Erinnerungen & Gedanken um Berlin im September 2022

Ein Leser hat mich an Berlin erinnert. Und an das, was ich davon weiß. - Zu wenig! - Meine Tochter hat mal für wenige Jahre dort gelebt. Grund genug, ab und an mal nach Berlin zu fliegen. Natürlich wäre ich lieber gefahren, aber ich hatte keine Lust durch „die Zone“ zu müssen. Auch der DDR-Grenzkontrollen wegen! Ich habe auch schon mal für bestimmte Aufträge für einen Tag oder ein Wochenende in Berlin gearbeitet, war aber niemals mehr als drei Tage in Berlin und war dann zeitlich ziemlich ausgeplant. - Zufällig kam es jetzt zu einem e-Mail-Austausch mit einem Leser, der mich – auch zufällig - an einen Rundenrekord eines meiner Brüder erinnerte, den der – angeblich – auf der Avus immer noch hält. - So wurde mein Interesse an der derzeitigen Situation der Avus wieder geweckt. Mein Leser hat mir dazu Fotos – aber auch noch andere Informationen geschickt – die ich in dieser Form nicht erwartet hatte. - So kommt es dann zu dieser Geschichte mit einemTitel, mit der ich mein Wissen mit allen Lesern teilen möchte:

Erinnerungen & Gedanken um Berlin im September 2022

Irgendwann war ich aber dann doch mit einem Lamborghini „Espada“ von Berlin „durch die Zone“ in den Westen unterwegs, als ich von dort das Fahrzeug zu einer Inspektion abgeholt habe. (Zusammen mit meinem Bruder Hubert war ich mit einer gemeinsamen Firma mal der erste Lamborghini-Importeur in Deutschland) – Ich erfüllte mit der persönlichen Überführung den Wunsch eines Kunden.

Ich war schon überrascht, dass ich an der Zonengrenze vorbei an einer langen Schlange wartender Automobile, direkt bis zur Kontrollstelle nach vorne gewunken wurde. - Auflösung: Die DDR-Grenzposten wollten sich von mir den Lamborghini im Detail erklären lassen. So kam ich praktisch in den Genuss einer Vorzugsbehandlung! - Auch das habe ich erlebt!

Erinnerungen an Berlin habe ich auch als Journalist. Da hatte ich die Idee zu einer Geschichte, mit der ich die Situation der Motorradfahrer im westlichen Teil der – damals – geteilten Stadt darstellen wollte. Bei der „Quick“ (Erste deutsche Illustrierte nach dem 2. Weltkrieg!) fand man diese Idee gut. So bin ich dann für ein Wochenende zusammen mit einem sehr guten Kölner Fotografen in Berlin eingeschwebt.

Aus dem Flugzeug war gut auszumachen, wann wir – in Düsseldorf abgeflogen – die Zonengrenze überflogen hatten. Waren vorher die Felder sozusagen kleine und bunte Quadrate, so waren in „der Zone“ nur große Flächen auszumachen. - Beeindruckend!

Natürlich hatte ich meinen Berlin-Besuch gut vorbereitet. So haben wir die unterschiedlichsten Motorrad-Treffpunkte besucht. Wir waren nicht nur am Kurfürstendamm in einem „Motorradfahrer-Lokal“, sondern z.B. auch am Ende der Avus bei einem sonntäglichen Treffen und ich glaubte eine runde Geschichte in Bild und Text der „Quick“ liefern zu können.

Das habe ich dann auch gemacht und erhielt kurz danach einen Anruf aus der Münchner Redaktion: Bilder und Text wären zwar gelungen, aber das Layout brauche noch ein Aufmacher-Foto, einen „Eye-Catcher. - Kein Problem! - Das habe ich gesagt und auch gedacht.

Bis ich den „Wunsch“ aus München hörte:

  • Man erwartete ein Foto, das eine Gruppe drohend daher kommender Motorradfahrer zeigen würde. Die „Motorrad-Rocker“ sollten auch von der Art ihrer Kleidung her schon drohend wirken. 

Ein solches Foto hätte meinen durch einen Besuch gewonnenen Eindruck von der Motorradfahrer-Szene in Berlin deutlich verzerrt. Die waren halt keine „Großstadt-Gorillas“ – oder was man sich so im Layout der „Quick“ in München vorstellte. - Ich habe es abgelehnt, ein solches Foto zu liefern.

Großes Erstauen! - Ein freier Journalist hatte „zu funktionieren“! - Nein? -Da wurde dann bei der „Quick“ meine Geschichte „gecancelt“. - Das „Layout“ bestand auf einem solchen Foto! - So ist unsere intensiv und mit großem Zeitaufwand erarbeitete Berliner Motorrad-Geschichte niemals erschienen!

Wenn ich sonst mal in Berlin war, dann war das z.B., um eine Geschichte zu einem Eisspeedway-Rennen im Wilmesdorfer Stadion für die österreichische „Auto-Revue“ zu machen. Da gab es keine Zeit für Stadtbesichtigungen. - Ich habe meine Arbeit immer ernst genommen!

  • 2021 hat es wegen Sanierungsarbeiten am 1975 erbauten Wilmensdorfer Stadion übrigens kein Eisspeedway in Berlin gegeben. Und es wird auch 2022 keine solche Veranstaltung geben!

Wenn ich meine Tochter besuchte, dann besuchten wir zusammen z.B. das KaDeWe (mit 60.000 qm Fläche eines der größten Warenhäuser Europas), fuhren hinauf in den obersten Stock, wo man sich an Spezialitäten laben konnte. Ich erinnere mich auch, an jedem Tag in einem anderen Restaurant gegessen zu haben, das von jeweils einem Besitzer mit anderen Nationalität geführt wurde.

Natürlich kenne ich den Kurfürstendamm, die Gedächtniskirche, war – z.B. für meine „Motorrad-Geschichte“ in den unterschiedlichsten Stadtteilen unterwegs. Wir haben eine Harley-Werkstatt in Kreuzberg fotografiert, haben Fotos mit Motorradfahrern vor einem bunt bemalten Stück der „Berliner Mauer“ gemacht, die die Stadt trennte. Ich habe Berlin bei Sonne und Regen erlebt. - Im Regen fand ich Berlin eigentlich schrecklich. - Warum? - Alles war dann nach meinem Eindruck  grau in grau.

Jetzt wurde ich aktuell wieder an Berlin erinnert, weil mir ein Leser ein paar Fotos von einem Spaziergang an der Avus schickte. Dazu hatte ich dann ein paar Fragen. Und es kam zu einem Gedankenaustausch, bei dem ich über das aktuelle Berlin – die Bundeshauptstadt (!) - mehr erfuhr, als ich hier in der Eifel in meiner Lokalzeitung lesen kann.

Damit meine Leser auch etwas davon haben, möchte ich hier auch die Fotos einfügen, die ich besonders eindrucksvoll gefunden habe, weil sie Stücke einer Großstadt zeigen, die als Beispiel für eine verfehlte Politik – gleich welcher Art – dienen könnten.

Mein Leser hatte einen sonntäglichen Spaziergang an einem Stück Avus unternommen und schrieb mir u.a.:

...“die FIA Zäune sind auch noch auf beiden Seiten ausgangs der Nordkurve“…

Immerhin! - Da kann doch da gar nichts mehr passieren! - Aber es passiert auch nichts!

So habe ich die Avus von meinen Besuchen in Berlin nicht in Erinnerung. Ich war am anderen Ende der Strecke, dort wo dann auch jeweils das sonntägliche Treffen der Motorradfahrer stattfand. Das Plakat zeigt, dass hier mal große Rennen ausgetragen wurden. 1959 fand sogar der vom AvD organisierte „Große Preis von Deutschland“ nicht auf der Nürburgring-Nordschleife, sondern auf der Berliner Avus statt. Die Strecke galt als gefährlich, aber die Durchführung des Rennens wurde vom AvD wohl als so eine Art Solidaritätsveranstaltung angesehen. - Man erhoffte sich aber auch wohl mehr Zuschauer als am Nürburgring!

Das Rennen wurde in zwei Teilen á 30 Runden ausgetragen, die Ergebnisse wurden addiert. Die Addition ergab: Drei Ferrari waren die Ersten. Tony Brooks siegte vor Dan Gurney und Phil Hill.

1967 war die Steilkurve – aus Sicherheitsgründen – abgerissen worden, eine neue „Nordkurve“ war entstanden, die dann aber später auch nicht mehr gefahren wurde.

Die letzte genutzte Streckenvariante betrug so exakt 8,109 Kilometer und wurde zwischen 1968 und 1988 als Avus-Rennstrecke genutzt. In diesem letzten Jahr, in dem auf der Avus Automobilrennen ausgetragen wurden, wurde war am 29. Mai 1988 dort die DTM unterwegs. Damals siegte Jonny Cecotto auf einem AMG-Mercedes, mein Bruder Armin Hahne belegte mit einem Ford Sierra RS 500 Cosworth Platz zwei, fuhr aber mit einer Zeit von 2:26,270 die schnellste Runde. Das war gleichzeitig Rundenrekord, der offenbar auch noch im Jahre 2022 besteht, weil seit 1989 keine Rennen mehr in Berlin auf der Avus und dieser Streckenvariante gefahren wurden.

Heute wird in Berlin große Politik gemacht. - Die Avus wurde aktuell - 2022 - in Presse und Fernsehen nur noch erwähnt, weil man sie für den Verkehr sperren musste, nachdem ein Munitionslager in der Nähe aus ungeklärter Ursache in Brand geraten war. - Bei ihrem Bau – 1921 – war es die einzige Straße auf der Welt, auf der nur Automobile fahren durften!

Berlin hat aktuell nicht nur keine Rennstrecke mehr, sondern z.B. auch kein Kongresszentrum. Zumindest keins, das genutzt wird. Niemand möchte es – aus Kostengründen! - betreiben. Da steht nun das für rd. 1 Milliarde Euro erbaute ICC (Internationale Congress Centrum) quasi als Bauruine;  ein „politisches Baudenkmal“, das zuletzt 2014 von Daimler zur Durchführung einer Hauptversammlung genutzt wurde. Weil den Politikern sonst nichts einfiel, hat man es 2019 dann unter Denkmalschutz gestellt. - Nichts geht mehr! Und nun gammelt es still vor sich hin!

Auch asbestverseucht, war das ICC bei Baubeginn – 1975 – das teuerste Bauvorhaben der Nachkriegszeit. Bauherr: Senat von Berlin! - Da passt dann das aktuell – jetzt in 2022 - fotografierte Plakat!

 

Es gibt in Verbindung mit diesem ICC auch ein großes Parkhaus, das nun leer steht. Berlin hat eben nicht nur die Avus, sondern auch andere Problemstellen und „Baudenkmäler“!. Dafür noch ein anderes Bildbeispiel:

 

Auch das kommt von meinem Berliner Leser, der durch seinen Sonntagsspaziergang Erinnerungen an Berlin in mir weckte und meinem Bruder Armin das Wissen um einen von ihm heraus gefahrenen Rundenrekord bescherte. - Mein Bruder hat sich gefreut! - Danke, nach Berlin!

Ich freue mich auch:

  • Einer meiner Brüder war der Erste, der die Nürburgring-Nordschleife - vor 56 Jahren - mit einem BMW-Renntourenwagen in unter 10 min durcheilte.
  • Ein anderer ist der Letzte, der - vor 34 Jahren - auf der Berliner Avus einen Rundenrekord mit einem Ford-Renntourenwagen aufstellte, der bis heute besteht und Ewigkeitscharakter hat.
MK/Wilhelm Hahne
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