ADAC bietet für den Nürburgring?

Die Medien sind auf den Propagandazug aufgesprungen. Wer auf sich hält, der berichtet inzwischen darüber, dass der ADAC... - Wer ist der ADAC? - Wer bietet für den Nürburgring? - Geht die aktuell feststellbare Art von Öffentlichkeitsarbeit um den Nürburgring von den Verkäufern, Anbietern oder vom ADAC aus? - Wer um die Realität hinter dem gewaltigem Schutzschirm ADAC weiß, der hat eine Menge Fragen. Wer ist zum Beispiel der Bieter, der hier als ADAC auftritt? - Der Automobilclub mit mehr als 18 Millionen Mitgliedern? - Eine der kommerziellen Tochtergesellschaften (um 20!), auf die der (gemeinnützige) ADAC seine geschäftlichen Aktivitäten aus steuerlichen Gründen ausgelagert hat? - In der Realität verbirgt sich hinter den vier Großbuchstaben einer der mächtigsten, bedeutendsten und einflussreichsten Groß-Konzerne Deutschlands. Als „Konzern“ - mit allen Tochtergesellschaften – werden die Bosse dieses Firmen-Konglomerats in diesem Jahr einen Gesamtumsatz von um 2 Milliarden Euro erwarten können. - Es gibt viele Fragezeichen. Auch hinter dem Titel zu dieser Geschichte.

ADAC bietet für den Nürburgring?

Die aktuelle Phase in der der ADAC ein Angebot abgegeben hat, ist eine unverbindliche Phase. Sie dient eigentlich den „Bietern“ (??) zunächst nur dazu, in den Besitz von betriebswirtschaftlichen Daten der insolventen Nürburgring GmbH samt Neben-Gesellschaften zu kommen.

Im Fall des ADAC kommt hinzu, dass man nach eigener Aussage nur für die Rennstrecken ein Gebot abgegeben hat, das natürlich nicht verbindlich ist, da man eigentlich noch keine Basisdaten hat, aus denen sich ergeben würde, wie „sinnvoll“ ein Kauf ist.

Wenn die Insolvenz-Sachwalter den Gläubigerausschuss dazu veranlassen würden, am Ende des Veräußerungsprozesses einem Angebot zuzustimmen, dass einem Käufer erlauben würde, ausschließlich die Rennstrecken zu erwerben, dann müssten die – wie man es volkstümlich sagt - „schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein“. - Der „Rest“ wäre dann unverkäuflich.

Als „Rest“ wären damit die Bauten ausgemacht, die Kurt Beck und seine Landesregierung zur Infrastrukturverbesserung der Eifelregion als unerlässlich betrachtete: der „Boulevard“, die „Arena“, das „Warsteiner Event-Center“, der „ring°racer“, das „ring°werk“, die „Grüne Hölle“, das 4-Sterne-Hotel, das Feriendorf. Außerdem die Häuser auf „Balkhausen“ und die Neuerwerbung eines im jetzigen Zustand unverwertbaren Hauses direkt hinter der Tribüne 13 und das „Off-Road-Gelände“.

Wenn der ADAC wirklich, wie jetzt kolportiert wird, ausschließlich für die Rennstrecken mal 100 Millionen Euro geboten hätte, weil das ja nicht verpflichtend ist, so käme das trotzdem einer Verhöhnung der Anbieter gleich, da der Zeitwert der Gesamtanlage (!) je nach Gutachter zwischen rd. 80 und 110 Millionen Euro geschätzt wird. Das was diese Gesamtanlage einmal wirklich in ihrer Entstehung gekostet hat, dürfte bei mehr als 700 Millionen liegen. - Was die Sinnhaftigkeit eines Verkaufs überhaupt in Frage stellt.

Mit einem Gebot von 100 Millionen Euro allein für die Rennstrecken, hätte sich der ADAC eigentlich als käufmännisch untalentiert ausgewiesen und sollte als Verwalter von Mitgliedsbeiträgen von rd. 18 Millionen Mitgliedern weiter unter kritischer Beobachtung bleiben.

Da man hier jetzt eine realistische Einschätzung desWertes der Rennstrecken von Motor-KRITIK erwarten wird, sei die hier notiert: max. 50 Millionen Euro.

Was auf die evtl. Käufer nach einem Zuschlag durch den Gläubigerausschuss zukommt (denn der entscheidet über die Angebote!), ist denen bisher noch nicht umfassend dargelegt worden, steht auch nicht im KPMG-Teaser, in dem im Übrigen für alle dort zu findenden Angaben keine Verantwortung übernommen wird.

Genauso verantwortungslos ist offenbar dann auch das Angebot des ersten bekanntgewordenen Bieters. Da stört, dass dessen Bedeutung im Markt offenbar genutzt werden soll, um weitere Bieter zu einem Angebot zu animieren, denn der ADAC gehört sicherlich nicht zu den „gut informierten Kreisen“, auf die man sich bei den ersten Presseveröffentlichungen zum möglichen Deal (?) in den Medien berufen konnte.

Wenn man dann noch den Inhalt der „Vertraulichkeitsvereinbarung“ kennt, der vor Erhalt der betriebswirtschaftlichen Daten mit den „Verkäufern“ abgeschlossen werden muss, dann muss man sich wundern, welche Informationen jetzt durch die Lande wuchern.

Hier wird auf primitivste Art „Bauernfängerei“ betrieben. - Meine ich.

Wenn man dann noch registrieren muss, mit welchen (natürlich legalen!) Mitteln viele Details zu öffentlich vorgenommen Darstellungen zu positiven Entwicklungen am Nürburgring „unter dem Tisch gehalten werden“, dann ist Misstrauen angebracht.

Man versucht die Dinge für die Öffentlichkeit zu vereinfachen, zu simplifizieren und damit allerdings auch verständlich zu machen. Aber damit in ein Richtung zu bringen, die alle zunächst Betroffenen vom Fall Nürburgring in einem besseren Licht dastehen lässt als bisher. Denn eigentlich muss die hier in den letzten Jahren überbordende Entwicklung zum Thema „Nürburgring 2009“ für den „Nebenbei“-Betrachter ein Buch mit sieben Siegeln sein, da erst das Zusammenfügen aller kleinen Facetten ein komplettes Bild ergeben kann. - Und darum versucht man selbst gefertigte Facetten einzuschieben, die das Bild verbessern.

Derzeit können die meisten Beobachter nur ahnen, was sich als „fertiges Bild“ vom Nürburgring in Zukunft darstellen wird. Derzeit ist es mehr ein unfertiges Puzzle, zu dem noch viele Stücke fehlen.

Die noch einschiebbaren Stücke können natürlich den Gesamteindruck des Bildes verändern. Darum schiebt jeder „sein Stück“ zu „seinem Bild“ ein, darum ergeben sich derzeit auch so viele – z.T. widersprüchliche Betrachtungsweisen.

Tatsache ist, dass „Nürburgring 2009“ als Beispiel für eine sinnlose, visionäre politische Strukturpolitik dienen kann, die sich ausschließlich an der Schaffung von Arbeitsplätzen zur Verbesserung von politisch bedeutsamen Statistikdaten und nicht an betriebswirtschaftlich guten Ergebnissen orientierte.

Und dafür - steht gestern wie heute – als Symbol, die Achterbahn, der „ring°racer“

In diesem Fall nur echt mit der richtigen Fahne, den „richtigen“ Politikern und den dazu passenden Informationen. Die es aber leider kaum gibt, weil die Fülle von Negativmaterial, wie es die Darstellung in der Realität erfordern würde, inzwischen von einer breiten Öffentlichkeit fast angewidert zurückgewiesen wird. - Tatsächlich gibt es Schöneres.

Und so sei ohne weiteren Text hier zum Abschluss ein „schönes Foto“ gezeigt:

 

 

MK/Wilhelm Hahne

Nachtrag vom 14. November: Einige meiner Leser haben mit Unverständnis (da unwissend) auf die obige Geschichte reagiert. Für sie ist der ADAC der nette, hilfsbereite Freundesclub „von nebenan“. Das zeigt, dass der Club sich „gut verkauft“. Wenn Sie auf den Internetseiten des ADAC mal einen exakten Überblick über das inzwischen enstandenen Firmengeflecht gewinnen wollen, das insgesamt den Konzern bildet, von dem ich gesprochen habe, dann sollten Sie das offizielle Organigramm des ADAC hier anklicken. - W.H.

 

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