ring°racer: SWR-Film mit Statisten „geschönt“?

Dem Start des Nürburgring-„ring°racer“ scheint eine einzigartige Inszenierung vorhergegangen zu sein. Offensichtlich – und ich werde das auch mit unbeantworteten E-mail-Anfragen nachweisen - ist auch die immer verkündete Betriebsgenehmigung nicht von der Art, dass man darüber offen sprechen könnte. Nicht nur in der offiziellen Presse-Information (die als pdf-Datei dieser Geschichte anhängt) wird „der Mund sehr voll genommen“, sondern es wurden auch Nürburgring-Mitarbeiter in einer SWR-Dokumentation über den „ring°racer“Start als Statisten eingesetzt, die durch „Flanieren“ im Nürburgring-“Boulevard“ eine Besucher-Frequenz vortäuschen sollten, die in der Realität nicht vorhanden ist. Ob hier die Gleichgültigkeit eines SWR-Reportageteams genutzt wurde oder ob eine „Abstimmung“ vorliegt, kann – und soll - hier nicht geklärt werden. Nachfolgend werden zuverlässig vorhandene Informationen genutzt und Fakten – z.B. in Form von E-mail – wiedergegeben, die den vorhandenen Anfangsverdacht bestätigen:

ring°racer: SWR-Film mit Statisten „geschönt“!

Der 31. Oktober 2013 ist ein schöner, sonniger, aber kalter Tag. Ich stehe am frühen Nachmittag auf dem Weg in eine Tiefgarage am Rheinufer am Rande der Kölner Altstadt und schalte mein Handy wieder ein. Ich war auf der Beerdigung eines „Freundes im Geiste“ gewesen, der sich in seinem Leben niemals von seinem ersten Traumauto, einem Porsche-Speedster, getrennt hatte. Er fuhr den 356 seit den 50er-Jahren, genauso wie seinen alten VW-Käfer. - Bis dass ihn jetzt der Krebs dahinraffte.

Ein Blick auf das Handy-Display reißt mich aus meiner stillen Trauer zurück in die harte Realität. Natürlich hatte ich das Handy seit Stunden ausgeschaltet. Mich hatten – wie ich sehe – in dieser Zeit eine Reihe von Anrufen erreicht, die ich jetzt erledige.

So erhalte ich u.a. drei Informationen, die für diese Geschichte wichtig sind:

1) Der ring°racer startet heute – mit Betriebsgenehmigung – für den Publikumsverkehr.
2) Der SWR schickt ein Reportageteam, um ab 15 Uhr den Start filmisch zu dokumentieren.
3) Nürburgring-Mitarbeiter sind über die E-mail-Verbindung Geschäftsleitung/Abteilungsleiter informiert, für den SWR-Film im „Boulevard“ - wie nach einem Drehbuch – ab SWR-Drehbeginn flanieren zu müssen.

Das alles ist so unwirklich, dass ich mich umschaue. Aber ist stehe hier wirklich am Rhein, auf dem leise tuckernd Schiffe passieren; hinter mir werden wirklich polternd Fässer einer Brauerei in den Bierkeller einer Gaststätte verladen. Ich habe wirklich das Handy in der Hand, mit dem ich eben telefoniert habe. - Ein Blick auf meine Armbanduhr: Nein, ich werde nicht pünktlich oben am Nürburgring sein können. Der SWR wird dann schon gedreht haben.

Aber ich beeile mich. Als ich die B 258 in Höhe der Startrampe im „ring°werk“ passiere, fährt auf der Parkfläche davor gerade ein weißer SUV mit der Aufschrift SWR ab. - Ich bin zu spät. - Aber der „ring°racer“ fährt.

Aber er wird nur wenige Tage in Betrieb sein. Ich dokumentiere auch dessen Fahrten bei kühlem und schlechten Wetter und frage mich, welche Auflagen wohl durch die Genehmigungsbehörde Kreisverwaltung Bad-Neuenahr-Ahrweiler tatsächlich gemacht wurden.

Man mag meine Arbeit nicht unbedingt bei der Kreisverwaltung, hat schon mal vor langer Zeit meinen Journalisten-Status in Frage gestellt, lässt sich mit der Beantwortung von Anfragen Zeit, ist schon mal „unwillig“, entschuldigt die „verzögerte Pressearbeit“ u.a. damit, dass man auch noch etwas anderes zu tun habe.

Dafür habe ich Verständnis. Was mich aber nicht hindert, deshalb schon – mit einem gewissen Nachruck – am 1. November 2013 folgende Anfrage zu wagen:

„Sehr geehrter Herr XXX,

inzwischen hat der "ring°racer" (=Achterbahn) wohl die Betriebsgenehmigung durch die Kreisverwaltung Ahrweiler erhalten. Sie läuft. Und die SWR-Fernsehberichterstattung sorgt für neugierige Besucher. Die scheint auch der Regen nicht von einer "ring°racer"-Fahrt abhalten zu können, wie ich heute - an Allerheiligen - beobachten konnte.

Nun wäre sicherlich der Zeitpunkt gekommen, wo die Kreisverwaltung Ahrweiler die Öffentlichkeit über die Auflagen - unter denen die Betriebsgenehmigung erteilt wurde - informieren solte.

Was in Motor-KRITIK zu diesem Thema bisher zu lesen ist und was ein Leser durch seine Kenntnis der DIN-Normen (Achterbahnen betreffend) beitrug, können Sie auf meinen Internetseiten lesen. Damit Sie nicht lange suchen müssen, folgt hier die Internetadresse, unter der Sie sich schnell informieren können:

http://motor-kritik.de/node/729

Als Presseverantwortlicher des Landkreises kennen Sie sicherlich auch das Informationsfreiheitsgesetz. Es ist also kein unbilliges Ansinnen, wenn ich Sie bitte, mir die Auflagen zur Kenntnis zu bringen, unter denen Ihr Dienstherr die Betriebserlaubnis erteilte. Sowohl die neue NBG, als auch die in Insolvenz befindliche Nürburgring GmbH sind - da überwiegend im Landesbesitz - nicht als "Privatfirmen" zu bezeichnen. Das wird auch von der EU so gesehen und sie werden entsprechend behandelt.

Es wäre nett, wenn Sie mich kurzfristig über die Fakten informieren würden, die Basis der Betriebserlaubnis durch die Kreisverwaltung Ahrweiler sind.

Mit freundlichen Grüßen
Wilhelm Hahne

PS: Mir ist natürlich bekannt - und ich habe das auch in einer anderen Geschichte zum Thema "ring°racer" geschrieben - dass das "ring°werk" vom 4. November bis 20. Dezember 2013 geschlossen ist und damit eigentlich kein Zugang zum "ring°racer" vorhanden ist. Aber eine solche "Urlaubszeit" hat ja keinen Einfluss auf die Betriebserlaubnis. - Da sind wir sicherlich einer Meinung.“

Nachdem ich nach einer Reihe von Tagen auf diese Anfrage keine Antwort erhalten hatte, habe ich – wieder mal – erinnern müssen. - Das geschah am 12. November 2013:

„ Sehr geehrter Herr XXX,

leider habe ich bis heute auf meine o.g. Anfrage keinerlei Antwort erhalten.

Ich habe mich heute davon überzeugt, dass die "ring°racer"-Fahrten offenbar nur von kurzer Dauer waren und eine Fortsetzung in den nächsten Wochen offensichtlich nicht geplant ist. Sollte es sich also bei der in den Medien vermeldeten Betriebsgenehmigung für den Nürburgring-"ring°racer" nur um eine vorübergehende, kurzfristige Gefälligkeits-Genehmigung gehandelt haben, so wäre Ihr Verhalten zwar erklärlich, ich wäre Ihnen aber dankbar, wenn Sie es mir kurz bestätigen würden.

Im anderen Falle möchte ich Sie bitten mir doch kurz mitzuteilen, was Sie - bzw. die Kreisverwaltung unter der Oberleitung des Herrn Dr. Pföhler - an einer detailierten Auskunft mir gegenüber hindert.

Es wäre nett, wenn Sie im Fall der Ablehnung meines Wunsches nach Informationen über die von Ihnen in der Betriebsgenehmigung für den "ring°racer" verankerten Auflagen zu einer klaren und eindeutigen Formulierung finden würden, damit die Position der Genehmigungsbehörde auch für andere Interessierte - unter denen sich auch mögliche "ring°racer"-Fahrer befinden - verständlich wird.

Mit freundlichen Grüßen
Wilhelm Hahne“

Keine Antwort. Auch nach vielen Tagen nicht. - Ich habe dann am 25. November zum letzten Male erinnert und einen Vorschlag gemacht:

„Sehr geehrter Herr XXX,

seit mehr als drei Wochen bemühe ich mich nun, von der Genehmigungsbehörde Kreisverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler eine detailierte Information zum Thema Betriebsgenehmigung "Nürburgring ring°racer" zu erhalten.

Vorschlag:
Sie lassen sich von Ihrer Rechtsabteilung beraten
und senden mir Ihre Antwort zum Thema unter
Hinweis auf die Empfehlung Ihrer Hausjuristen zu.

Ich würde mich freuen recht bald von Ihnen - so oder so - zu hören und verbleibe...

mit freundlichen Grüßen
Wilhelm Hahne“
 

Bei dieser Gelegenheit muss man daran erinnern, das der Chef der Genehmigungsbehörde einmal Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Nürburgring GmbH war und „sein“ Landkreis durch die Insolvenz der Nürburgring GmbH – überwiegend im Landesbesitz – praktisch 2 Millionen Euro, die im Eigenkapital steckten, als Verlust hinnehmen muss. Trotzdem hat er wohl – wie man hört - eine Berufung in den Gläubigerausschuss abgelehnt.

Landrat Pföhler war aber immer schnell in Reaktionen auf Presseanfragen, wenn sie ihm persönlich Ruhe verschafften. Ich erinnere mich da gerne an ein Telefongespräch mit ihm, in dem ich ihm auch klare, unmissverständlich Fragen stellte, um Gerüchte aufzuklären, die auch z.B. von „Kollegen“ hinter vorgehaltener Hand kolportiert wurden. Ich wollte Klarheit. Dr. Pföhler hat dafür in diesem Gesrpäch gesorgt. Ich habe ihn aber – zusätzlich – um eine kurze schriftliche Bestätigung seiner Aussage mir gegenüber gebeten. - Sie kam Minuten nach unserem Gespräch – am 2. September 2010 - per E-mail!

Ich füge sie als Beweis für das jetzige – geradezu ungewöhnliche Verhalten – nachstehend ein:

„Sehr geehrter Herr Hahne,

vielen Dank für Ihre e-mail sowie unser heutiges Telefonat betreffend meinen Wahlkampf 2007. Gerne bestätige ich Ihnen auch schriftlich, dass es keinerlei Wahlkampfspenden der Nürburgring GmbH oder von Dr. Kafitz an mich oder meine Partei gegeben hat. Hier werden offensichtlich verleumderische Gerüchte in die Welt gesetzt mit dem Ziel, mich zu diskreditieren.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Jürgen Pföhler“

Also habe ich damals das Thema nicht aufgegriffen oder das E-mail irgendwie verwendet. - Ich bedauere eigentlich, heute solche „Beweise“ anführen zu müssen.

Im Vorfeld meiner aktuellen, bisher unbeantworteten Anfragen hatte es natürlich auch schon Anfragen gegeben, die mir – wenn auch mit ein paar Tagen Verspätung – aber immerhin sehr nett und verständlich z.B. so beantwort wurden, so dass ich sie heute auch als Beweis dafür veröffentlichen kann, dass nun wohl etwas „nicht stimmt“. - Am 12. September 2013 wurde ich auf eine entsprechende Anfrage beschieden:

„Sehr geehrter Herr Hahne,

zu Ihrer Anfrage vom 6. September wegen des Ring-Racers:

Die Kreisverwaltung Ahrweiler klärt sämtliche Einzelfragen unmittelbar mit dem Bauherren. Weitere Auskünfte geben wir, wenn das Baugenehmigungsverfahren abgeschlossen ist.

Beste Grüße
XXX“

Noch einmal, um mein geäußertes Misstrauen zu begründen: Am 12. September sagt man mir „weitere Auskünfte“ zum Thema „ring°racer“ zu; im November - nach Abschluss des Baugenehmigungsverfahrens – (wie oben zu lesen) verweigert man sie mir offensichtlich.

Wenn man als Beobachter – und Leser – jetzt noch einmal den Inhalt der offiziellen Presse-Erklärung der aktuell Verantwortlichen am Nürburgring bewusst zur Kenntnis nimmt (s. Anhang), die Nicht-Reaktion der Genehmigungsbehörde berücksicht und auch, dass vom SWR ein realitätsfremder Fernsehbeitrag erstellt und gesendet wurde, weil Nürburgring-Mitarbeiter als Statisten zur Aufnahmezeit im „Boulevard“ unterwegs sein mussten (!), dann begreift man vielleicht, dass auch Motor-KRITIK hier mal „die Reißleine ziehen“ musste. (Motor-KRITIK lernt auch von Kurt Beck!)

Beim Verkauf des Nürburgrings wird offenbar wirklich – wie von Motor-KRITIK schon mehrfach angedeutet – nach Drehbuch gearbeitet.

„Die große Nummer wird gemacht!“

Es wird Zeit, dass einmal offen darüber gesprochen wird. - Leider konnte ich bisher nicht in den Besitz der „Anweisungs-E-mail“ der Geschäftsleitung des Nürburgrings an die Abteilungsleiter und an die folgende Erinnerung kommen, den genannten Termin nicht zu verpassen, an dem die Mitarbeiter zum Flanieren auf den „Boulevard“ geschickt wurden.

Nachdem ich die o.e. Informationen aus unterschiedlichen Quellen erhalten konnte, habe ich mich zu einer Veröffentlichung der sehr deutlich werdenden Faktenlage entschlossen, denn -zig Nürburgring-Abhängige können zwar aus Angst vor einer Entdeckung („Ich glaube, der E-mail-Verkehr wird überwacht!“) die Herausgabe von E-mail-Dokumenten zu vermeiden suchen, aber sicherlich werden nicht alle vor Gericht bereit sein, evtl. im Sinne ihrer Arbeitgeber einen Meineid zu schwören oder eine bewusste Falschaussage – die auch straffähig ist – in Kauf zu nehmen.

Ich sehe also den Reaktionen der „Nürburgring-Leitung“ mit Interesse entgegen.

Und vielleicht gibt es ja auch noch eine Antwort der Kreisbehörde auf meine Anfrage. - Ich bin immer noch daran interessiert, Herr Dr. Pföhler! - Wie sicherlich auch meine Leser und potentielle „ring°racer“-Fahrer.

MK/Wilhelm Hahne

 

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