18. November 2013: Lieber Leser!

Manchmal hat man Grund zurückzudenken und festzustellen: Manches ist besser geworden, vieles anders – aber nicht unbedingt besser. Ansichten haben sich verschoben, Einsichten geändert. Der Fortschritt hat zu Veränderungen geführt, Innovationen sind zur Belastung geworden. Andere mögen das anders empfinden, wieder andere garnicht. Weil man sich eigentlich abgewöhnt hat Gedanken zu machen. - Es ist so wie es ist. - Diese Einstellung vertritt nicht etwa die „Kriegsgeneration“, sondern eine junge, dynamische. - Dynamische? - Man kann doch sowie nichts ändern. - Es gibt nicht mehr den Antrieb, der aus Trümmern wieder eine blühende Welt entstehen ließ, es dominiert die Resignation. - NSA? - Na und? - Obama? - Na und? - Nürburgring? - Na und? - Wir können's doch nicht ändern. - Stuttgart... - Ach, Angela wird’s schon richten. - Und man setzt sich ins geleaste Automobil und fährt in den fremdfinanzierten Urlaub. - Wenn der Euro „verfällt“, muss man Schulden haben. - Es gibt eben für alle Handlungen eine Begründung, man kann alles argumentieren. - Wofür haben uns unsere Eltern denn auch studieren lassen?

18. November 2013: Lieber Leser!

Als ich vor ein paar Tagen einen Kollegen traf, den ich viele Jahre nicht gesehen hatte, da fragte der interessiert: „Sind Sie immer noch so aufmüpfig?“ - Ich wusste garnicht, dass meine Einstellung zum Leben und dem Geschehen um mich herum so empfunden worden war.

Ich habe immer nur gesagt was ich gedacht habe. Und das auch geschrieben. Das mag nicht angepasst gewesen sein, aber aufmüpfig? - Und eigentlich habe ich mich nicht verändert. - Bin ich immer noch aufmüpfig?

Ich erinnerte meinen Kollegen daran, dass er aber heute anders schreibt als „damals“, dass ich den Esprit vermisse, dieses Einfließen lassen von Basisdenken und Emotionen in eigentlich trockene, technische Geschichten. So wie er's damals konnte, so gut, geradezu elegant, habe ich nie schreiben können.

Das könne sein, räumte er ein. So manches habe sich eben im Laufe der Jahre abgeschliffen, sei „runder geworden“. Natürlich sei er dabei auch von seiner Erfahrung und seinem Umfeld bestimmt. Was solle er gegen die Einwände der vielen Abteilungen prostetieren, die keine „eckigen Geschichten“ mögen? Weil sie Ruhe wollen und viel Zustimmung. Von allen Seiten. Mit „runden“ Geschichten gibt es keine Probleme.

Meine Geschichte scheinen immer noch so „eckig“ - und ich seit Jahrzehnten so unverändert – dass man sich inzwischen nicht mehr darum bemüht, mich „runder“ zu machen. Man nimmt mich einfach (offiziell) nicht mehr wahr.

Als ich vor kurzem meine BMW-Geschichte, die mit der X5-Vorstellung und dem „Kolonnenfahren“ veröffentlichte, da hat die BMW-Zentrale in München umgehend die „Crew“ hier vor Ort telefonisch informiert und Verhaltensregeln bestimmt:

Sich nichts anmerken lassen, bei einem Aufeinandertreffen freundlich zu mir sein. Man hat nichts gelesen, nichts wahrgenommen, nichts gehört. - Bitte keine Reaktion zeigen. - Weder so noch so.

Man muss die Sache aussitzen. Wir kennen das bei Politikern, ich habe das auch bei der Industrie, bei Kollegen kennengelernt. - Nur keine Reaktion, Diskussion, Konfrontation.

So verhält sich ein Herr Nuvoloni, das „Sprachrohr“ der Insolvenz-Verwalter mir – und Motor-KRITIK gegenüber – einfach stumm. So als würde es uns nicht geben. Ein Dr. Schmidt, Geschäftsführer der Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH, antwortet nicht auf eine Anfrage. Die Kreisverwaltung Ahrweiler reagiert weder auf eine Anfrage zur Betriebserlaubnis für den „ring°racer“ noch auf eine Erinnerung dazu. - Man versucht die Situation totzuschweigen.

Die Firma Juwi antwortet nicht auf Anfrage und Erinnerung – auch zum „Tesla“, diesem erstaunlichen Elektro-Automobil, das ab und zu wohl auch „feurig“ ist. Frau Ministerin Lemke ist so beschäftigt, dass sie auf eine – nette – Anfrage von mir bisher nicht reagierte. Meine Fragen werden wohl nicht ins Konzept passen, das sie gerne – und möglichst unbehelligt – umsetzen würde.

Und keiner widerspricht ihr offiziell. - Natürlich wird hinter ihrem Rücken geflüstert, natürlich hat sie inzwischen an der Basis (der GRÜNEN) keine Basis mehr – aber was spielt das für eine Rolle? - Nach außen ist doch alles OK. Niemand ist „aufmüpfig“. - Da wird man diese dummen Fragen des „alten Mann aus der Eifel“ (frühere Bezeichnung von Finanzminister Deubel für den Journalisten Wilhelm Hahne) doch wohl noch aussitzen können.

Man nennt es „kleinkarriert“, wenn ich den Begriff „Stundenkilometer“ bei Angabe z.B. einer Höchstgeschwindigkeit als unrichtig empfinde oder bei der Angabe eines Übersetzungsverhältnisses im Getriebe evtl. die „Verhältnis-Zahl“ in der Angabe vermisse. - Das macht man eben heute so. Wer nimmt es auch noch so genau?

Aber genauso präzise sind dann auch oft andere Angaben, ausgerichtet an den Ansprüchen der Industrie, nach dem Motto:

Sie sagen mir wie Sie's gerne hätten, nennen mir bitte aber auch gleichzeitig die Zahl der „Sonderdrucke“, die sie abnehmen möchten. Oder darf ich Ihnen zur Auslage in der Handelsorganisation ein paar Tausend Original-Hefte verkaufen? (Das verbessert die verbreiteten Auflagezahlen, die wiederum die Basis für entsprechende Anzeigenpreise sind.)

Aber gleichzeitig: Nein, eine Einladung zum „X“-Sportereignis darf ich leider nicht annehmen. Da ist das Redaktionsstatut meines Verlages dagegen. Wir sind meinungsfreudig und unabhängig. - Sie verstehen?

Man ist schon genau, wenn es darum geht einen bestimmten Schein zu wahren.

„Natürlich“, sagt mir ein Kollege, „ist die Welt verlogen und inzwischen auch immer öfter korrupt. - Aber wollen Sie das ändern? - Sie alleine gegen die Welt? - Das ist doch lächerlich.“

Das mag sein. - Aber ich fühle mich wohl dabei. - Und werde es für den Rest meines Lebens dabei belassen.

So hatte ich z.B. gerade die Staatsanwaltschaft über eine Entwicklung informiert, die ich nicht verstehe. Aber wahrscheinlich fehlt es mir an Möglichkeiten, die Dinge entsprechend zuzuordnen. Ich hätte es mir auch leichter gemacht, wenn die Staatsanwaltschaft meine sonst notwendige Recherchearbeit übernommen hätte. Die hätte es – gerade im Umgang mit Behörden – leichter gehabt. Und so habe ich sie ergänzend (zu der Anzeige eines meiner Leser) informiert.

Die Staatsanwaltschaft schreibt mir per 14.11. 2013, nennt in der Postanschrift meine beiden Vornamen, von denen sie Kenntnis hat, da ich schon mal der Journalist war, gegen den ein Ermittlungsverfahren eingeleitet war und eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde. - Man schreibt im aktuellen Fall, der im Nürburgring-Umfeld angesiedelt ist:

„Zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für das Vorliegen eines strafbaren Handelns, die gem. § 152 Abs. 2 StPO Voraussetzung für ein Einschreiten der Staatsanwaltschaft ist, vermag ich nicht zu erkennen.“

Nun, ich werde mich weiter um Anhaltspunkte bemühen und aufmüpfig und kleinkarriert in unaufgeklärten – im Dunkel liegenden - Hintergründen herumstochern. - Nicht weil ich das gerne tue, sondern weil ich es als meine Pflicht empfinde, als Staatsbürger und Journalist so zu handeln.

Darum sprechen inzwischen so viele Leute nicht mehr mit mir. Auch bei den Öffentlich-Rechtlichen! - Aber von meinen Lesern gibt es oft ein Echo, das mir immer wieder eine Anregung ist. So schrieb mir vor wenigen Tagen ein Leser zu meiner oben schon erwähnten BMW-Geschichte:

„...offensichtlich betreibt man bei der Firma BMW eine gewollte Schizophrenie. Im Fall des Unfalls meiner Frau waren 2 BMW M5 Ringtaxis, zugelassen und versichert über BMW München, beteiligt. Die Fahrer waren ein BMW Entwicklungsingenieur und der Chefinstruktor des BMW Fahrertrainings. Trotzdem hat sich niemand bei BMW betroffen genug gefühlt, um diesen Unfall irgendwie mit der Firma BMW in Verbindung zu bringen und wenigstens ein kleines Stückchen auf mich zuzugehen.

Auch bei dem Grohs- Unfall möchte man offensichtlich von nichts etwas wissen.

Sie haben mit Ihrem Artikel tatsächlich auch für mich, ein Stück "verbogene Wahrheit" wieder gerade gerückt. Dafür bin ich Ihnen dankbar. Seien Sie gewiss, dass es viele Menschen gibt, die unbeeindruckt von wirtschaftlichen Abhängigkeiten oder politischer Verblendung die Wahrheit noch sehen können, wo sie auftaucht.

Bleiben Sie unbequem!...“

Na denn: Fortsetzung folgt!
Wilhelm Hahne

 

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