Nürburgring: Preispoker entbrannt?

Nachdem ein angebliches 100 Millionen-Angebot – unverbindlich natürlich - des ADAC in den Medien vermeldet worden war, stand hier in Motor-KRITIK zu lesen, warum man eine solche Meldung mit dieser Summe eigentlich als Scherz empfinden muss. Vernünftig argumentiert. Dazu gehörte es auch, dass man den ADAC einmal realistisch darstellte. - Was einigen Lesern wohl neu war, denn ich erhielt erstaunte Anfragen. So habe ich dieser ADAC-Geschichte 24 Stunden später dann noch ein Original-Organigramm angehängt, damit meine Anmerkungen in der Geschichte auch mit Fakten (Quelle: ADAC) unterfüttert waren. Nun gibt es neue Informationen in den Medien. Die, die vorher ein 100 Millionen-Angebot des ADAC vermeldet hatten, sprechen jetzt von weniger als 77 Millionen. - Vorsichtig. - Und zitieren Geschäftsleitungsmitglieder des ADAC mit unverbindlichen Aussagen. Jetzt dreht sich die Darstellung „ zur Sache“ also in Richtung Motor-KRITIK-Info. - Aber man versucht nun die zweite Runde der Verkaufsphase des insolventen Nürburgrings unter das Motto „Preispoker“ zu stellen, und dem – geringeren als vorher vermeldeten – Angebot eine neue Dimension zu geben, indem man feststellt, was ich hier – auch begründet - mit einem Fragezeichen vesehen möchte:

Nürburgring: Preispoker entbrannt?

So hätten es die Insolvenzverwalter gern. Leider ist die Realität eine andere. Wobei es natürlich Interessenten gibt, die sich noch dazu entscheiden werden, irgendwann als Bieter einzusteigen. Immer noch. (Motor-KRITIK hat gerade wieder eine entsprechende Anfrage erhalten.) Tatsächlich ist man aber weit davon entfernt, von einem beginnenden Preispoker sprechen zu können.

Wenn man das macht, kann es sich nur um eine PR-Maßnahme handeln, die keinen realistischen Hintergrund hat.

Während man also anderswo versucht, „cool“ wirkende „heiße Luft“ zu versprühen, gibt es tatsächlich ernsthafte Angebote, deren Inhalt erst nach mehrfachem Lesen und Überlegen deutlich macht, wie ernst es wirklich um den Nürburgring bestellt ist und wie ernst die Situation ist, die die Insolvenz-Sachwalter nun versuchen ins beste Licht zu drehen.

Da ist in diesen November-Tagen der KPMG in Frankfurt, Herrn Bischoff, ein Angebot zugegangen, das auf den aktuellen Zustand des Nürburgrings – und die Bedeutung von Details – mit klaren und unterschiedlichen – natürlich unverbindlichen! - Angeboten und einer Reihe von unterschiedlichen Versionen eingeht.

Als überraschter Leser ist man zunächst davon überzeugt, dass sich hier jemand lustig machen will, bis man begreift, dass hier jemand die Art und den Zustand der Neuzugänge unter der Bezeichnung „Nürburgring 2009“ ernsthaft zu bewerten sucht und dabei „die Ecken und Kanten“ verdeutlicht, die inzwischen das Objekt für jeden normal empfindenden Interessenten einfach uninteressant werden lassen. - Wenn man sie kennt!

Hier folgt der Auszug aus dem Angebot, dass der KPMG – Herrn Bischoff – tatsächlich seit Tagen vorliegt. Weil daraus „die interessierten Kreise“ bisher nicht öffentlich informiert werden, weil diese Art ernüchternd wirken würde (obwohl man auch gut darüber lachen kann), wird es nachfolgend nun einmal hier von Motor-KRITIK in einem aussagekräftigen Ausschnitt einkopiert.

Bitte überlesen Sie nicht den ernsten Hintergrund dieser – im ersten Moment – lächerlichen wirkenden Angebote. Und bitte vergessen Sie nicht, dass wir uns noch nicht in der Endphase, sondern in einer Phase der „unverbindlichen Angebote“ befinden, die eigentlich nur einen Einblick in die reale Zahlenwelt der insolventen Nürburgring GmbH und ihrer „Töchter“ möglich werden lassen sollen. - Das Ganze ist ein Stück Real-Satire.

Herr Bischoff von der KPMG - und mit ihm die Insolvenz-Sachwalter - können in dem erwähnten „unverbindlichen Angebot“ u.a. lesen:

„Hier also meine Angebote, garantiert unverbindlicher als jede Wahlkampfrede:

1. Unverbindliches Angebot:
100.000.000,00 Euro brutto für das Gesamtpaket
Einschränkungen: Keine

2. Unverbindliches Angebot:
200.000.000,00 Euro brutto für das Gesamtpaket
Enschränkungen: Ich übernehme keine Mitarbeiter und stelle auch keine aus der Region ein (nur rumänische Saisonkräfte)

3. Unverbindliches Angebot:
300.000.000,00 Euro brutto für das Gesamtpaket
Einschränkungen: Sie übergeben die Kaufsache bis 31.12.2013 mit sämtlichen Schlüsseln und ohne Mängel

4. Unverbindliches Angebot:
500.000.000,00 Euro brutto für das Gesamtpaket
Einschränkungen: Ich übernehme keine Mitarbeiter und ich lasse auch niemanden auf mein Gelände

5. Unverbindliches Angebot:
Einen PKW "Trabant" (2 reparierte Unfallschäden, viel Rost, fahrbereit, aber ohne TÜV) für den Coaster
Einschränkungen: Sie, Kurt Beck, Boris Becker, Walter Kafitz, Jens Lieser und Thomas Schmidt fahren im Februar 200 Runden Coaster nonstop.
Danach verhandeln wir weiter.

6. Unverbindliches Angebot:
Eine "Ring Card" (Restguthaben unbekannt) für den Boulevard incl. aller Fähnchen
Einschränkungen: Ich darf lebenslang Samstags von 14:00 - 18:00 Uhr auf der Videowand Horror- und 3D - Pornofilme (FSK 18) schauen.

7. Unverbindliches Angebot:
Das Buch "Nieten in Nadelstreifen" für die Grüne Hölle
Einschränkungen: Buch nur leihweise für drei Monate

8. Unverbindliches Angebot:
Ein Los der "Glücksspirale" für das Ringwerk
Einschränkungen: Sie veröffentlichen vorher, wieviele Jahreskarten für das Ringwerk in 2014 verkauft wurden.

9. Unverbindliches Angebot:
Eine Bettpfanne und 2 Rollen Toilettenpapier (dreilagig) für die Arena
Einschränkungen: Sie zeigen mir vorher mal ein Foto von der Arena. Mit voll besetzten Sitzreihen.

10. Unverbindliches Angebot:
Video DVD "Kart Vader " http://tinyurl.com/k6x3oc3 für die Kartbahn
Einschränkungen: Sie sehen sich den Film vorher mal an um zu sehen, was ein Kart eigentlich ist und was nicht.“

Auch ich habe gelacht, als ich das zum ersten Male gelesen habe. Aber dann habe ich begriffen, dass es hier einen ernsten Hintergrund gibt. - Aus dieser Darstellung ergibt sich, wieviel Ecken und Kanten das Projekt Nürburgring wirklich hat. Und es gibt noch mehr (Verkaufs-)Behinderungen.

Das Projekt ist nicht „barrierefrei“.

Da kann es dann auch keinen Preispoker geben!

Aber sicherlich noch viel Arbeit, die derzeitige Situation der insolventen Landesgesellschaften realistisch darzustellen.

MK/Wilhelm Hahne

 

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