Warum nicht mal eine kleine „e-tüde“ schreiben?

Als ich über E-Automobile, E-Roller, E-Bikes, E-Tretroller und deren Vor- und Nachteile nachdachte, fiel mir auf, dass kaum etwas zu diesem Thema zu Ende gedacht wird. Beim Schreiben. Eigentlich enden alle Informationen zu diesem Thema irgendwie versöhnlich. Es wird schon! Man bleibt bemüht! Alles wird gut! - Alles was man mit einem „E“ versehen kann, scheint Zukunft zu haben. Als Journalist bin ich natürlich kein Zukunftsforscher, aber ich dachte mir, dass für Leser die Beschreibung der Gegenwart auch interessant sein könnte. Damit ich einer solchen Schilderung von Ereignissen einen Touch geben kann, habe ich mal das französische „étüde“ (= Studie) für den Titel zweckentfremdet. - Oder doch nicht? - Schließlich ist das was folgt schon ein Instrumentalwerk für einen Solo-Computer, das mir beim „Spielen“ zu größerer Fertigkeit verhelfen soll. - Etüden gibt es für Instrumente aller Gattungen. Warum sollten da in unserem digitalen Zeitalter nicht „e-tüden“ möglich sein, „Fingerübungen“ für Journalisten, der sie am Computer „compu-niert“? - Sinnfreies Tun? - Nein, ich möchte die vielen positiven Darstellungen meiner Kollegen zum Thema E-Mobilität nur Abrunden.

Warum nicht mal eine kleine „e-tüde“ schreiben?

Weil man im Leben niemals auslernt, außerdem „mit der Zeit gehen“ sollte, beschäftige ich mich schon seit Jahrzehnten auch mit dem Thema E-Mobilität. Bisher hat mich da kaum etwas so richtig überzeugen können. Weil das Konzept einfach nicht stimmig ist, kann man z.B. das E-Automobil – trotz staatlicher Unterstützung – dem möglichen Nutzer nicht so recht nahe bringen.

Wenn das Konzept stimmt, nicht obwohl, sondern weil ein „E“ davor steht, wie beim E-Bike (also E-Fahrrad), dann wird es auch ein Verkaufserfolg. Jeder E-Bike-Besitzer ist praktisch als Werber für diese angenehme Art der Fortbewegung unterwegs. Obwohl E-Bikes nicht gerade billig sind! - Aber der Preis bewegt sich in einem Rahmen, der für Viele durchaus erschwinglich ist. - Aber doch schon Luxus bedeutet, den Besitzer eines solchen Rades aus der Masse der Radfahrer heraus hebt!

Damit verglichen ist das Konzept, mit dem heute moderne E-Automobile daherkommen, nicht gerade überzeugend. Da schrecken nicht nur die Preise ab! - Obwohl die „Insider“, die die Kalkulationen für diese Fahrzeuge kennen, oft – natürlich still – den Kopf schütteln.

  • Bei einigen E-Automobilen tun deren Hersteller derzeit Geld dazu!

Da muss man dann nicht mit dem Finger auf Tesla zeigen. Dass dieser immer wieder gern zitierte „Pionier“ des E-Automobils bis heute damit keine Geld verdient hat, stört bis heute niemand, wird schließlich nur dann jene stören, die dem Chef dieser Firma, einen hervorragenden Marketingmann, vertrauten, indem sie ihm Kapital zur Verfügung gestellt haben. - Und immer noch stellen!

Ende gut, alles gut? - Wohl kaum! - Wenn man 1 + 1 zusammen zählt. - Aber wer ist schon davon betroffen? - Eine Minderheit! - Eine bestimmte Käuferschicht, die der Wohlhabenen, schmückt sich geradezu mit diesem Automobil, mit dem man nachweisen kann, dass man sich an dem Kampf gegen den Klimawandel beteiligt!

Mercedes hat gerade für eine solche Klientel einen E-SUV vorgestellt. Weil viele Interessenten exakt jene Fahrzeugart bevorzugen, die sie – sozusagen – von anderen Fahrzeugbesitzern ab-, heraus hebt. Die schon beim Einsteigen zu Aufsteigern werden. Und die der Preis nicht schreckt!

Auch hier – das ist meine Schätzung – arbeitet Mercedes nicht kostendeckend, was bei den voraussehbaren geringen Verkäufen – in Relation zu den „anderen Millionen“ gefertigten Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor keine Rolle zu spielen scheint. - The Show must go on! - Man muss auch auf „Friday for Future“ Rücksicht nehmen, auf die allgemeine Stimmung insgesamt. Die ist z.T. ein wenig realitätsfremd, aber insgesammt „eine Welle“ auf der man mitschwimmen möchte.

Mit einem SUV, mit Abmessungen, die eine Verkehrsfläche einnehmen, die man zum Transport von überwiegend ein bis zwei Personen eigentlich nicht benötigt. Ein Fahrzeug mit einem Eigengewicht von 2,6 Tonnen, die beschleunigt werden wollen, das dazu zwei E-Motoren nutzt, die, weil an Vorder- und Hinterachse verbaut, dieses Automobil zu einem Allradler machen. - Den man aber selbst auf normalen, ein wenig ausgefahrenen Feldwegen nicht nutzen kann, weil die Bodenfreiheit nur 97 Millimeter beträgt.

Man betont die tolle Beschleunigung dieses Fahrzeugs. Wer spricht von der Querdynamik? - Aber der Käufer eines solchen Fahrzeugs möchte doch nur eine „satte Straßenlage“ und wird darum auf den tief liegenden Schwerpunkt hingewiesen.

Ich wundere mich darüber, dass so wenig über die Technik dieser E-Automobile gesagt wird. So wie es Verbrennungsmotoren mit einer und zwei obenliegenden Nockenwellen gibt, Kurz- und Langhuber, Zwei- und Vierventiler, so gibt es auch bei E-Motoren im Aufbau deutliche Unterschiede. Aber alle tun so, als gäbe es nur eine Art von E-Motor. Ich habe noch keinen Besitzer eines E-Automobils getroffen, der sich für die „Innereien“ des in seinem Fahrzeug verbauten E-Motors interessiert hätte. All‘ diesen Käufern scheint zu genügen, mit einem E-Automobil den Kampf gegen den Klimawandel für alle wahrnehmbar aufgenommen zu haben.

Da dürfen dann auch die Hersteller nicht abseits stehen. Sie müssen auch plakativ verdeutlichen, dass man die Zeichen der Zeit erkannt hat. Mercedes stellt so z.B. auf der IAA jetzt im September auch noch sein neues Formel E-Team vor. Die Formel E ist eigentlich eine Formel M (=Marketing). Sie ist ein Zeichen dafür, dass unsere Gesellschaft solche „Zeitzeichen“ braucht, um sich ein wenig damit zu beruhigen. - „Man“ tut etwas!

Selber fährt man hubraumgroße Verbrenner in der „Modeerscheinung“ SUV und leert den Aschenbecher – oder entfernt sonstigen Müll – gerne in Autobahnausfahrten.

Gerade im Motorsport kommt man aktuell zu den unsinnigsten Lösungen. Eine davon ist die Moto-E, wo man mit 260-Kilogramm-Ungetümen und 160 PS Rennen über Distanzen zurücklegt, die ich morgens – hier in der Eifel – zum Brötchenholen hin und zurück evtl. sogar überbiete.

Am letzten Sonntag habe ich mir die Fernsehübertragung des Moto-E-Rennens aus dem österreichischen Spielberg nicht angetan, weil… - natürlich weil ich so den Strom für das Einschalten des Fernsehers sparen konnte. Denn ich bin nicht sicher, ob ich hier „grünen Strom“ erhalte. - Sie finden das eine blödsinnige Erklärung? - Ich auch! - Aber ähnlich dämliche Erklärungen in anderen Situationen werden als gut und zeitgemäß akzeptiert!

In Spielberg ist auch eine Ladestation explodiert, abgebrannt und ein E-Motorrad zerstört worden. Dabei wurde in diesem Fall nur Strom für ein Rennen von 21,59 Kilometer benötigt, der übrigens von mit Diesel betriebenen Generatoren kommt. Die hat man aber mit Solar-Panel-Attrappen „geschönt“, weil die nicht angeschlossen waren. - Aber auf Fotos „kommt das gut“!

In der Praxis war am Freitag vor dem Rennen mal wieder – dieses Mal - ein kleines Feuer ausgebrochen, als diese eine Ladestation explodierte, deren Trümmer ziemlich weit flogen. Das war in diesem Fall nicht so schlimm, da man die Ladestationen auf die berechtigten Einwände der anderen Fahrerlagernutzer in Spielberg weiter von denen entfernt – als z.B. am Sachsenring – aufgebaut hatte.

Wissenschaftler betonen inzwischen, dass Fahrzeuge mit Verbrenner häufiger brennen als Fahrzeuge mit E-Motoren. - Nun gibt es auch mehr Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren.

Drei Kilometer von meinem Wohnort entfernt brannte vor Monaten mal eine Garage – fast – ab, weil dort ein E-Quad abgestellt und geladen wurde. Unsere Dorf-Feuerwehr konnte ein Übergreifen des Feuers verhindern.

Das liegt sicherlich auch daran, dass unsere Stromnetze nicht für die „Fütterung“ von E-Fahrzeugen ausgelegt sind. Batterien werden beim Laden nicht aus Spaß gekühlt, es gibt sogar inzwischen regelrechte Thermomanagement-Systeme, die kühlen und häufig auch heizen können, um die Batterien im richtigen „Temperatur-Fenster“ zu halten.

  • Ab 130 Grad wird‘s nach oben hin brand-kritisch und nach unten hinten leidet die Batterie-Kapazität.

Im letzten Winter habe ich mich mal über die Situation in einem städtischen Autobus-Betrieb informiert, von dem ich hörte, dass er gerade drei neue E-Busse für den Einsatz im innerstädtischen Verkehr bestellt habe. Dort hörte ich, dass man davon ausgehen würde, dass diese neuen Busse nun über geeignetere Batterien verfügen als der alte E-Bus, dessen Batterien bei winterlichen Temperaturen dessen Reichweite auf maximal 100 Kilometer beschränkte.

Die Batterien sind heute noch der eigentliche „Knackpunkt“ bei E-Automobilen. Ich habe über den fünf Jahre alten E-Smart geschrieben, der nun eine neue Batterie brauchte, die 8.000 Euro kosten sollte.

Ich kann das noch ergänzen, weil ich auf eine Stadtverwaltung gestoßen bin, die – auch weil sie eine Vorbildfunktion zu haben glaubte – vor fünf Jahren einen E-Kleinwagen in den Fuhrpark einstellte. Nun, jetzt in diesem Jahr, war die Batterie kaputt, wie das das gemeinhin ausdrückt. Kostenpunkt: 12.000 Euro! - Die Stadtverwaltung hat den Preis – bei einem kleinen „Kulanz-Nachlass“ - geschluckt. - Geld der Steuerzahler!

Weil ich wissen wollte, wie nun die alte Batterie entsorgt wird, habe ich mit dem Händler gesprochen, der mir sagte, dass er „das Ding bis heute noch nicht los ist“, weil offenbar auch beim Fahrzeughersteller die „Batterie-Entsorgungsfrage“ bis heute (!) ungeklärt ist.

Um meine „e-tüde“ mit einer aktuellen Recherche zum Thema „E-Tretroller“ abzurunden:

Wie dieses Thema derzeit behandelt wird, erinnert mich an die Zeit, als der „Hula Hoop-Reifen“ große Wellen bei uns – damals – Jugendlichen schlug. Heute spielt er eigentlich keine Rolle mehr. Für einige wenige zum Bauchtraining. - Aber wer spricht noch darüber? - Damals war es ein tolles Sportgerät, das jeder haben musste!

Heute ist der E-Tretroller eine „neue Form der Mobilität“, über die viel berichtet wird. Inzwischen gibt es in großen Städten sogar „rote Zonen“ für solche „Elektro-Kleinstfahrzeuge“. Man darf sie lt. Elektrokleinstfahrzeugverordnung, seit dem 15. Juni in Kraft, nur auf Radwegen oder auf Straßen nutzen. Eine Regelung für Stellplätze gibt es nicht. Auch keine Helmpflicht. Die Nachfrage boomt, sagen die Anbieter; und überall wird diese neue Art der Fortbewegung propagiert.

Mich hat interessiert was mit diesen neuen Spielzeugen für Erwachsene eigentlich passiert, wenn sie dann irgendwo stehen gelassen, abgestellt wurden. - Nun, sie werden dann am Abend vom Verleiher wieder eingesammelt. Mit einem nicht kleinen Lkw, der natürlich meist von einem Dieselmotor befeuert wird. Der legt nun viele Kilometer in der Stadt zurück, um sie in die Zentrale zu bringen, wo die Batterien wieder aufgeladen werden. - Und morgens fährt der Lkw sie wieder an die vorgesehenen Stellplätze, wo sie dann ausgeliehen werden können. - E-Future gegen Diesel-Realität?

Ich kenne den Fahrer eine E-Automobils, der im Fahrzeug einen richtigen Tretroller – ohne „E“ - liegen hat und damit abends z.B. nach Hause fährt, nachdem er sein Fahrzeug an einer E-Ladestation (kostenfrei) geparkt hat. - Das macht nicht nur für ihn Sinn!

So weit meine aktuelle „e-tüde“. - Nehmen Sie sie als die kleine Fingerübung eines Journalisten, der seine Leser nur dazu anregen möchte, gut nachzudenken, bevor man seine Kaufentscheidung in Richtung „E“ trifft.

Damit Sie meine persönliche Meinung bei dieser Gelegenheit auch kennen lernen:

  • Ich glaube nicht an die Zukunft des E-Automobils als Massenverkehrsmittel!
MK/Wilhelm Hahne
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