Der Nürburgring auf 380 Seiten?

Jules Verne träumte in seinem Buch davon, dass die Erde in 80 Tagen umrundet werden könnte. Das ist lange her. Heute geht das schneller. - Dass der Nürburgring als Rennstrecke einmal vor vielen Jahren unter sieben Minuten umrundet wurde, ist bekannt. Heute schafft das niemand mehr. Es hat sich einiges geändert. - 2010 habe ich die Vorgeschichte zum Nürburgring-Skandal in einem Buch mit um 600 Seiten beschrieben. Eine Fortsetzung dieser „unendlichen Geschichte“ würde noch mehr Seiten erfordern. - Aktuell verkünden aber die Insolvenz-Sachwalter, dass sie allen Bietern für den Nürburgring alle wichtigen Informationen auf 380 Seiten zur Verfügung gestellt haben. - Geht das?

Der Nürburgring auf 380 Seiten?

Dass die Insolvenz-Sachwalter das so dargestellt haben, ist einer Darstellung des SWR vom 28. November 2013 zu entnehmen, wo die Herrn Insolvenz-Sachwalter Schmidt und Lieser so zitiert werden:

„Jedem Bieter mit einem unverbindlichen Angebot seien zuvor rund 380 Seiten Informationen übermittelt worden.“

Leider kennt man bei Motor-KRITIK keinen Bieter, der 380 Seiten erhalten hätte. Dabei gibt es durchaus Kontakt zu Bietern, die sich lt. KPMG-Ausschreibung auch hüten müssen, z.B. zu Nürburgring-Mitarbeitern oder Lieferanten des Nürburgrings Kontakte zu haben. - Das ist verboten.

Wahrscheinlich ist auch der ADAC mit seinem Angebot deswegen ausgegrenzt worden, weil er als Veranstalter aktueller Rennen praktisch ständig Kontakte zu Nürburgring-Mitarbeitern und der Betreiberfirma unterhält.

Der ADAC Gau Mittelrhein in Koblenz gehört sogar zu den Käufern des Anteils von 41 Prozent, das ursprünglich mal der Nürburgring GmbH gehörte. Doch die ging in die Insolvenz. Und man fragt sich: Warum wurde dieser 840.000 Euro-Anteil nicht mit ausgeschrieben, sondern „unter der Hand“ verkauft?

Denn beim SWR ist auch zu lesen, was die Herrn Insolvenz-Sachwalter auch verlautbarten:

„Das Bieterverfahren richte sich strikt nach den Vorgaben der EU-Kommission und werde daher 'europaweit, transparent und bedingungslos' durchgeführt.“

Transparent - ist insofern richtig, als sich Motor-KRITIK bemüht, die interessierte Öffentlichkeit über die Schachzüge der Insolvenz-Sachwalter zu informieren. Der Lautsprecher der Insolvenz-Sachwalter ist nicht nur gegenüber Motor-KRITIK inzwischen verstummt, sondern auch für andere Journalisten unhörbar geworden, die sich nicht vor den PR-Karren der sicherlich nicht billigen Agentur spannen ließen.

Anders: Motor-KRITIK ist billiger und effektiver wenn es darum geht Transparenz nachzuweisen.

Europaweit – soll wohl die Reichweite darstellen, mit der das Nürburgring-Angebot verbreitet wurde. Geht das tatsächlich mit einer einmaligen Anzeige in – europaweit – zwei Publikationen?

Warum erfolgte die Ausschreibung nicht z.B. im EU-Amtsblatt, das für jeden frei verfügbar in allen wichtigen Landessprachen angeboten wird?

Von der EU hört man zu den „Sprüchen“ der Insolvenz-Sachwalter nichts. Man hält sich vornehm zurück, zumal als wirklicher Gesprächspartner in Brüssel nur Vertreter der Bundesrepublick Deutschland ernst genommen werden können, nicht die von einer Landesregierung und einem Insolvenzgericht beauftragten Rechtsanwälte aus Trier und Koblenz. - Oder sie wären mit einer Vollmacht von Frau Angela Merkel, der Chefin der Bundesregierung ausgestattet. - Wenn es die denn wieder regierungsfähig gibt. - Demnächst in diesem Theater.

Bedingungslos – ist ein Wort, dass man nicht nur als Worthülse missbrauchen, sondern schon ernst nehmen sollte. - Ist der Nürburgring-Verkauf tatsächlich eine bedingungslose Versteigerung?

Dann würde das höchste Gebot Priorität haben und sonst nichts. Alles andere, wie z.B. das neue Nürburgring-Gesetz, dessen bedeutender Teil noch nicht einmal vom Mainzer Landtag ratifiziert wurde, oder der gewerkschaftlich beschlossene Sozialplan schaffen für einen Bieter unkalkulierbare Bedingungen.

Diskriminierungsfrei – das ist ein anderes Wort, das von den Insolvenz-Sachwaltern immer wieder verwendet wird. Aber von den gleichen Herren wird ausgeschlossen, dass als Bieter Russen ( reiche Oligarchen) oder Araber (reiche Scheichs) zum Zuge kommen. - Werden damit nicht bestimmte Bietergruppen ausgeschlossen? - Ist jetzt nicht der Ausschluss des ADAC aus dem Bieterverfahren eine Diskriminierung? - Denn die offiziell genannten Gründe sind nicht in der offiziellen Ausschreibung, dem „Teaser“ der KPMG, zu finden.

Auch bei Motor-KRITIK scheinen eine Menge der oben erwähnten 380 Seiten zu fehlen. Ich werde mich in den nächsten Tagen mit anderen Bietern in Verbindung setzen um zu erfahren, ob sie wirklich in den Besitz von – ungefähr – 380 Seiten Informationen zum Thema Nürburgring gekommen sind.

Der ADAC wird sie nicht erhalten haben. Dafür gab es dann am 28. November 2013 eine Pressekonferenz der gemeinnützigen Vereinigung „Ja zum Nürburgring“ im noblen Mainzer „Hyatt“-Hotel, wo man der Presse dann zwar eine Menge Papier zur Verfügung stellte, aber keine 380 Seiten.

Es lohnt auch sicherlich nicht, einer Regierungschefin seitenlange Briefe (15 Seiten einschl. Anlage) zu schreiben, die die Dame persönlich garnicht lesen wird. - Weil ihr dazu die Zeit fehlt.

Um auch den Vereinsmitgliedern eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie der Eingang von überlangen Briefen in der Staatskanzlei wahrscheinlich abgewickelt wird:

Jemand liest den Brief und schreibt eine kurze Zusammenfassung des Inhalts, die oben aufgeheftet wird. Frau Dreyer wird diese Zusammenfassung überfliegen und evtl. - so ihr etwas von Bedeutung erscheint – die entsprechend markierte Stelle im Brief dann anlesen.

Man hätte gleich eine Zusammenfassung nach Mainz schreiben sollen, die aber auch ein wenig „explosiver“ angelegt sein sollte, als der Inhalt des jetzt veröffentlichten Briefes.

Beispiel: In Büchel lagern Atomwaffen, am Nürburgring hochexplosive Druckkessel. Die in diesen Kesseln gespeicherte Energie hat bei einer Explosion eine Bomben-Wirkung, zumal die dann im direkten Zuschauer-Umfeld erfolgt. Bisher ist die Anlage schon zweimal außer Kontrolle geraten. Und Druckkessel können auch aus anderen Gründen bersten.

Im Falle eines Falles genügt es nicht auf eine TÜV-Abnahme oder die Betriebsgenehmigung der Kreisbehörde zu verweisen (die übrigens bis heute niemand gesehen hat). Man sollte den ring°racer nicht einfach Irgendjemandem mitverkaufen dürfen, der diese Gefahr garnicht einschätzen kann. - Weil zu einem Rennstreckenbetrieb auch wohl kaum der Betrieb einer Achterbahn gehört. - Ein Nebenbei-Verkauf wäre aus dieser Sicht fahrlässig!

Frau Malu Dreyer hat sicherlich nicht nur für das Steuergeld ihrer Bürger die Verantwortung zu übernehmen, sondern sollte auch deren Leben schützen. - Zumal, wenn sie darauf aufmerksam gemacht wurde.

MK/Wilhelm Hahne
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