen erhalten!

Und die Vorstandsdame im Vertrieb weicht jeder Diskussion dazu aus. - Es gibt in Stuttgart keinen Gesprächstermin! - Das ist mehr als eine Schwäche, weil die aktuelle Maßnahme eigentlich nur der Anfang einer weiteren Schwächung des Gesamtvertriebs ist! - Wenn „Partner“ unterschiedlicher Meinung sind, ist es das eigentlich kein Problem! - Es wird erst dann zum Problem, wenn man nicht mehr miteinander spricht, „Schützengräben“ baut und einen „Krieg“ vorbereitet!

Der vom Vorstand in Stuttgart vorbereitete „Krieg“ bedeutet für die derzeit mehr als 400 Vertragspartner aktuell:

  • Sie erhalten keine Vermittlerprovisionen für E-Automobile! - Vorstandsargumentation: Weil diese neue „Baugruppe“ nicht Bestandteil der bestehenden Verträge ist!

Folgende bisher in Stuttgart angedachten „Maßnahmen“ sollen wie folgt umgesetzt werden:

1) Es werden neue den Vertragswerkstätten neue Verträge angeboten.
2) Dazu werden alle bisher bestehenden Verträge gekündigt.
3) Bei dieser Gelegenheit werden aber nicht alle bestehenden Verträge erneuert!
4) Das bestehende Netz der Vertragswerkstätten soll bei dieser Gelegenheit „ausgedünnt“ werden.
5) Die nun – ohne Provision! - wegfallenden Betriebe sollen Vertragshändlern zugeordnet (zur Übernahme verordnet!) werden.
6) Die sollen mit einem so größer werdenden Werkstattumsatz „gelockt werden“.

Insgesamt verspricht man sich im Daimler-Vorstand von einer solchen Aktion einen gleich bleibenden Umsatz im Automobilvertrieb bei kleiner werdenden Provisionszahlungen. - Also eine Verbesserung der eigenen Rendite

Wenn man um die Bedeutung der Vertragswerkstätten weiß, die den weitaus besseren Kontakt zur bisherigen Kundschaft haben als jeder Verkäufer, wenn man dazu noch um die gegenseitige Einschätzung und Zuordnung von Werkstatt- und Verkaufspersonal in der Realität weiß, der kann mit Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass die o.g. „Rechnung“ des Daimler-Vorstandes „ein Schuss in den Ofen ist“!

Die „Kriegshandlungen“ in der Daimler-/Mercedes-Organisation sind eröffnet! - Es wird keine Sieger, nur Verlierer geben! - Wie eigentlich in jedem Krieg!

Darum auch meine im Titel zu dieser Geschichte vorgenommene Wertung zum aktuellen Verhalten der Dame in der Position des Vertriebsvorstandes.

  • Sprechenden Menschen ist eigentlich immer zu helfen!
MK/Wilhelm Hahne
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